Südeifel legt Flächen für Windkraft fest

Südeifel legt Flächen für Windkraft fest

In einer Mammutsitzung hat sich der Rat der VG Südeifel am Donnerstagabend mit den zusätzlichen Flächen für Windkraft beschäftigt. Rund 2300 Hektar, verteilt auf 24 Standorte, sollen laut Beschluss des Rats nun im laufenden Änderungsverfahren des Flächennutzungsplans berücksichtigt werden.

Irrel. Gegen 22 Uhr bringt es Moritz Petry in der Irreler Gemeindehalle auf den Punkt. "Vielen hier im Rat hängt das Thema sicher schon zum Hals raus", sagt der Bürgermeister der VG Südeifel. Petry bezieht sich damit nicht nur auf die vorangegangenen vier Stunden, sondern auf die vielen Sitzungen und Treffen der vergangenen Monate, in denen sich die Rats- und Ausschussmitglieder mit dem Thema Windkraft beschäftigt haben. Im Rat hören die Ratsmitglieder dem Juristen und vier Vertretern der zwei Planungsbüros tapfer zu - während die Bedienung dafür sorgt, dass der Nachschub koffeinhaltiger Getränke nicht abbricht.
Der Flächennutzungsplan wird die Verbandsgemeinde Südeifel in den kommenden Jahren nachhaltig prägen. Es geht um die Ausweisung neuer Windkraftstandorte. Bereits im Dezember hatte sich der VG-Rat auf bestimmte Kriterien verständigt. So wurde beschlossen, dass der Mindestabstand zwischen Windkraftanlagen und Ortschaften bei 750 Metern liegen soll und dass man beim sogenannten Windertragswert unterscheidet. So soll auf dem Gebiet der ehemaligen VG Irrel Windkraft nur dort möglich sein, wo mit einem jährlichen Durchschnittswert von mindestens 6,8 Gigawattstunden zu rechnen ist. Auf dem Gebiet der ehemaligen VG Neuerburg sollen es mindestens 7,3 Gigawattstunden sein (siehe Extra).
Was den Mindestabstand betrifft, so hätte die SPD diesen gerne auf 1000 Meter erhöht. Bereits im Dezember hatte sie dazu einen Antrag gestellt, der jedoch von den anderen Fraktionen mehrheitlich abgelehnt wurde (der TV berichtete). An diesem Abend stellt die SPD den Antrag erneut. Und scheitert erneut. "Bei 1000 Metern bleibt nichts mehr übrig", begründet Niko Billen (CDU) den Mehrheitsbeschluss. "Wir mussten hier für alle Beteiligten einen Kompromiss finden."
Der Kompromiss sieht nun vor, dass im Flächennutzungsplan 24 Gebiete als Vorrangflächen für Windenergienutzung zur Verfügung stehen sollen. Elf dieser Flächen liegen auf dem Territorium der ehemaligen VG Irrel und die restlichen 13 in der ehemaligen VG Neuerburg.
Zunächst waren im Neuerburger Land 14 Standorte vorgesehen. Doch nachdem sämtliche Kriterien wie Mindestabstand, Windgeschwindigkeit, Naturschutz oder die Größe der Konzentrationsfläche (mindestens 25 Hektar) einzeln beschlossen wurden, haben die Planer noch die Ergebnisse der sogenannten Sichtfeldanalyse präsentiert. Mit Hilfe dieser Analyse wird untersucht, welche Auswirkungen die Errichtung von Windkraftanlagen darauf haben, wie sich Menschen von Anlagen umzingelt fühlen. So gibt es laut Planer bereits jetzt höher gelegene Standorte in der VG, von wo aus ein Betrachter, wenn er sich um die eigene Achse dreht, mehr als 50 Windräder sehen kann. Durch die Ausweisung neuer Standorte können es zukünftig sogar stellenweise mehr als 100 sein - wobei diese teilweise weit entfernt liegen würden.
Die Planer haben festgestellt, dass rund um Eisenach, Gilzem, Ernzen, Ferschweiler, Holsthum, Prümzurlay und Mettendorf durchaus mit einer sogenannten Umzingelungswirkung zu rechnen wäre. Sie schlagen deshalb für diese und auch andere Bereiche vor, die ausgesuchten Flächen zu reduzieren. Unterm Strich, so die Planer, würde sich dadurch die Gesamtfläche von rund 3100 Hektar auf 2300 Hektar reduzieren.
Diesem Vorschlag folgt schließlich auch der VG-Rat, der mehrheitlich beschließt, die Ergebnisse der Sichtfeldanalyse zu berücksichtigen. Somit stellt die VG Südeifel damit etwas mehr als sechs Prozent ihrer Fläche für Windkraft zur Verfügung.Extra

Dass für das Gebiet der ehemaligen VG Irrel geringere Ertragswerte gefordert werden als für das Gebiet der ehemaligen VG Neuerburg hängt damit zusammen, dass im Neuerburger Land deutlich bessere Windverhältnisse herrschen als in den Gemeinden der alten VG Irrel. Mit dieser Regelung soll eine übermäßige Konzentration von Anlagen im windstarken Norden verhindert werden und gleichzeitig auch Windkraft im windschwächeren Süden möglich sein. Weil der jährliche Ertragswert nur Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit einer Anlage hat, ist eine solche Unterscheidung möglich. uhe

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