Surfen und Bus fahren im ländlichen Raum

Um die Zukunft der Ortsgemeinden zu sichern, arbeitet die Verbandsgemeinde Neuerburg seit einigen Jahren an einem Nachhaltigkeitskonzept. Dazu gehören auch Themen wie Versorgung und Mobilität von Menschen, mit denen sich eine eigene Arbeitsgruppe befasst.

Das ÖPNV-Angebot in der Verbandsgemeinde Neuerburg ist ähnlich dünn wie die DSL-Versorgung. TV-Foto: Uwe Hentschel

Neuerburg. Es gibt mehr als 20 Gemeinden in der Verbandsgemeinde Neuerburg, in denen die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge höher ist als die der Einwohner. Zwar sind in dieser Statistik auch Traktoren berücksichtigt, doch die Mehrzahl der Familien ist auf mindestens zwei Autos angewiesen. Als "Zwangsmobilität" bezeichnet das Dirk Kron, der für das Mainzer Ministerium als "Iclei"-Berater das seit einigen Jahren laufende Nachhaltigkeitskonzept der VG Neuerburg begleitet. Iclei (Local Gaovernments for Substainbility) ist ein weltweiter Verband, in dem sich Gemeinden, Städte und Landkreise mit Umweltschutz und nachhaltiger Entwicklung auseinandersetzen.

Auch in der VG Neuerburg bearbeiten zahlreiche Menschen in den dafür gegründeten Planungswerkstätten die Problemfelder, und dazu gehört zweifelsohne die Mobilität und Versorgung innerhalb der Gemeinden. Damit verbunden ist die Suche nach Antworten auf Fragen: Wie sieht der Dorfladen von morgen aus? Wie kann ärztliche und Pflegeversorgung sichergestellt werden? Wie kann das Ehrenamt gestärkt werden? Wie sieht der derzeit kaum vorhandene ÖPNV (Öffentliche Personennahverkehr) von morgen aus? Und wie können Arbeitsplätze in der Region geschaffen und damit die Zwangsmobilität eingedämmt werden?

Die Beantwortung der letzten Frage hängt stark davon ab, inwieweit der Internetzugang in der VG Neuerburg verbessert wird. Denn ein Großteil der Gemeinden habe entweder nur einen ganz schwachen oder sogar gar keinen DSL-Zugang, erklärt Kurt Rings, Projektverantwortlicher der VG-Verwaltung Neuerburg. Und das wiederum sei ein entscheidender Standortnachteil, der auch Firmen davon abhalte, sich in der Verbandsgemeinde niederzulassen.

Deshalb haben die rund 20 Teilnehmer der dafür zuständigen Planungswerkstatt Ideen gesammelt, die auf ihre Machbarkeit hin überprüft, vom VG-Rat verabschiedet und dann im besten Fall auch umgesetzt werden. Dazu zählt die flächendeckende Internetversorgung über Funk, indem in den Höhenlagen der VG entsprechende Sender und Empfänger installiert werden. Und um die Fortbewegung der Menschen nicht nur im Internet, sondern auch im Alltag zu verbessern, lautet ein anderer Vorschlag der Planungswerkstatt: "Alt fährt Jung." Mit der Einrichtung eines "teilehrenamtlichen Dorftaxis" könnten dann die jungen, noch führerscheinlosen Dorfbewohner von den älteren Mitbürgern befördert werden, sagt Rings.

Im Rahmen einer Diplomarbeit an der Uni Trier könnten zudem die Pendlerströme im Neuerburger Land analysiert werden, um so die Grundlage für ein langfristiges Mobilitätskonzept zu schaffen. Denn dass die Menschen in der VG viele Autos haben, ist statistisch erfasst. Nur, wo sie alle hinfahren, das weiß man noch nicht. Extra Hintergrund: Im Rahmen des landesweiten "Projekts 21" ist die VG Neuerburg eine von acht Pilot-Kommunen, die sich mit der Nachhaltigkeit und damit langfristigen Perspektiven ihrer Gemeinde auseinandersetzen. Grundlage ist ein Handlungsprogramm, das von den teilnehmenden Städten und Verbandsgemeinden erstellt wird und Planungsziele definiert. Im Fall der VG Neuerburg richtet sich der Fokus auf vier Schwerpunkte: Stärkung und Erhaltung der Ortsgemeinden, Förderung der Jugend, ressourcenschonendes Wohnen und Entwicklung eines qualitätsvollen Tourismus. Aus den Leitzielen ergeben sich einzelne Projekte, zu denen in sogenannten Planungswerkstätten Ideen gesammelt werden. Beteiligt sind Mitglieder der Verwaltung und Gemeinderäte, aber auch Schulen, Firmen, Verbände und Privatpersonen. Die Ideen fließen ins Handlungsprogramm der VG ein, die in weiteren Schritten die Vorschläge in die Tat umsetzen soll. (uhe)