Gastronomie : Restaurants setzen auf Abholservice und Lieferdienste

Die Corona-Krise trifft die Eifeler Gastronomen hart. Seit Inkrafttreten der Regeln zur Pandemie-Eindämmung, entgeht ihnen der fest eingeplante Umsatz. Mit Lieferdiensten und Abholservice versuchen Gastwirte die Zeit durchzustehen.

Zwei Tage sind es bis zur Eröffnung. Die Speisekarte für den besonderen Freitag, den 20. März, steht. Das Haus ist dekoriert. Dann erreicht Kilian Rau und Simon Berhard die Horrornachricht: Bis auf Weiteres muss die Gastronomie in Rheinland-Pfalz schließen, zur Eindämmung des Corona-Virus.

Gerade erst haben die beiden die Torschänke in Dudeldorf von den Vorbesitzern Josef und Petra Cillien übernommen. Keinen einzigen Tag dürfen sie Gäste begrüßen und stehen schon vor der ersten Krise.

„Es ist befremdlich, das Restaurant so leer zu sehen“, sagt Gastronom Rau, gerade bei dem herrlichen Wetter der vergangenen Tage. Am Osterwochenende hätten Dutzende Motorradfahrer vor der Tür gehalten und sich die Karte angesehen. „Und wir durften sie nicht reinlassen“, sagt Rau: „Da blutet mir das Herz.“

Es sind schwierige Zeiten, auch für andere Gastronomen. Restaurants, Bars und Hotels können entgangene Umsätze kaum nachholen. Oder anders ausgedrückt: Ist der Bauch voll, ist er eben voll. Das Bett bleibt im Sommer kalt, egal, ob sich im Herbst jemand reinlegt. Wer das Virus überstehen will, der längst auch die Gastro-Szene befallen hat, muss also kreativ sein.

Etliche Eifeler Restaurants zwischen Bitburg, Daun, Prüm und Gerolstein bieten ihren Kunden daher einen speziellen Service, liefern Essen aus oder packen es zur Abholung ein.  Und zu bestellen gibt es inzwischen längst mehr als nur Pizza oder Döner.

„Die Kunden schätzen, dass sie bei uns auch etwas anderes bekommen als Fast-Food“, sagt Rau von der Torschänke. Diese Woche etwa: „Kalbstafelspitz aus dem Steinofen mit Portweinschalotten, buntes Frühlingsgemüse und Kräuterspätzle“ oder „Schweinefilet in Parmesan-Ei-Hülle, hausgemachten Ricotta-Spinatmaultaschen und

würziges Tomatenragout“. Ab Montag kredenzt Küchenchef Alexander Ettlinger ein neues Menü für die Gäste, die leider immer noch nicht bleiben dürfen. Aber an der Lokaltür versorgt werden.

Ein solches Angebot bietet auch die Landküche in Daun an. Chef Albrecht Land sagt: „85 Prozent unserer Gäste sind Stammkunden. Und denen wollen wir auch in diesen Zeiten eine hochwertige Qualität bieten.“ Das zeige sich an der „Take-Away-Karte“ mit der Gastwirt Land früher als mancher anderer in der Vulkaneifel an den Start ging. Dort finden sich zwar nicht alle Gerichte, die das Restaurant sonst anbietet. Von den Steinpilzravioli bis zur Brust vom Eifeler Prachthahn dürfte dort aber für viele Geschmäcker etwas dabei sein.

Die Resonanz sei auch „den Umständen entsprechend gut“, wie der Chef sagt, der auch selbst in der Küche steht. Was dem Betrieb außerdem zugute komme: Das Land hat, nach 14 Tagen Bearbeitungszeit, die Soforthilfe überwiesen.

Unterstützung bekommen die Dauner außerdem vom Vermieter Peter Lepper. Denn der erlässt  dem Gastronomen vorübergehend die Miete. Dennoch, sagt Land: Bis Ende Mai/Anfang Juni — länger halte das Unternehmen die Sperre nicht aus. Die Einnahmen aus dem Abholservice reichten gerade, um Kosten zu deckeln.

„An Gewinn ist derzeit nicht zu denken“, sagt auch Rau von der Torschänke.  Klar sei schon jetzt, dass er und Partner Berhard ans private Portemonnaie müssen, um den Betrieb am Laufen zu halten. Wenn es nicht bald Lockerungen gebe, zumindest bis Mitte Mai, werde es schwierig für das Traditionshaus.

„Betriebswirtschaftlich darf man momentan nicht rechnen“, meint auch Alexandra Weyres vom Haus Mannertal in Binscheid (VG Arzfeld). Es gehe eher darum, ein „ „Es-geht-weiter-Gefühl“ zu vermitteln. Weiter geht es in dieser Woche etwa mit „Hähnchen im knusprigen Mantel mit Garnelen im Kartoffelmantel“, einem „Linsencurry“ und anderem. Ein Angebot, das gut ankomme, wie Weyres sagt.

Dennoch fehlt der Binscheider Gastwirtin etwas, nicht nur in finanzieller Hinsicht. „Bis vor zwei Wochen kam ein Großteil unserer Gäste aus dem benachbarten Ausland. Immer hat man im Lokal die schöne Melange der verschiedenen Sprachen als Geräuschkulisse gehabt. Luxemburger Platt, Französisch, belgischer Dialekt, Eifeler Platt und natürlich Deutsch. Jetzt ist alles sehr still“, sagt sie.

Auch an dem Dauner Koch Land geht es nicht spurlos vorbei, das Lokal so leer zu sehen: „Der Kontakt mit den Kunden fehlt. Mit vielen pflegen wir Freundschaften, sitzen abends zu einem Gläschen Wein zusammen. Diese Wärme ist jetzt nicht mehr da.“

Auch Albrecht Land und Lebensgefährtin Eveline Güth macht die Schließung ihrer Landküche zu schaffen. Foto: Lydia Vasiliou
Alexandra Weyres vom Haus Mannertal in Binscheid vermisst ihre Gäste. Foto: Friedemann Vetter

Ans Aufgeben denkt der Gastwirt dennoch nicht: „Es nützt ja nichts, den Kopf in den Sand zu stecken.“