Tausendschön für Nessi

Eine Musik-Kabarettistin vom Feinsten brachten die Eifel-Kulturtage in Zusammenarbeit mit der Kulturgemeinschaft ins Haus Beda in Bitburg. Nessi Tausendschön begeisterte von Anfang bis Ende.

Bitburg. "Vielen Dank, liebes Massenpublikum", mit diesen Worten beantwortet Nessi Tausendschön den Begrüßungsapplaus der rund 250 Zuschauer im Festsaal des Hauses Beda. Ekstase nicht ausgeschlossen

Ein kniefreies Pepita-Kostüm, die Haare zu zwei Knötchen über den Ohren zusammengezwirbelt hält sie eine Kamera ins Publikum, um Vorher-Nachher-Fotos festzuhalten, "da sie ja möglicherweise nachher in Ekstase geraten werden", glaubt die Kabarettistin. Und in der ersten Reihe sieht sie mal wieder nur die Elite sitzen, und unter denen "vermutlich noch Sozialpädagogen und Lehrer". Schon der Anfang war signalwirkend für die gesamten zwei Stunden des Programms von Nessi Tausendschön. Ununterbrochen, mit spitzer Zunge, manchmal die Naive spielend oder parodierend, bewegte sie sich, mit klarer Stimme singend oder sprachlich mal auf politischem, poetischem oder auch nur auf alltäglichem Terrain.Und wie kam sie dazu, Kabarettistin zu werden? "Ich war jung und links und brauchte das Geld", kam die unverblümte Antwort. Heute Abend wolle sie in die "verschrumpelten Bitburger Herzen Freude träufeln" und sie habe schon viele Menschen verbessert. Stellvertretend dafür sei, dass man heute Cappuccino nicht mehr mit Schlagsahne, sondern mit Milchschaum trinke. Dass sie es geschafft habe, sei offensichtlich, aber "hochgeschlafen", habe sie sich niemals, "denn die Kabarett- und Kleinkunstbühnen werden meist von schwulen Männern geführt".Weltraumschrott und Möllemann

Als betrunkener Schutzengel von Nessi Tausendschön, mit einer Sektflasche in der Hand und diese meist zum Mund führend, erzählte sie schluchzend, schreiend und wimmernd über die Zustände im Himmel. Bei dem ganzen Weltraumschrott, der herumfliege, sei vorgestern auch Möllemann an ihr vorbeigeflogen. "Der Mann im Mond ist kein Mann, er hat sich umoperieren lassen" und "das Sandmännchen ist ein Ar...", schrie der Engel und nahm damit so ganz nebenbei die Zeitumstände aufs Korn. Als Gabi Pawelka — in biederem Kostüm, für sie aber topmodisch, da sie ja ein "Pracht-durch-Freude-Seminar" besucht habe und wisse, dass es gerade auf die Kleidung ankomme — sucht sie im Publikum einen Lebensabschnittsgefährten. Er müsse nicht schön sein — Gegensätze zögen sich bekanntlich ja an — aber er sollte möglichst aus der Bestattungs- oder Sanitärbranche kommen, "denn gestorben oder gesch... wird immer".Wenn am Ende einer Künstlerin normalerweise ein Blumenstrauß überreicht wird, hat sich die Kulturgemeinschaft an diesem Abend etwas Besonderes einfallen lassen: eine Lage Bellis-Blumen, auch bekannt unter dem Namen Tausendschön.