Tierquäler häutet Katzenschwanz

MALBERG. Unfassbare Tierquälerei in Malberg: Ein bislang unbekannter Täter hat den Schwanz einer Katze vermutlich mit einem Skalpell gehäutet. Die Besitzerin erstattete Anzeige.

Montagmorgen in Malberg (Verbandsgemeinde Kyllburg). Als Marita Anhuth (42) die Rollläden an ihrem Haus in der Lindenstraße hochzieht, hört sie Schreie. Sie stammen vom Katzenweibchen "Tiger", das nach seinem nächtlichen Streifzug nicht wie gewohnt nach Hause gekommen ist. Schließlich entdeckt Marita Anhuth das Tier in einer Baumkrone. Tochter Daniela steigt auf eine Leiter und bringt die völlig verängstigte Katze zum Boden. Die schreckliche Entdeckung: Der Schwanz besteht nur noch aus Knochen und rohem Fleisch. Irgend jemand muss das grau-schwarz-gestreifte Fell abgezogen haben, unter großen Schmerzen für das Tier. "Ein fürchterlicher Anblick", berichtet die Besitzerin."Ich habe Angst, dass es so weiter geht"

Tierärztin Dr. Astrid Kohl aus Kyllburg stellt fest, dass die Haut aufgeschnitten und vollständig abgetrennt worden ist. "Die Verletzung zeigt keinerlei Spuren eines Kampfes mit anderen Tieren wie zum Beispiel Biss- oder Kratzwunden", schreibt Kohl in ihrem Befund. Es gebe auch keine Spuren eines Autounfalls wie Lahmheiten oder Schwellungen. "So etwas ist mir in 15 Jahren noch nicht vorgekommen. Ein ganz merkwürdiger Fall", wundert sich die Tierärztin. "Tiger" bekommt ein Schmerzmittel und vor der Operation eine Narkose. Astrid Kohl muss den Knochenstumpf amputieren und vernäht die Wunde. "Tiger" überlebt, ist aber noch tagelang verstört und will nicht richtig fressen. Marita Anhuths Schwester Anita Brosius macht das Erlebnis zu schaffen. Sie greift zum Telefonhörer, wählt die Nummer der TV -Redaktion. "Ich bin schockiert und habe Angst, dass es so weitergeht", sagt die Bitburgerin. "Nächste Woche ist vielleicht ein anderes Tier dran, dem es noch schlimmer ergeht." Ein böser Streich Jugendlicher könne es nicht gewesen sein, denn die wüssten nicht, wie man mit einem Skalpell umgeht. Auch Marita Anhuth kann sich nicht vorstellen, wer so etwas macht. Feinde habe sie nicht. Ihre Sofortmaßnahme: Die Katze bleibt nachts im Haus. "Ich hätte sonst keine Ruhe mehr. Ich erzähle überall, was passiert ist, und bin froh, dass der Fall über die Zeitung bekannt wird", sagt Marita Anhuth. "Wenn jemand zum Beispiel auf Katzenschreie aufmerksam wird, soll er hinterher gehen. Die Täter müssen gestört und gefasst werden." Unklar ist, ob es sich um reine Tierquäler oder um Tierfänger handelt, die Kapital aus ihrer Beute schlagen wollen (siehe Hintergrund) . Auch Klaus Schnarrbach von der Polizei Bitburg schüttelt den Kopf: "So einen Fall hatten wir in unserem Bezirk noch nie." Wohl komme es aus unterschiedlichen Gründen immer wieder vor, dass Katzen verschwinden, zum Beispiel bei Nachbarschafts-Streitereien. Als Täter im Malberger Fall vermutet Schnarrbach einen sadistischen Tierquäler, "und das ist beängstigend". Möglicherweise ist es "Tiger" gelungen, ihrem Peiniger zu entkommen, bevor er sein schreckliches Werk vollenden konnte. "Die Flucht auf den Baum ist ein typisches Katzenverhalten", erklärt Astrid Kohl. Daniela Anhuth hat "Tiger" und Kater "Schnurri" mit der Flasche aufgezogen. Um 3 Uhr in der besagten Nacht sah sie die beiden Tiergeschwister noch unversehrt vor dem Haus. Der Angriff auf "Tiger" muss also in der Zeit bis zum Morgengrauen passiert sein. Danielas Appell: "Jemuss Straftaten melden. Wer wegschaut, wird zum Mittäter." Wer hat in der Nacht zum Montag in Malberg Verdächtiges beobachtet? Wer hat ähnliche Verletzungen an Haustieren festgestellt? Wer vermisst Tiere? Die Polizei bittet um Hinweise, Telefon 06561/96850.Was brennt Ihnen auf den Nägeln? Mailen Sie uns Ihr Thema an thema@volksfreund.de. Wir bringen es voran.