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Tierschützerin pflegt alte und todkranke Laborhunde

Tierschützerin pflegt alte und todkranke Laborhunde

In Oberpierscheid gibt es ein Hospiz für ehemalige Labor- und in der Meute gehaltene Jagdhunde, die keiner mehr braucht. Inge Bassi lebt dort seit 2005 zusammen mit 18 kranken Tieren, die sie bis zu deren Tod pflegt.

Oberpierscheid. Eine Klingel braucht Inge Bassi vom Gnadenhof "Tieroase am Regenbogen" nicht. Wer sich ihrem abgelegenen Grundstück bei Oberpierscheid nähert, wird aus 18 Hundekehlen lautstark angekündigt. Und dann eilt sie auch schon aus dem Haus und öffnet lächelnd das große Gatter. Nun ist erst mal großer Bahnhof angesagt: Die großen Hunde drängen sich an den Besucher, wedeln, schnüffeln, sabbern und wollen gestreichelt werden. Doch irgendwann legt sich die Aufregung.
Pauline, Jay-Jay, Rocky, Mickey, Mousy und viele weitere mehr leben mit Tierschützerin Inge Bassi zusammen. Auf dem Sofa, auf Sesseln, in Körben, auf Decken, unter dem Tisch oder neben dem Stuhl nehmen die Tiere ihre Plätze ein.
Lauf- und Windhunde


Die Eifelmeute, wie Bassi ihre Schar nennt, besteht hauptsächlich aus französischen Lauf- und Windhunden. Die gebürtige Schwäbin kümmert sich um diese Tiere, bei denen es sich meist um ausgediente Labor- und Meutehunde handelt. Wer es nicht zu ihr schafft, wird eingeschläfert. "Wer hier reinkommt, ist todkrank oder verhaltensgestört."
Schon ihre Eltern waren Tierschützer, erzählt sie. Seit 55 Jahren lebt die heute 65-Jährige mit Hunden zusammen. Anfangs waren es nur zwei. Da arbeitete sie als Vorstandsassistentin bei einem Maschinenbauunternehmen. "1981 bin ich in die Entwicklungshilfe nach Bangladesch gegangen", sagt sie. Dort beobachtete sie, wie Hunde zu Tode gequält wurden. "Ich habe das irgendwann nicht mehr ausgehalten.". Drei Hunde brachte sie aus Bangladesch mit.
Im Alter von 54 Jahren machten ihre kaputten Halswirbel nicht mehr mit. Inge Bassi ging in Frührente und kümmerte sich um ihre an Alzheimer erkrankte Mutter. Gleichzeitig wuchs die Hundeschar, die sie in ihre Obhut nahm. "Ich wollte helfen. Die Tiere werden normalerweise eingeschläfert und als Sondermüll entsorgt, wenn sie für die Jagd oder Laborversuche nicht mehr taugen." An ihnen wurden Herzklappen, Katheter, Implantate, Hüft- und Kniegelenke getestet. Obwohl die Tiere zum Teil schlechte Erfahrungen gemacht haben, wurde Inge Bassi noch nie von ihnen angegriffen oder gebissen. Stattdessen wird viel gestreichelt und gekuschelt. Inge Bassi hat ihr ganzes Leben für die Hunde umgekrempelt, doch sie empfindet das nicht als Belastung. Ihr Wahlspruch lautet: "Wo Liebe ist, ist keine Last."
600 Euro Futterkosten hat sie im Monat. Dazu kommen noch die Kosten für Tierarzt und Medikamente. Zum Teil finanziert sie das über Spenden, zum Teil von ihrem privaten Geld.
Ihr Gnadenhof hat sich in der Hundeszene einen Namen gemacht. Hundetrainer kommen zu ihr, um zu trainieren, Schulkinder besuchen sie im Rahmen von Projekttagen.
Nur eins darf Inge Bassi nicht werden: krank. Denn um die Tiere kümmert sie sich ganz alleine. Und Urlaub? "Ich war in der ganzen Welt unterwegs, das brauche ich nicht mehr." sn
Weitere Informationen unter www.tieroaseamregenbogen.de oder bei Inge Bassi, Trampertzdell 2, 54649 Oberpierscheid.