Tod im Cascade: Fall noch nicht geklärt

Tod im Cascade: Fall noch nicht geklärt

Vor einem Jahr kam es im Bitburger Cascade-Schwimmbad zu einem tödlichen Unfall: Ein dreijähriges Mädchen ist im Erlebnisbecken ertrunken. Seither ermittelt die Staatsanwaltschaft Trier. Um den Fall endgültig abzuschließen, muss noch geklärt werden, ob den Betreiber des Bads eine Mitschuld trifft. Ein Gutachter ist beauftragt.

Bitburg. Für eine Mutter ist der Tod des eigenen Kindes wohl das Schlimmste, was passieren kann. Eine Frau aus dem Altkreis Prüm hat das vor einem Jahr im Bitburger Cascade-Schwimmbad erlitten. In einem unbeobachteten Moment ist der Mutter ihre dreijährige Tochter entwischt - und ins Erlebnisbecken gestürzt.
Das Mädchen konnte von den Rettungskräften nur noch tot geborgen werden. Seither ermittelt die Staatsanwaltschaft Trier. "Wir müssen prüfen, ob jemand seine Pflichten verletzt hat und ob, wenn er sie beachtet hätte, der Tod des Kindes hätte vermieden werden können", sagt der Leitende Oberstaatsanwalt Jürgen Brauer. Auch für ihn ist das kein alltäglicher Fall. Es war der erste tödliche Unfall in einem Schwimmbad in der Region (siehe Extra). Ermittlungen in Todesfällen sind nie alltäglich. Erst recht nicht, wenn Kinder betroffen sind", sagt Brauer.
Mitte September 2010 wurde das Verfahren gegen die Mutter eingestellt. "Die Strafprozessordnung sieht vor, dass die Staatsanwaltschaft von der Verfolgung einer Tat absehen kann, wenn die Folgen der Tat den Täter selbst - oder wie hier - einen nahen Angehörigen treffen", erklärt Brauer. Ende Mai wurde auch das Verfahren gegen den Bademeister eingestellt, der am Unglückstag im Dienst war. "Ihm war kein Verschulden nachzuweisen", sagt Brauer. Offen ist noch die Frage, ob dem Betreiber des Bads, einer Tochtergesellschaft der Stadt Bitburg, ein Vorwurf zu machen ist. "Es geht um die Fragen wie: Wie viele Bademeister müssen im Dienst sein, werden diese ausreichend überwacht und wo müssen sie sich aufhalten", sagt Brauer.
Mit diesen Spezialfragen wurde ein Sachverständiger beauftragt. Sein Gutachten wird in den kommenden Monaten erwartet. Brauer: "Wir lassen nichts unversucht, um den Sachverhalt aufzuklären. Selbst wenn wir keinen Schuldigen ermitteln und sich das Geschehen als Unglück herausstellt, können die Ermittlungen dazu dienen, Missstände zu beseitigen oder andere für Gefahren zu sensibilisieren."
In der Region sind seit 1998 sieben Kinder ertrunken: 1998 ein Achtjähriger in der Mosel und ein Siebenjähriger in der Sauer. 2001 stürzte ein Säugling in einen Bach in Klüsserath. 2004 wurde eine Siebenjährige aus einem See bei Freilingen in der nordrhein-westfälischen Eifel tot geborgen. Im Mai 2008 ertrank ein Zweijähriger in einem Gartenteich in Niederkail. Drei Monate nach dem Cascade-Unfall ertrank ein sechsjähriger Junge Ende August 2010 im Erlebnisbad "Aquafun" im Vulkaneifel-Ort Gunderath. scho