Toter Bussard belebt Ängste

Toter Bussard belebt Ängste

AACH. Schon längst in seine ewigen Jagdgründe entfleucht war ein Mäusebussard, als er am Donnerstag auf dem Dorfplatz in Aach entdeckt wurde. Früher wäre der Kadaver einfach entsorgt worden. Und genau dazu riet auch das Veterinäramt – ein Ratschlag, der in Zeiten der Vogelgrippe aber Befürchtungen weckte.

Gegen 9 Uhr am Donnerstag war dem Aacher Gemeindearbeiter Richard Koch mitgeteilt worden, dass beim Brunnen im Dorfzentrum ein toter Raubvogel liege. Er, Koch, möge bitte tätig werden. Pflichtgemäß verständigte er sofort Ortsbürgermeister Josef Krein. Der wiederum informierte die Verbandsgemeindeverwaltung, die sich ihrerseits an das Kreisveterinäramt wandte. Von dort kam die Antwort: "Keine Gefahr! Handschuhe an, Vogel in Plastiktüte stecken und mit regulärem Restmüll entsorgen." "Warum soll ich Handschuhe tragen, wenn keine Gefahr besteht", ärgerte sich Gemeindearbeiter Koch. Er entsorgte den Bussard dennoch wie ihm aufgetragen, wobei er die Handschuhe und einen Regenumhang gleich mit in die Tonne beförderte. In "normalen Zeiten" wäre der Fall damit abgeschlossen gewesen. Doch wegen der scheinbaren Leichtigkeit, mit der das Veterinäramt die Sache anging, breitete sich in der Bevölkerung Unruhe aus. Besorgte Bürger informierten den TV, der daraufhin Amtstierarzt Dr. Dirk Lünenschloss befragte. Der Experte teilte mit, dass man in Sachen "Vogelpest" inzwischen weitaus besser im Bilde sei als noch vor einigen Wochen, "als die Feuerwehr für jede tote Amsel ausrücken musste". Das Hauptaugenmerk gelte nun den besonders für den H5N1-Virus anfälligen Wasservögeln. Grundsätzlich werde verendetes Wassergeflügel zur Untersuchung ins Landesveterinäramt Koblenz eingeschickt. Aus dem Kreis Trier-Saarburg seien bisher rund 30 tote Wasservögel in Koblenz untersucht worden, doch bei keiner Probe sei eine Influenza - geschweige denn der H5N1-Virus - festgestellt worden. Dies gelte auch für Funde aus den Nachbarkreisen. Lünenschloss: "Es gilt somit als unwahrscheinlich, dass sich der Bussard infiziert haben könnte. Hinzu kommt, dass Raubvögel, die ja gerade kranke Tiere schlagen, ein erheblich stärkeres Immunsystem besitzen als etwa Wasservögel." Der Tierarzt geht davon aus, dass der Bussard schlicht verhungert ist. "Nach einem langen Winter mit viel Schnee fallen Greifvögel regelrecht vom Himmel. Sie finden einfach keine Beute", sagt Lünenschloss. Auch erfahrene Jäger bestätigen dieses Phänomen.