Totes Gleis an der Oberen Kyll

JÜNKERATH. Die Deutsche Bahn (DB) AG baut weiter ab: Diesmal trifft es das Gleis zwischen Jünkerath und Losheim (der TV berichtete).

Schlechte Nachricht für Eisenbahnfreunde: Die DB AG lässt derzeit das Gleis zwischen Jünkerath und Losheim (Kreis Euskirchen) abbauen. Der Unterhalt für die seit vielen Jahren stillgelegte Strecke wurde zu teuer. Auch der Plan der Verbandsgemeinde (VG) Obere Kyll und der benachbarten Gemeinde Dahlem (Kreis Euskirchen), auf der Strecke eine Draisinenbahn einzurichten, scheiterte: Die von der Bahn verlangte Pacht wäre zu hoch und der Anstieg Richtung Kronenburg zu steil gewesen. Zudem hätten die Gemeinden dann auch für den Unterhalt der Brücken sorgen müssen. Alles in allem hätte sich das auf rund 90 000 Euro im Jahr summiert, wie Werner Arenz, Bürgermeister der VG Obere Kyll, berichtet.Das Eisen wird versilbert

Stattdessen werde jetzt mit dem Alteisen Kohle gemacht. Arenz: "Vor diesem Hintergrund können wir nicht verhindern, dass die den Schrott versilbern und nach China verkaufen." Dennoch darf leise Hoffnung keimen: "An der Trasse sind wir weiterhin interessiert", sagt Arenz. "Zum Beispiel für einen schönen Radweg - siehe Daun und den Maare-Mosel-Radweg. Attraktiv wäre das schon. Und da brauchen wir die Gleise nicht für." Trotzdem bleibe auch dann noch die Frage der Brücken: "Das ist der Knackpunkt", sagt Arenz, "wer hält die in Ordnung?" Als Träger käme der Verkehrsverein Oberes Kylltal, dem beide Gemeinden angehören, in Frage. Letztlich machbar sei ein solches Projekt allerdings nur mit stattlicher Förderung seitens des Landes oder der EU. Diese Vorstellung ist nicht unrealistisch, da die Strecke hinter Losheim weiter nach Ostbelgien führt - "und weil wir dadurch eine gute Erweiterung des Radwegenetzes von Rheinland-Pfalz über Nordrhein-Westfalen nach Ostbelgien bekämen. Wir wollen ja auch die Ostbelgier in die Eifel holen - und das wäre dafür ein fantastisches Bindeglied", schwärmt der Bürgermeister. Zuerst aber wird abgebaut. Unweigerlich: Im Dezember werden die Gleise und Schwellen für immer verschwunden sein. "Die Eisenbahnfreaks werden Trauerflor tragen müssen", vermutet Arenz. "Aber touristisch gesehen ist es ja auch nicht damit getan, dass da einmal im Jahr ein Bimmelbähnchen fährt." Tatsächlich haben auch die trauernden "Bahner" bereits reagiert: "Erneut ist ein Stück Infrastruktur in der Eifel verloren gegangen. Mit dem Abbau der Bahnstrecke verliert die Eifel weitere Entwicklungsmöglichkeiten", schreibt Hans-Peter Kuhl vom Arbeitskreis Schienenverehr im Rheinland. Was den engagierten Eisenbahner aus Gerolstein besonders ärgert: "Ohne weitere Information der Öffentlichkeit ist mit der Demontage begonnen worden, selbst für die obligatorische Abschiedsfahrt von Bahnfreunden blieb keine Möglichkeit." Zudem sei damit auch "die letzte Staatsgrenzen überschreitende Verbindung zwischen der Mosel und Aachen abgebaut worden. Bedauerlich sei der Abbau besonders vor dem Hintergrund, "dass 1985 die Strecke aus militärischen Gründen nach einer ersten Stilllegung 1981 wieder aufgearbeitet wurde und seither auch nur vergleichsweise wenig beansprucht worden ist". Bleibt also nur noch die Hoffnung auf eine künftig andere Nutzung der Trasse. Per Rad, zu Fuß oder, auch das ist im Gespräch, mit Pferdekarren. Werner Arenz: "Da bleiben wir am Ball."