Tourismus als Herausforderung

Tourismus als Herausforderung

Auch wenn sie auf die Einwohnerzahl bezogen als kleinere Verbandsgemeinde (VG) gilt, strahlt die VG Manderscheid doch bis ins benachbarte Ausland aus. Ihre Mittelgebirgslandschaft mit Burgen und Maaren ist für den Tourismus bedeutend. TV-Redakteur Hans-Peter Linz ist mit VG-Bürgermeister Wolfgang Schmitz durch die VG gereist.

Manderscheid. Manderscheid, neun Uhr morgens. Nach einer Tasse Kaffee im Büro von Bürgermeister Wolfgang Schmitz geht es zum Auto. Kurz vorher war noch das Thema Tourismus Gegenstand des Gesprächs - und da steht auch schon eine Wandergruppe des Eifelvereins vor der Tür des Gebäudes der VG-Verwaltung in Manderscheid. Schmitz kennt den einen oder anderen und hält einen kurzen improvisierten Vortrag über Manderscheid und die gesamte Region. Man sieht, wie wichtig dem Bürgermeister das Thema Tourismus ist. Die Wanderfreunde freut es, vom Chef der VG begrüßt zu werden. "Wir haben genügend zusätzliche Arbeit, denn man kann den Bestand einer Gebietskörperschaft nicht nur an den Einwohnerzahlen festmachen", hatte Schmitz vorher erläutert. Aus dem Schwerpunkt Tourismus - mit Attraktionen wie den Maaren, dem Vulkanismus und der Landschaft - würden sich nun einmal ganz spezielle Aufgaben für eine Verbandsgemeinde ergeben.
Manderscheids Burgen



Das Wahrzeichen der Stadt Manderscheid und auch der Verbandsgemeinde sind die Burgen, für die an der kurvenreichen Ausfallstraße zur Autobahn ein Besichtigungsparkplatz angelegt ist. Sie finden schon im 12. Jahrhundert erstmals Erwähnung in historischen Dokumenten. Sie waren damals Stammsitz der Herren von Manderscheid. Während die Oberburg heute der Stadt Manderscheid gehört, ist der Inhaber der Niederburg der Eifelverein.
"Auch die VG und der Bürgermeister kümmern sich um die Burgen", erzählt Schmitz. So müssen die Burgen zum Beispiel regelmäßig frei geschnitten werden. Schmitz hat dort auch schon Trauungen durchgeführt. Zudem organisiere die VG das jährlich stattfindende überregional bekannte Burgenfest. "Da helfen viele Ehrenamtliche mit, insgesamt sind es 250 freiwillige Helfer", sagt Schmitz.
Der am gleichnamigen Maar gelegene Ort ist auch wegen seiner sehr guten Hotels über die Region hinaus bekannt. "Dieser Ort lebt großenteils vom Tourismus", erzählt Schmitz. Nur einen Vollerwerbslandwirt gebe es noch. Die touristische Ausrichtung, die in der gesamten VG spürbar ist, erfordert auch spezielle Infrastrukturen. "Meerfeld mit seinen 360 Einwohnern hat eine eigene Kläranlage. Insgesamt hat die VG mit ihren 21 Orten sieben Einzelkläranlagen. "Da kommen im Schnitt jährlich 260 000 Übernachtungen und 560 000 Tagesgäste aus dem Tourismusbereich hinzu", sagt der VG-Chef.
Das Wasser- und Abwasserleitungsnetz müsse daher eine viel höhere Kapazität haben als in nichttouristischen Regionen. 25 Kilometer des Eifelsteigs führen durch die VG Manderscheid.

Landesblick Meerfeld


Auf den Aussichtsturm "Landesblick", der auf 516 Metern Höhe über dem Meerfelder Maar liegt, ist Schmitz stolz. "Für den haben wir 50 Prozent Gelder von der Europäischen Union erhalten." Von diesem Turm aus ist auch der landschaftsprägende Mosenberg zu sehen. Unter anderem hat ihn der berühmte Künstler Fritz von Wille gemalt.
Das Bild ist heute im Haus Beda in Bitburg zu sehen. Der große Waldreichtum der Gegend zeigt sich ebenfalls an diesem Aussichtspunkt.
Vulkanerlebnispark Bettenfeld



Der nächste Stopp führt zum Vulkanerlebnispark bei Bettenfeld. Gerade steigen Geologie-Studenten aus der Schweiz in einen Landrover. Sie haben ihr Morgenprogramm schon absolviert und Bodenproben entnommen. "Dieses Gebiet war früher ein Lavasteinbruch", erläutert Schmitz. Nun ist die Fläche zum Erlebnispark umgewandelt worden, in dem Exponate verschiedener Gesteinsarten und Infotafeln über den vulkanischen Ursprung der Region aufklären. Zudem liegt er nahe an den Wanderwegen und bietet sich als Ausflug für interessierte Wanderer an. Viele Wasserläufe in der ganzen VG sind renaturiert worden, wozu in den vergangenen Jahren mit Unterstützung des Landes über zwei Millionen Euro verwendet wurden.
Gewerbegebiet Großlittgen



Neben dem Tourismus zählen auch viele Gewerbegebiete zu den wirtschaftlichen Standbeinen der VG. Im Gewerbegebiet Großlittgen sind etwa zehn Firmen ansässig mit circa 150 Arbeitsplätzen.
Großlittgen ist mit seinen fast 1000 Einwohnern die zweitgrößte Gemeinde nach Manderscheid in der VG.
Rund 1000 Menschen arbeiten insgesamt in den Gewerbegebieten, zu denen neben Großlittgen noch insbesondere Laufeld und Wallscheid zählen. Im Tourismus sind etwa 800 Menschen beschäftigt. Sandabbauflächen und ein Steinbruch in Niederscheidweiler sind ebenso für die Wirtschaft bedeutsam. Zudem gibt es bei Hasborn den größten Solarpark in Rheinland-Pfalz mit 40 Hektar Fläche.
"Um die gute Infrastruktur der VG aufrechtzuerhalten, wurden in den vergangenen Jahren viele Straßen erneuert und ausgebaut. Das ist auch wegen der Topografie der Gegend mit ihren vielen Hügeln und Tälern sehr aufwendig", sagt Schmitz.
Auch Umweltschutz und die Erhaltung der einzigartigen Kulturlandschaft hätten eine hohe Bedeutung. "Diese ursprüngliche Landschaft ist unser Kapital, deshalb müssen wir diese für die künftigen Generationen erhalten", resümiert Wolfgang Schmitz.Extra

VG Manderscheid in Zahlen:Größe: 162 Quadratkilometer Einwohner zum 31. 12. 2012: 8264 in 21 Ortsgemeinden; Hauptwohnsitz 7746 und Nebenwohnsitz 518 Bildungseinrichtungen: sechs Kitas, vier Grundschulen, eine Realschule plus Gewerbegebiete: Greimerath, Großlittgen, Laufeld, Manderscheid, Oberscheidweiler, Wallscheid Pro-Kopf-Verschuldung zum 31. 12. 2012: 497,59 Euro (Landesdurchschnitt für Verbandsgemeinden mit bis zu 10000 Einwohnern: 353 Euro) hpl

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