Tourismusgemeinden setzen auf Solidarität

Irrel · Die Tourismus-Gemeinden der Verbandsgemeinde Irrel ziehen an einem Strang: Alle neun Orte haben sich bereiterklärt, freiwillig einen Anteil ihrer Fremdenverkehrsbeiträge der Verbandsgemeinde zu überweisen. Diese kann dadurch mit zusätzlichen Einnahmen von rund 40 000 Euro rechnen.

Irrel. Nein, Geld zu verschenken haben die Ortsgemeinden im Eifelkreis Bitburg-Prüm wahrlich nicht. Die meisten von ihnen wären sicherlich froh, wenn sie am Ende des Jahres einen ausgeglichenen Haushalt präsentieren könnten. Umso erstaunlicher ist es, dass neun Gemeinden in der Verbandsgemeinde Irrel künftig freiwillig auf einen Teil ihrer Einnahmen verzichten: Basierend auf einer Zweckvereinbarung, die mittlerweile alle betroffenen Ortsgemeinderäte abgesegnet haben, treten die neun Orte - allesamt Fremdenverkehrsgemeinden beziehungsweise Luftkurorte - freiwillig einen Teil ihrer Fremdenverkehrsbeiträge (siehe Extra) an die Verbandsgemeinde (VG) Irrel ab. In der Regel fließen damit künftig 30 Prozent des Fremdenverkehrsbeitrags A sowie 40 Prozent des Fremdenverkehrsbeitrags B an die VG. Diese kalkuliert dadurch mit Mehreinnahmen von knapp 40 000 Euro im Jahr. Geld, das sie dringend benötigt: Seit Juli 2009 verantwortet die VG Irrel die Tourismusentwicklung und Vermarktung für alle Gemeinden zentral - so werden beispielsweise die Tourist-Informationen Irrel und Bollendorf seitdem professionell von der Verbandsgemeinde betrieben. 100 000 Euro zusätzliche Kosten entstehen der Verwaltung dadurch jährlich. Da die VG jedoch selbst hoch verschuldet ist und die Übernahme der Tourismusförderung eine freiwillige Leistung der VG und ihre Finanzierung nicht kostendeckend ist, hatte die Kommunalaufsicht gefordert, dass diese Kosten refinanziert werden müssen (der TV berichtete). Schon zu Beginn des Jahres hatte der VG-Rat deswegen die Erhöhung der VG-Umlage beschlossen, die rund 50 000 zusätzliche Euro in die Haushaltskasse der Verwaltung spült. Weitere 40 000 Euro werden nun durch die Abtretung eines Teils der Fremdenverkehrsbeiträge eingenommen.
Bollendorf zahlt am meisten


Mehr als die Hälfte dieser Mehreinnahmen trägt dabei als größte Fremdenverkehrsgemeinde im Felsenland mit jährlich rund 50 000 Gästen und 170 000 Übernachtungen Bollendorf: Gut 24 000 Euro überweist der Ort an der Sauer künftig jährlich an die VG - mit großem Abstand gefolgt von der Ortsgemeinde Irrel, die als zweitgrößter Zahler auf knapp 10 000 Euro verzichtet.
Dennoch gab es in den Gemeinderäten dieser beiden Orte keine Proteste, als es um die Abtretung des Geldes ging. Lediglich in Echternacherbrück wurde die freiwillige Zweckvereinbarung erst im zweiten Anlauf beschlossen. "Ich bin sehr froh, dass alle neun Gemeinderäte die Notwendigkeit dieser Vereinbarung eingesehen haben", zeigt sich Moritz Petry erleichtert. Der Bürgermeister der VG Irrel sieht das geschlossene Auftreten der Fremdenverkehrsgemeinden und Luftkurorte im Felsenland auch mit Blick auf die bevorstehende Kommunalreform als "politisches Signal": "Sie wollen, dass die Tourismusförderung von der VG gemacht wird, und sie sehen dies als alternativlos an."Meinung

Wer A sagt, muss auch B sagen.
Eine Redewendung, die die Fremdenverkehrsgemeinden in der Verbandsgemeinde Irrel offenbar beherzigen. 2009 haben sie einhellig dafür gestimmt, ihrer VG die Verantwortung für die Tourismusarbeit zu übertragen - in dem Wissen, dass die Tourismusarbeit nur auf diesem Weg so professionell wird, wie Urlauber dies heute erwarten. Und die Irreler Gemeinden sind - wie sich am Beispiel der freiwilligen Zweckvereinbarung zeigt - auch bereit, diese Arbeit finanziell mitzutragen. Dass dies keine Selbstverständlichkeit ist, zeigt sich am Beispiel der Kyllburger Waldeifel: Hier konnten sich die Ortsgemeinden nicht einmal dazu durchringen, der Verbandsgemeinde die Aufgabe der Tourismusförderung zu übertragen. Im Felsenland dagegen agiert man geschlossen und ist sich der Wichtigkeit der Tourismusarbeit offenbar bewusst. n.ebner@volksfreund.de Bollendorf, Echternacherbrück, Ernzen, Ferschweiler, Holsthum, Irrel, Minden, Prümzurlay und Wallendorf dürfen als Erholungsorte von allen Betrieben, die vom Tourismus wirtschaftlich profitieren, den Fremdenverkehrsbeitrag A erheben. Mit dem Beitrag sollen Kosten gedeckt werden, die zur Herstellung und Unterhaltung von Fremdenverkehrseinrichtungen sowie für Werbung notwendig sind. Irrel und Bollendorf dürfen als Luftkurorte zudem einen Fremdenverkehrsbeitrag B von allen Gästen erheben, die sich zu Erholungszwecken in der Gemeinde aufhalten und denen die Möglichkeit zur Benutzung der Freizeit-, Unterhaltungs- und Kureinrichtungen geboten wird. neb