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Traditionsgasthaus zu verkaufen

Traditionsgasthaus zu verkaufen

Das ehemalige Restaurant Reihsdörfer Hof im Bitburger Stadtteil Erdorf steht zum Verkauf. Der Eigentümer hatte vergeblich versucht, einen Pächter für die am Bahnübergang gelegene Gaststätte zu finden. Der Ortsvorsteher hofft, dass bald wieder Leben in das leere Haus einzieht.

Bitburg-Erdorf. Die Speisekarte wirbt noch für "Zwiebelsoßschnitzel", Cordon bleu und Kupferpfanne mit Medaillons. Ganz so, als könnte man einfach hineinspazieren in den Reihsdörfer Hof, Platz nehmen und bestellen.
Wäre da nicht der Anblick von Spinnweben, heruntergelassenen Rollläden und von Spanplatten, die hinter der Eingangstür herumstehen, als hätte irgendwer sie dort hingestellt und die Pläne, die er für das Haus hatte, dann aufgegeben. Genau das ist tatsächlich passiert. Das riesige, dreiteilige Gebäude am Bahnübergang im Herzen von Erdorf steht seitdem leer und wartet auf einen neuen Besitzer mit neuen Ideen.
"Das ist für unseren Stadtteil kein schöner Anblick", sagt Ortsvorsteher Werner Becker, der sich wünschen würde, dass bald wieder Leben in das ortsbildprägende Gebäude einzieht. Die Kreissparkasse (KSK) Bitburg-Prüm bietet den großen Komplex mit seinen vier Wohnungen, dem 202 Quadratmeter großen Restaurant, einem Parkplatz und einem Nebengebäude, das einst ein Eisenbahnstellwerk war, für 185 000 Euro zum Kauf an. Denn im Sommer 2013 hatte sich der Vorbesitzer, ein Niederländer, der das Gebäude erst 2012 gekauft hatte, von seinen Plänen verabschiedet. Laut Hans-Jürgen Enders, dem leitenden Immobilienberater der KSK, hatte dieser ursprünglich vor, den Reihsdörfer Hof als Kapitalanlage zu sanieren und wieder mit gastronomischem Leben zu erfüllen. Allerdings fand sich kein Pächter. Also schwenkte er um und begann, die ehemalige Traditionswirtschaft zu Wohnungen umzubauen, die er an Amerikaner vermieten wollte. Doch fehlte offenbar auch hier die Nachfrage.
Durch Veränderungen im persönlichen Umfeld habe der Mann sich dann entschieden, das Gebäude wieder zu verkaufen, sagt Enders. Trotz erster Umbauten sei aber alles noch da, um das Erdgeschoss erneut gastronomisch zu nutzen.
Einbeziehen ließe sich in solche Pläne auch ein überdachter Innenhof, in dem die ursprünglichen Eigentümer des Reihsdörfer Hofs einst eine Hausbrennerei betrieben. "Das Gebäude macht von außen zwar leider inzwischen einen etwas verwahrlosten Eindruck, aber die Substanz ist sehr gut", sagt der Immobilienberater. Zu dem Komplex gehört auch noch ein ungewöhnliches Nebengebäude: das ehemalige, unmittelbar am Bahnübergang gelegene Eisenbahnstellwerk.
Die Arbeitsgemeinschaft Eisenbahngeschichte im Bitburger Land hatte vor einigen Jahren Interesse bekundet, das Stellwerk zu mieten, um darin ein kleines Museum einzurichten. "Man müsste aber erst einmal 30 000 Euro investieren, um alle Auflagen zu erfüllen", sagt Ortschef Becker. Eine andere Idee wäre es, das Stellwerk in ein Ferienhaus zu verwandeln - wohl insbesondere für Gäste, die Schienen, Schranken und ratternde Züge lieben.
Doch konkret ist nichts von alledem. Als das Haus zuletzt angeboten wurde, dauerte es etwa drei Jahre, bis sich ein Käufer fand. Nun hoffen alle Beteiligten - und wohl auch viele Erdorfer -, dass es diesmal schneller geht, dass dann auch tatsächlich neues Leben in die alte Gaststätte im Ortskern einzieht und dass man die Speisen, die draußen auf der Karte angepriesen werden, drinnen tatsächlich essen kann.