Traditionsturm wird goldener Hingucker

Infrastruktur : Traditionsturm in Neuerburg erhält goldenen Aufbau

Der Beilsturm in Neuerburg wird saniert. Der Stadtrat hat sich für einen modernen Aufbau entschieden. Zuvor wurde das Thema heftig diskutiert. Auch die Bürger kamen zu Wort.

Paris hat den Eiffelturm, Dubai den Burj Khalifa und Neuerburg bald das „Golden Eye“. Nein, mit James Bond hat das nichts zu tun. Der Name ist quasi ein Arbeitstitel, den Bauingenieur Ulrich Beck vom Büro UBE aus Brühl der Neukonstruktion des Beilsturms verpasst hat.

In der jüngsten Sitzung des Stadtrats Neuerburg haben die Mitglieder erneut über die Sanierung des im 16. Jahrhundert erichteten Turms gesprochen. Nachdem der erste Entwurf  des Ingenieurs in der vorhergegangenen Sitzung durchgefallen war (der TV berichtete), gab es nun zwei neue Varianten zur Auswahl: eine klassische und eine moderne. „Wollen Sie einen Wetterschutz oder ein Alleinstellungsmerkmal?“, fragt Ulrich Beck provokant in die Runde.

Auch die Pariser hätten zunächst mit dem überdimensionalen „Funkmast“ (Eiffelturm) gehadert. „Die wollten das Ding weghaben“, sagt Beck. Er forderte die Neuerburger auf, eine Aussage für ihre Gemeinde zu treffen. Andernfalls bleibe der Turm „beliebig“. Das Golden Eye hingegen, „das ist krass. Das hat eine andere Form, eine andere Farbe - den Turm würde man von überall sehen. Die Leute würden darüber erzählen.“ Bevor der Rat diskutiert, unterbricht Lothar Fallis, Bürgermeister der Stadt Neuerburg, die Sitzung, um den zwölf Zuhörern die Möglichkeit zu geben, sich zu äußern. Martin Brunker plädiert dafür, den Beilsturm  als Teil der Stadtbefestigung und Wahrzeichen der Stadt visuell zu erhalten. Der futuristische Vorschlag führe seiner Meinung dazu, dass die ursprüngliche Funktion nicht mehr zu erkennen sei. Der Beilsturm würde dann ein Aussichtsturm werden ohne geschichtlichen Hintergrund, befürchtet er. „Ich höre schon den Spott des Umlands.“

Ein anderer Zuhörer schließt sich dieser Meinung an. Den modernen Turm könnte man ebensogut auf ein Gerüst irgendwo in den Wald stellen. Eine Zuhörerin fragt nach dem Mehrwert der modernen Konstruktion. „Was wird dem Besucher da oben denn geboten, außer dem Ausblick? Manfred Dichter, Leiter des Bauamts der Verbandsgemeinde Südeifel, wohnt seit mehr als 30 Jahren in Neuerburg und meldet sich ebenfalls als Bürger zu Wort: „Ich habe in Neuerburg live miterlebt, wie es mit dem Ort stetig nach unten gegangen ist. Dieses Programm (Ländliche Zentren - Kleinere Städte und Gemeinden, siehe Info) bringt uns die Chance, Neuerburg aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. Wir sollten Innovationsfreude zeigen und den Ort fit machen für die nächste Generation.“

Norbert Klinkhammer plädiert dafür, die Bevölkerung zu befragen. Davon hält Lothar Fallis allerdings nichts: „Ich bin erschrocken, wie wenige Leute heute Abend hier sind. Ich kann nicht jedesmal, wenn eine Entscheidung unangenehm ist, die Bürger entscheiden lassen.“

Die Meinungen innerhalb der SPD- als auch der CDU-Fraktion gehen auseinander. Ulrich Hess (CDU) liest eine persönliche Erklärung vor. Er favorisiert die klassische Variante: „Ich sehe nicht, dass, nur weil wir da so ein Dach draufsetzen, dann die Japaner und Chinesen busweise nach Neuerburg kommen. Ich befürchte, dass der Turm unter dem Goldene Eye unsichtbar wird.“ In Dresden habe man auch die Frauenkirche mühsam wieder rekonstruiert, warum also ein Original verfälschen?

Hildegard Theis (SPD) plädiert für die moderne Form: „Das ist ein Merkmal, das wir setzen können. Das ist gut für den Ort.“ Markus Kolf (CDU) ist skeptisch: „Ich befürchte, wir überschätzen den Effekt. Ich denke, wenn wir die Geschichte bewahren, ist die junge Generation froher damit.“ Das Golden Eye sei in seiner Modernität beliebig. Für Bürgermeister Lothar Fallis ist der Beilsturm ein erster Baustein im Erneuerungsprogramm, um das Stadtzentrum zu beleben. „Ich finde mich in der modernen Form wieder.“ Josef Germann (CDU) hält dagegen die neue Form für einen Eingriff in die Geschichte Neuerburgs.

Nach heftiger Diskussion stimmen insgesamt sechs Ratsmitglieder (fünf CDU/einer SPD) für die klassische Variante und zehn (sechs SPD/drei CDU und Lothar Fallis) für die moderne Form. Bei dem Aufstieg zum Turm herrschte wieder Einigkeit. Einstimmig wurde beschlossen, eine neue Treppe bauen zu lassen.

Einen Schritt weiter ist die Stadt auch, was die Gestaltung des Stadtparks angeht. Es wird überlegt, ob man eine mobile Bühne und eine mobile Toilettenanlage anschaffen soll. Vorteil wäre, dass man beides sowohl im Stadtpark als auch auf dem Marktplatz einsetzen könnte. Der Stadtrat sprach sich einstimmig für diese Lösung aus. Fallis wird die Fördermöglichkeit nun mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion in Trier klären.

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