Traumjob trotz Handicap

Der Weg ins Berufsleben ist nicht immer einfach. Das gilt besonders für Menschen mit Behinderung. Betroffene aus dem Eifelkreis finden Unterstützung im Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen, das es seit knapp vier Jahren in Bitburg gibt.

Bitburg/Prüm. Hecken schneiden, Rasen mähen, Unkraut jäten: Aufgaben, die Daniel Schneider aus Neidenbach fast tagtäglich erledigt. Der 22-Jährige ist seit Ende 2011 Gemeindearbeiter in der Verbandsgemeinde (VG) Kyllburg. Im Winter kümmert er sich um den Räumdienst an Grundschulen und Kindertagesstätten, im Sommer pflegt er die Grünanlagen. Immer schon hat er davon geträumt, Gärtner zu werden. Dass er heute einen festen Arbeitsvertrag hat, ist nicht selbstverständlich. Denn er hat eine Lernbehinderung.
Zentrum existiert seit vier Jahren


Nach dem Besuch von Förderschulen erhielt Schneider weder eine Empfehlung für eine Werkstatt für behinderte Menschen, noch kam für ihn ein normaler Arbeitsalltag infrage. Hilfe hat er im Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen (ZsL) in Bitburg gefunden. Die Einrichtung ist Ansprechpartner für Menschen mit Behinderung aus dem Eifelkreis und bietet verschiedene Projekte an, mit denen diesen der Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglicht werden soll (siehe Extra). Dort hat man Schneider zunächst ein Praktikum vermittelt. "Bei Daniel ging das eigentlich sehr schnell", erzählt Angelika Blenkner vom ZsL. "Dass die Verbandsgemeinde Kyllburg ihn dann direkt übernommen hat, ist schon etwas Besonderes."
Das ZsL hat es sich zum Ziel gemacht, Menschen mit Behinderung zu einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zu verhelfen. In den knapp vier Jahren, seitdem es das ZsL in Bitburg gibt, haben die fünf Mitarbeiter 154 Menschen mit Behinderung in Praktika vermittelt, vier in Ausbildungsstellen und 14 in Arbeitsverhältnisse. Dabei geht es auch darum, Alternativen zur Arbeit in den Werkstätten aufzuzeigen.
"Wie andere Menschen auch, sollen Behinderte entscheiden können, wo und was sie arbeiten möchten. Wir bestärken sie in ihren Vorstellungen, zeigen aber gleichzeitig auch auf, was realistisch ist und was nicht", erklärt Edith Bartelmes vom ZsL, die selbst eine Behinderung hat. So hätten junge Frauen oft den Wunsch, etwas mit Kindern zu machen, erfüllen aber nicht alle Voraussetzungen. "Dann ist zum Beispiel Hauswirtschaft ein guter Kompromiss."
Die Teilnehmer, die in der Regel zwischen 18 und 30 Jahren alt sind, werden umfassend betreut. In Schulungen werden ihnen soziale Kompetenzen vermittelt oder ganz lebenspraktische Dinge wie Wäsche waschen oder Bus fahren beigebracht. Auch während der gesamten Zeit in Praktikum oder Job werden sie von Jobcoaches begleitet und unterstützt.
"Das ist für beide Seiten wichtig", erklärt Bartelmes. "Der Arbeitgeber muss wissen, dass er nicht zu viel auf einmal verlangen darf", so Bartelmes. "Die Teilnehmer müssen lernen, dass sie auf der Arbeit nicht jeden duzen oder jedem gleich um den Hals fallen dürfen."
Hilfe bei Behördengängen


"Wir helfen auch bei Behördengängen oder Anträgen", so Bartelmes, die gute Kontakte etwa zur Agentur für Arbeit oder zur Kreisverwaltung pflegt. "Die sozialen Ämter im Kreis sind sehr aufgeschlossen und beispielhaft, ja wegweisend in ihrer Arbeit."
Eine Arbeit, die sich lohnt: Denn hat ein Teilnehmer seinen Platz in der Arbeitswelt gefunden, stärkt das auch sein Selbstwertgefühl. "Durch die Arbeit fühlen viele sich erst richtig angekommen", sagt Bartelmes.
Positive Entwicklung


Auch Daniel Schneider hat sich gut entwickelt. "Er ist flexibler und selbstständiger geworden. Seine Leistung hat sich stetig verbessert", sagt Bürgermeister der VG Kyllburg Bernd Spindler. "Die Zusammenarbeit mit dem ZsL war von Anfang an sehr vertrauensvoll."
Auf die Frage, was ihm bei seiner Arbeit am meisten Spaß macht, muss Schneider nicht lange überlegen: "Rasen mähen auf Schloss Malberg!"
Extra

Seit 2008 ist eine von drei ZsL-Einrichtungen in Rheinland-Pfalz in der Thilmanystraße 12 in Bitburg zu finden. Die fünf Mitarbeiter setzen sich für die Integration von behinderten Menschen in die Gesellschaft ein und stützen sich dabei größtenteils auf zwei Projekte: Das Angebot JobBudget richtet sich an Menschen, die in einer Werkstatt für Behinderte arbeiten oder eine Empfehlung dafür haben. Für Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf kommt das Angebot Unterstützte Beschäftigung infrage. Die Mittel kommen aus dem Bundesausgleichfonds. Aktuell betreut das ZsL in den Projekten 15 Teilnehmer. eib