Treibgutsperren sollen am Korlesbach in Kyllburg Überflutungen verhindern.

Kostenpflichtiger Inhalt: Hochwasserschutz : Nach dem Unwetter: Treibgutsperren sollen in Kyllburg Überflutungen verhindern

Die Verbandsgemeinde  Bitburger Land lässt am Korlesbach Stahlstreben und einen Rechen installieren,  um Überflutungen zu verhindern.

Die Sonne scheint, der Himmel ist blau, die Aussicht Am Steineberg hinunter auf die Stadt Kyllburg beeindruckend, und der Korlesbach führt zurzeit keinen Tropfen Wasser. Bei dieser Idylle ist es schwer vorstellbar, was sich dort am 9. Juni 2018 ereignete.

Doch im Gespräch mit den Anwohnern Marlies und Erich Steffens wird klar, was das Ehepaar hinter sich hat – wie viele andere Eifeler auch, die von den schlimmen Unwettern im vergangenen Jahr heimgesucht wurden. Die Eheleute haben zahlreiche Zeitungsausschnitte über das Hochwasser und Fotos in ein Album geklebt – auch ohne das werden sie dieses Ereignis nie vergessen.

Der Korlesbach hatte sich am 9. Juni 2018 zu einem reißenden Strom entwickelt und Äste, Unrat und Steinbrocken den Hang hinuntergespült. Da dadurch schließlich der Rechen vor dem Ablauf blockiert war, trat das Wasser über das Auffangbecken, strömte durch den Garten der Steffens und über die Straße, drohte ein Gartenhäuschen und ein Kanalbauwerk mit in die Tiefe zu reißen und in den Keller des Hauses einzudringen.

Dazu kam es zwar nicht, dennoch war die Aufregung groß. Die Steffens und weitere Anlieger mussten evakuiert werden, verbrachten eine Nacht im Hotel und weitere Nächte schlaflos.

„Wir haben lange Zeit nicht schlafen können“, erzählen die beiden. Jetzt sind sie zuversichtlich und froh, dass sie das gesundheitlich gut überstanden haben – und nicht nur sie.

Das Kapitel Korlesbach ist noch nicht abgeschlossen. Nachdem der Hang durch 100 LKW-Ladungen Geröll stabilisiert wurde, der einstige Garten der Steffens wieder hergerichtet beziehungsweise angesät wurde, werden demnächst auch Hecken wieder angepflanzt, die wegen der LKW und der Bagger hatten weichen müssen.

Und auch am Korlesbach selbst hat sich inzwischen was getan: Das Gewässer dritter Ordnung in der Verantwortung der Verbandsgemeinde Bitburger Land, das nicht immer Wasser führt, fließt über Betonschalen den steilen Hang hinunter. Das Beton-Bauwerk ist mehrere Jahrzehnte alt und würde heutzutage nicht mehr genehmigt. Den gesamten Bachlauf zu renaturieren, würde nach Ansicht von Experten zu viel Zeit in Anspruch nehmen – und wohl auch zu viel Geld.

Erneut Überflutungen in der Eifel

Im Juni war das Wasser nach dem Starkregen über die Betonschalen getreten und hatte am Rand alles mitgenommen, was sich nicht wehrte. „Der Durchlauf selbst wäre den Wassermassen gewachsen gewesen“, sagt Josef Hilden, Ingenieur bei der Verbandsgemeinde Bitburger Land. Aber der Rechen war durch Steinbrocken quasi verbarrikadiert.

Damit das nicht wieder passieren kann, hat die Verbandsgemeinde nun sogenannte „Treibgutsperren“ aus Stahl einbetonieren lassen. „Das sind Sperren, wie sie auch bei Bächen im Hochgebirge verwendet werden“, sagt Werner Hentges, Geschäftsführer des Planungsbüros Hydrostat. Er arbeitet mit an dem Starkregenvorsorgekonzept für die Verbandsgemeinde.

Wenn wieder Geröll den Hang hinabgespült werde, dann würden die Sperren es aufhalten, das Wasser könnte weiter abfließen, so der Plan. Das ist aber noch nicht alles: Es soll auch ein neuer Rechen her. Den hatte einer der Anwohner, der namentlich nicht genannt werden will, schon länger gefordert. Er behauptet, das Ereignis von 2018 hätte verhindert werden können, wenn der Rechen früher ausgetauscht worden wäre (siehe Kurzinterview).

Nun soll der neue Rechen im September geliefert werden. Hentges zeigt dazu eine Abbildung. Das neue Modell sieht auch vertrauenerweckender aus als der alte Rechen. Der Boden um das Auffangbecken wird etwas befestigt, und ein Absperrgitter soll für mehr Sicherheit sorgen. Um leichter in das Auffangbecken hinabsteigen zu können, werden Steigbügel an den Wänden angebracht.

Hentges und Hilden glauben, dass damit ein Teil des Problems gelöst ist. „Sicher muss man nach Starkregen das Gelände im Auge behalten und schauen, ob Äste abgebrochen sind und ob sich größere Steine herausgelöst haben. Zudem gibt es Messpunkte im Gelände, die regelmäßig darauf hin kontrolliert werden, ob sich was verschiebt“, sagt Hilden.

In Sachen Bodenverdichtung und Hochwasserschutz müsse man sicher auch die Landwirte mit ins Boot nehmen, so die Fachleute. Bürger werden zudem darüber informiert, wie sie sich vor solchen Starkregenereignissen schützen können. Auch soll es demnächst eine Bürgerversammlung geben.

Erich und Marlies Steffens zeigen ihr Unwetter-Album. Foto: TV/Maria Adrian
Die Aufnahme von Erich Steffens stammt vom 10. Februar 2019. Foto: TV/Maria Adrian

Und Hentges gibt für die Zukunft zu bedenken, in der bedingt durch den Klimawandel häufiger mit Unwettern zu rechnen ist: „Wir können Gewässer nie hundertprozentig sichern.“

Mehr von Volksfreund