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Trinker in der Bierstadt? - Stadtratsmitglied beschwert sich über Betrunkene - Der TV fragt bei der Polizei nach

Trinker in der Bierstadt? - Stadtratsmitglied beschwert sich über Betrunkene - Der TV fragt bei der Polizei nach

Besoffene auf Bitburgs Straßen? Für Stadtratsmitglied Stephan Garcon ist das ein Problem von öffentlichem Interesse. Er fordert deshalb ein härteres Durchgreifen der Polizei. Doch gibt es überhaupt Handlungsbedarf?

Mit dem Feuerzeug öffnet Wolli sich ein Bier: "Plopp". Er nimmt einen kräftigen Schluck. In seinem Rucksack klimpern Flaschen.

Wolli heißt eigentlich Wolfgang - seine beiden Kumpels nennen ihn aber lieber bei seinem Spitznamen. Schließlich kennen sie sich seit der Schulzeit. Alle drei tragen sie Schirmmützen, ihre Gesichter sind rot und bärtig. Mehrmals in der Woche treffen sie sich hier am Zentralen Omnibusbahnhof in Bitburg (ZOB) - zum Plaudern, zum Rauchen und zum Trinken. So auch heute. Es ist 12 Uhr mittags. Bis 5 werden sie wohl noch bleiben, schätzt Wolli, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen will. Dann gehe es mit dem Bus nach Hause. Der 52-Jährige wohnt in einem Dorf, etwa 10 Minuten von Bitburg entfernt.

Menschen wie Wolli, die in der Öffentlichkeit trinken, sind Stefan Garcon ein Dorn im Auge: "Für Touristen, aber auch für die Bitburger, ist es unangenehm diese Leute da sitzen zu sehen", sagt er. In einer E-Mail wendet sich das Stadtratsmitglied unter anderem an den Bürgermeister. Er schreibt: "Ich bitte um Durchsetzung unserer Abwehr- und Gefahrenverordnung, die den Konsum von Alkohol in unseren städtischen Anlagen verbietet." Wer sich diese Verordnung ansieht, bemerkt aber, dass das so gar nicht im Dokument steht. Bestraft werden soll lediglich, wer "im Zustand deutlicher Trunkenheit verweilt und hierdurch die öffentliche Ordnung stört". Doch stört es schon die öffentliche Ordnung, mit einem Bier in der Hand auf dem ZOB oder auf dem Konrad-Adenauer-Platz zu stehen?

"Natürlich nicht", sagt Werner Krämer, Pressesprecher der Stadt, auf Nachfrage des TV. Auf der Kirmes, auf Straßenfesten - da werde doch auch öffentlich getrunken: "Und daran stößt sich keiner." Es sei natürlich schwierig eine Grenze zu ziehen, gibt Garcon zu. Jugendliche, die ihren Abschluss feiern, zum Beispiel mit einer Flasche Sekt - das finde er in Ordnung. Auf dem Busbahnhof kistenweise Bier zu leeren, gehe ihm persönlich zu weit. Die Verordnung greift aber auch hier nicht - es sei denn die Trinker werden auffällig.

Zurück am ZOB: Ein hagerer Mann in einem olivgrünen Parka kommt um die Ecke des Toilettenhäuschens. "Hey Walter", ruft Wolli ihm zu. Ebendieser Walter kommt wortlos zu ihm herüber und steckt ihm eine Packung Kräuterschnaps in die Jackentasche: vier kleine Fläschchen in einer Pappschachtel. "Ach nee, das muss doch jetzt nicht", protestiert Wolli. Doch da ist der Mann schon wieder verschwunden - genauso schnell wie er gekommen ist. Wolli bleibt kopfschüttelnd zurück. Den Walter, den kenne er gut, sagt er. Er kenne eigentlich fast jeden, der am ZOB herumhänge. Also ist er regelmäßig hier? "Nee", er winkt ab, nur wenn er gerade zufällig etwas in der Stadt zu tun habe. Da sagt Michael Poos etwas anderes. Der 26-jährige Busfahrer, der täglich am ZOB hält, kennt die Gruppe um Wolli. "Ich sehe die fast jeden Tag am ZOB", sagt er. Dass Fahrgäste oder Passanten belästigt worden wären, habe er aber nie beobachtet: "Die trinken nur in Ruhe ihre Pullen leer." Und das betont auch Wolli: "Ob wir hier jetzt Bier oder Limo trinken, ist doch egal!" Der 52-Jährige versichert: Er und seine Kumpels pöbelten nicht und ihr Müll lande immer in der Tonne. Anders sei das bei den Jugendlichen, die mittags auf dem Busbahnhof herumlungerten. Flaschen, Kästen, Abfall - das bleibe alles liegen.

Und was tut die Polizei dagegen? Wolli hat sie schon einige Male hier gesehen, die Frauen und Männer in blau. Sie fragen dann nach Personalien, lassen sich Ausweise zeigen, verschwinden aber meistens schnell wieder. Es sind Routinekontrollen. Handlungsbedarf sehen weder Ordnungsamt und Polizei. Der Tenor: "Betrunkene gibt es überall." Und zumindest in Bitburg machen sie keine Probleme.
Meinung

Trinken und trinken lassen


Es mag nicht jedermann's Sache sein, mittags in der Fußgängerzone Bier zu trinken. Aber es zwingt einen ja niemand mitzuzechen. Klar, wer pöbelt oder randaliert, muss bestraft werden. Aber die Frage ist doch: Warum kann man Leuten wie Wolli ihren Frühschoppen nicht gönnen, solange sie keinen Ärger machen? Gerade die Bierstädter sollten bei dieser Frage etwas toleranter sein. So, das wäre gesagt. Und weil ich hier noch etwas Platz habe, gibt's jetzt noch eins von Wollis Geheimrezepten gratis zum Kommentar dazu: "Einfach abends nach dem Trinken einen Schluck Maggi-Würze trinken und am nächsten Morgen hast du keine Fahne - das garantier' ich dir!" Na dann, Prost! c.altmayer@volksfreund.de

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