Trinkwasser mit Bakterien belastet: Spangdahlemer müssen vorerst alles abkochen

Spangdahlem · Aus dem Kranen gleich ins Glas: Was in der Eifel eigentlich selbstverständlich ist, ist es in Spangdahlem nicht mehr. Im Trinkwasser des 1000-Einwohner-Orts wurden coliforme Bakterien festgestellt. Zur Sicherheit muss das Wasser nun erst abgekocht werden, bevor es zum Zubereiten von Essen verwendet werden kann.

"Es besteht kein Grund zur Panik", sagt Manfred Rodens, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Speicher. Dennoch sind etliche Bürger in Spangdahlem verunsichert. Am Mittwochabend rollte ein Einsatzfahrzeug der Feuerwehr durch den Ort. Über Lautsprecher wurden die Bürger angehalten, kein Wasser mehr aus der Leitung zu trinken - und das Wasser abzukochen, bevor damit Essen zubereitet wird. Der Grund: Bei einer der regelmäßigen Routine-Untersuchungen des Trinkwassers wurde eine erhöhte Konzentration coliformer Bakterien festgestellt.

"Es handelt sich nicht um das gefährliche E-Coli-Bakterium, sondern um Umwelt-Keime", sagt Rodens. Der Unterschied: Während das auch als Darmbakterium bekannte E-Coli-Bakterium relativ rasch zu Beschwerden wie Erbrechen und Durchfall führen kann, gelten die Umwelt-Keime, die der gleichen coliformen Bakterien-Familie angehören, als kaum schädlich. "Die festgestellten Bakterien haben keine direkte gesundheitliche Auswirkung" heißt es in einem Info-Brief, der Donnerstagmorgen an alle Haushalte in Spangdahlem verteilt wurde. Allerdings kann das Gesundheitsamt nicht gänzlich ausschließen, dass das Wasser bei "vereinzelten Personengruppen wie Säuglingen oder immungeschwächte Menschen" zu Magen- und Darmbeschwerden führen könnte, wie die Kreisverwaltung auf TV-Anfrage mitteilt. Bei solchen Beschwerden sollten Betroffene vorsorglich den Hausarzt aufsuchen.

"Es handelt sich um eine reine Vorsorge-Maßnahme", sagt Josef Schmitz, Leiter der VG-Werke Speicher. Mit der Air Base oder der PFT-Belastung des Brunnens in Beilingen habe dieser Fall nichts zu tun. Es geht um ein völlig anderes, von der Base und Beilingen unabhängiges Wassernetz.

Spangdahlem wird - wie auch Herforst - vom Brunnen in Meisburg (Vulkaneifelkreis) versorgt. Die übrigen Orte der kleinen VG beziehen ihr Wasser aus Speicher und Auw an der Kyll. Mit dem Wasser aus Meisburg speist der Zweckverband Eifel-Mosel die Netze von insgesamt 24 Ortschaften, darunter auch etliche Höfe. "Derzeit spricht alles dafür, dass die Belastung auf Spangdahlem begrenzt ist", sagt Norberth-Roland Kloos, stellvertretender Leiter des Zweckverbands. Das hätten erste Schnellproben in Nachbargemeinden gezeigt. Zur Sicherheit wurden aber der Meisburger Brunnen und der Hochbehälter in Schwarzenborn beprobt. Abschließende Untersuchungsergebnisse erwartet Kloos am Freitag.

Wie es zu der Verunreinigung in Spangdahlem gekommen ist, ist noch völlig offen. Denkbar wäre eine Ablagerung im örtlichen Netz. "Die Ursachenermittlung läuft noch", sagt Ansgar Dondelinger von der Kreisverwaltung. Derzeit wird vom Hochbehälter in Schwarzenborn aus das Wasser gechlort. Zudem wird das Leitungsnetz gespült. Werkeleiter Schmitz geht davon aus, dass am Montag - nach erneuter Untersuchung des Wassers - wieder entwarnt werden kann.

Extra
In einem Info-Brief, der an alle Haushalte in Spangdahlem verteilt wurde, warnen die VG-Werke Speicher: "Im Trinkwasser der Gemeinde Spangdahlem wurde ein Indikatorparameter für coliforme Bakterien überschritten. (…) Das zuständige Gesundheitsamt hat vorsorglich angeordnet, dass das Trinkwasser, welches zum Trinken und zur Zubereitung von Getränken und Speisen verwendet wird, abzukochen ist." Meisburger Brunnen

Aus dem Brunnen in Meisburg bekommen folgende Ortschaften ihr Wasser:
Gladbach, Greverath, Niersbach, Herforst, Arenrath, Binsfeld, Spangdahlem, Hof Mulbach, Ho Hütt, Niederkail, Bruch, Landscheid, Gut Heeg, Altenhof, Hof Hau, Schwarzenborn, Eisenschmitt, Himmerod, Wallscheid, Eckfeld, Pantebug, Manderscheid, Bettenfeld, Meerfeld

Nach einer ersten Schnelluntersuchung geht der Zweckverband davon aus, dass es sich bei der Belastung des Wassers um ein lokal auf Spangdahlem begrenztes Problem handelt. Es sieht derzeit nicht so aus, dass der Brunnen in Meisburg belastet ist. Exakte Untersuchungsergebnisse sollen am morgigen Freitag vorliegen.
Aussagen der Kreisverwaltung

Das sagt Ansgar Dondelinger, Pressesprecher der Kreisverwaltung:

Wann und wie ist die Belastung des Trinkwassers in Spangdahlem bekannt geworden?
Ansgar Dondelinger: Bekannt gegeben wurden die Befunde durch den Wasserversorger am Montagvormittag, 13. Juli, per Mail an das Gesundheitsamt. Der Wasserversorger wurde vom Untersuchungslabor unverzüglich informiert. Bei Routinekontrollen an einer Netzmessstelle in Spangdahlem, die regelmäßig beprobt wird, wurden damit zum ersten Mal coliforme Keime festgestellt.

Um welche Bakterien handelt es sich genau?
Dondelinger: Nachgewiesen wurden bis jetzt coliforme Bakterien, Enterokokken (Stand heute 12 Uhr), die Endbefunde stehen noch aus und liegen dem Gesundheitsamt nicht vor.

Wie hoch ist die Konzentration dieses Bakteriums im Spangdahlemer Wasser?
Dondelinger: Coliforme Bakterien von 2KBE (koloniebildende Einheiten) bis 50 KBE pro 100ml, Enterokokken mit 1KBE/100ml an zwei Messstellen in Spangdahlem.

Wie hoch dürfte die Konzentration sein, um als unbedenklich zu gelten?
Dondelinger: Der Grenzwert für coliforme Keime beträgt 0 KBE in 100ml. Der Grenzwert für Enterokokken beträgt ebenfalls 0 KBE in 100ml.

Wie kann ein solches Bakterium ins Trinkwasser gelangen?
Dondelinger: Eine Ursache konnte bis heute nicht festgestellt werden, die Ursachenermittlung läuft noch.

Wie gefährlich ist das Wasser? Welche Gesundheitsbelastungen können theoretisch auftreten?
Dondelinger: Die Gruppe der coliformen Bakterien stellt beim gesunden Menschen keine direkte Gesundheitsgefahr dar. Es ist aber nicht auszuschließen, dass über das Trinken oder die Nahrung aufgenommene Bakterien bei vereinzelten Personengruppen (Säuglinge, immungeschwächte Personen) zu einer Erkrankung führen können (Magen- und Darmbeschwerden). Daher wurde vorsorglich ein Abkochgebot empfohlen und herausgegeben.

Wie sollen sich Menschen verhalten, die eventuell bereits Symptome bemerken?
Dondelinger: Bei Ihrem Hausarzt vorsprechen und den Sachverhalt und die Symptome mit ihm ggf. besprechen.

Sind auch Nachbargemeinden wie Herforst oder Beilingen gefährdet?
Dondelinger: Dazu kann zum jetzigen Sachstand noch keine Aussage getroffen werden, da die Analysen noch laufen.

Wenn das Wasser von Meisburg kommt, müssen dann alle Orte zwischen Meisburg und Spangdahlem fürchten, dass ihr Trinkwasser belastet ist?
Dondelinger: Dazu kann zum jetzigen Sachstand noch keine Aussage getroffen werden, da die Analysen noch laufen. In Meisburg und Schwarzenborn wurden heute weitere Proben entnommen.

Wie geht die Kreisverwaltung nun weiter vor? Was wird unternommen, um das Wasser zu reinigen?
Dondelinger: Das Trinkwasser wird nun direkt am Hochbehälter Spangdahlem gechlort (gemäß Trinkwasserverordnung). Durch die Ortsnetzspülung wird das gechlorte Trinkwasser bereits heute Nachmittag, 16. Juli, in der Ortschaft messbar und die Gefährdung damit beseitigt sein.

Stehen weitere Proben/Untersuchungen an?
Dondelinger: Die weiteren Untersuchungen werden mit den Wasserversorgern VGW Speicher und Zweckverband Eifel-Mosel abgesprochen. Nach einem Chlorungszeitraum von einigen Tagen darf keine messbare Chlorkonzentration mehr im Trinkwasser vorhanden sein. Im Anschluss wird an verschiedenen Stellen des Ortsnetzes die Trinkwasserqualität erneut gemessen.

Wie lange müssen die Menschen in Spangdahlem voraussichtlich ihr Wasser abkochen?
Dondelinger: Maximal bis heute Nachmittag, spätestens morgen Vormittag, bis der Wasserversorger an verschiedenen Stellen die Chlorkonzentration vom HB Spangdahlem im Netz nachgewiesen hat.

Gilt das inzwischen auch für Herforst? Oder für weitere Orte?
Dondelinger: Dazu kann zum jetzigen Sachstand noch keine Aussage getroffen werden, da die Analysen noch laufen.