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Trotz Baustelle: Das Adventsblasen in Prüm bleibt ein besinnlicher Moment

Trotz Baustelle: Das Adventsblasen in Prüm bleibt ein besinnlicher Moment

Die Adventszeit wird in Prüm seit nunmehr 41 Jahren mit dem Adventsblasen auf dem Hahnplatz eingeläutet, der zurzeit jedoch wegen seines Umbaus nicht begehbar ist. Hunderte Besucher lassen sich am Samstagabend von der tristen Kulisse nicht stören.

Prüm. Mitten in dem weiten Rund der Baustelle, zwischen freigelegten Kanaldeckeln und Kieshaufen, Drainage-Rohren und Palettenbergen steht, neben einem Bagger ein hell erleuchteter Weihnachtsbaum.

Die von der Initiative Frauenschuh festlich geschmückte Tanne will nicht so recht zum derzeit umgepflügten Hahnplatz passen, der komplett von weiß-roten Absperrgittern eingekreist ist - doch als sich am Samstagabend rund 500 Menschen um die Baustelle im Stadtkern versammeln, um dem traditionellen Adventsblasen zu lauschen, wirkt das Bild plötzlich richtig. Da sich die Besucher rund um den Hahnplatz an den Absperrgittern aufstellen, steht der Christbaum im Mittelpunkt.

"Meine ausländischen Gäste finden es toll, dass der Weihnachtsbaum mitten auf der Baustelle steht", sagt Daniele Haas, Geschäftsführerin des Hotels "Zum Goldenen Stern". "In diesem Jahr müssen wir eben auch beim Adventsblasen mit dieser Kulisse leben, dafür wird im kommenden Jahr alles viel schöner." Dem besinnlichen Ereignis am Vorabend des ersten Advents schadet das ungewohnte Ambiente jedenfalls nicht: Wie seit jeher lassen die Blechbläser des Prümer Musikvereins, aufgeteilt in kleine Gruppen, Adventsstücke aus dem Salzburger Land erklingen. Die Musiker stehen im Turm der Basilika und auf den Balkonen des Hotels Zum Goldenen Stern, der Volksbank sowie einer Privatwohnung und schicken die Töne abwechselnd und aus vier Richtungen auf den Hahnplatz hinaus."Eine tolle Idee"

 Die Musiker geben auf dem Balkon der Volksbank ihr Bestes. TV-Foto: Vladi Nowakowski
Die Musiker geben auf dem Balkon der Volksbank ihr Bestes. TV-Foto: Vladi Nowakowski Foto: Vladi Nowakowski (now) ("TV-Upload Nowakowski"


Und wie in jedem Jahr verstummen die Gespräche der Zuhörer unten auf der Straße, manche fassen sich an den Händen - und für eine halbe Stunde hält Prüm den Atem an. Bis zum allerletzten Ton halten die Menschen inne, dann brandet langsam und allmählich Applaus auf.
Manche machen sich danach auf den Weg zu den Parkplätzen, um nach Hause zu fahren, manche bleiben in kleinen Gruppen stehen und halten ein leises Schwätzchen, ein großer Tross biegt zu den Glühweinbuden auf dem Johannisplatz ab. Dort steht auch Gilles Vermeulen aus den Niederlanden, der übers Wochenende Urlaub in der Eifel macht und rein zufällig vom alljährlichen Adventsblasen gehört hat.

"Es war ein sehr berührender Moment", sagt Vermeulen. In anderen Städten herrsche auch in der Adventszeit immer lauter Trubel, Zeit und Raum für Besinnliches gebe es nicht mehr. "Dagegen ist der Kölner Weihnachtsmarkt eine Kirmes", sagt der Niederländer. Auch ihn hat neben der feierlichen Adventseröffnung durch den Prümer Musikverein besonders der Weihnachtsbaum inmitten der Baustelle begeistert: "Wer hat so etwas schon? Eine tolle Idee", findet der Gast aus dem Nachbarland.