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Trotz guter Zahlen bleiben die Zeiten schwierig

Trotz guter Zahlen bleiben die Zeiten schwierig

Die Zahlen der Raiffeisenbank Irrel sehen bestens aus und die Mitglieder können sich über fünf Prozent Dividende freuen. Doch hinter den Kulissen schwelt es weiter. Bankvorstand Hans-Peter Bell muss das Feld räumen und der Ex-Aufsichtsratsvorsitzende ist so sauer, dass er "seine Bank" verklagt hat.

Irrel. Wären da nicht die Turbulenzen der Vergangenheit, wären da nicht all die unbeantworteten kritischen Fragen eines Mitglieds und wäre da nicht all das, was hinter der schönen Fassade passiert, so würde diesmal vielleicht nur eine Nachricht über die Generalversammlung der Raiffeisenbank Irrel in der Zeitung stehen:
Der Genossenschaftsbank geht es gut. Die Bilanzsumme hat sich im Laufe des Geschäftsjahrs 2013 um 7,3 Prozent auf 109,2 Millionen erhöht. Auch die Kundeneinlagen sind kräftig gestiegen (74,1 Millionen Euro). Das Wachstum bei den Kundenkrediten setzt sich fort (82,4 Millionen, plus 5,8 Prozentpunkte) und das Geschäftsergebnis (Überschuss: 908 000 Euro) übertrifft trotz eines Rückgangs beim Warenumsatz im angegliederten Raiffeisenmarkt (er sank um 2,2 Millionen auf 28,4 Millionen Euro) die Erwartungen.
Nächste Woche fließt das Geld


Die 2210 Mitglieder der Bank können sich daher schon kommende Woche über die Ausschüttung einer Dividende in Höhe von fünf Prozent (83 562 Euro) freuen. Dass der Warenumsatz zurückgegangen ist, führt Vorstandsmitglied Manfred Weiland vor allem auf die gesunkenen Getreide- und Brennstoffpreise zurück. Das Geschäft laufe gut.
Doch hinter den Kulissen rumort es: Die kritischen Fragen eines Mitglieds weisen am Donnerstagabend darauf hin, dass bei der Raiffeisenbank Irrel nicht alles so rund läuft, wie es nach außen hin scheint. Unter anderem will der Mann wissen, warum die Bank - trotz ihrer Erfolge - ein neues Vorstandsmitglied sucht.
Der Vertrag des derzeit erkrankten Bankvorstands Hans-Peter Bell wurde nicht verlängert. Zu den Gründen will sich weder Bell selbst noch sein Vorstandskollege oder der Aufsichtsratsvorsitzende Norbert Wilmsen äußern. An dem Gerücht, die Personalie könne in Zusammenhang mit möglichen Fusionsplänen der Bank stehen, scheint nichts dran zu sein. Es sei keine Fusion geplant, betont Weiland.
Aus gut informierter Quelle heißt es, es gebe persönliche Differenzen zwischen Bell und Teilen des Aufsichtsrats. Unklar ist, ob dies womöglich in Zusammenhang mit anderen Vorfällen steht, über die sich ebenfalls niemand äußern möchte.
Zu wenig Kontrolle


TV-Informationen zufolge wurde ein Mitarbeiter des Raiffeisenmarktes entlassen, nachdem er im Verdacht stand, sich auf Kosten des Arbeitgebers bereichert zu haben.
Der Bericht des Aufsichtsratsvorsitzenden für das Jahr 2013 bemängelte am Donnerstagabend denn auch, dass die Arbeitsabläufe im Markt nicht hinreichend kontrolliert worden seien.
Was auch immer die Gründe für Bells Ausscheiden sein mögen - am 1. März soll sein Nachfolger im Bereich Markt/Vertrieb anfangen.
Doch interessiert sich der kritische Bankgenosse nicht nur für Bell, sondern auch für einen Prozess, den der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Joachim Heck 2013 gegen die Bank angestrengt hat. Heck, von Beruf Architekt, war während der Generalversammlung 2011 überraschend abgewählt worden (der TV berichtete). Offenbar hatte es im Aufsichtsrat zuvor Streit über höhere Bonuszahlungen für den ehemaligen Bankvorstand Rudolf Krein gegeben. Heck war nach eigener Auskunft gegen diese höheren Boni. Und wurde, so glaubt er, deshalb abgewählt.
Heck klagt Honorare ein


Weil er sich schlecht behandelt fühlte, forderte er die Bank 2013 zur Zahlung noch nicht verjährter Architekten-Honorare in Höhe von mehr als 33 000 Euro auf, auf die er eigenen Angaben zufolge im Normalfall größtenteils verzichtet hätte. Einen Vergleich habe das Institut abgelehnt. "Das Gericht hat der Bank eine Ohrfeige verpasst", sagt Heck. Er habe das Geld inzwischen bekommen, inklusive Zinsen. Bankvorstand Weiland will sich zu alledem nicht äußern.
Wilmsen verschiebt die Beantwortung der Fragen am Donnerstagabend zunächst in den Tagesordnungspunkt Verschiedenes. Diesen nutzt er dann, um minutenlang aus Paragrafen zum Auskunftsrecht zu zitieren, ehe er zu dem Schluss kommt, dass er nicht antworten darf, weil die Fragen persönliche oder geschäftliche Verhältnisse Dritter betreffen. Das Publikum applaudiert. Offenbar haben die meisten Genossen der Raiffeisenbank Irrel keine Lust mehr auf öffentlich ausgetragene Reibereien.Extra

Die nach drei Jahren turnusgemäß ausscheidenden Aufsichtsratsmitglieder Alice Endres und Christel Bares wurden mit großer Mehrheit bei einer Gegenstimme wiedergewählt. Der Aufsichtsrat - ein Kontrollorgan, das die Geschäftsführung des Vorstands überwacht und Vorstände benennt sowie abberuft - setzt sich damit erneut folgendermaßen zusammen: Norbert Wilmsen (Vorsitzender), Alice Endres, Christel Bares, Oswald Schmitt, Alois Hoffmann, Herbert Wagner. kah