Tschüss E-Mobil, hallo Diesel: Verbandsgemeinde Arzfeld ersetzt Bürgerbus durch größeres Auto
Arzfeld · Schade - und doch kann man es als gute Nachricht verstehen: Der abgasfreie Arzfelder Elektro-Bürgerbus wird ausgetauscht. Gegen einen Wagen mit Dieselmotor. Weil das E-Auto die Fahrten nicht mehr schafft.
Es war ein Modellprojekt. Und es hat funktioniert: Im August 2012 startete erstmals der Bürgerbus in der Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld. Mit ehrenamtlichen Fahrern und vor allem mit Elektroantrieb.
Der Energiekonzern RWE sponsorte Dreiviertel der Kosten, darunter die Leasingrate von 8500 Euro im Jahr, an der Verwaltung wurde eine Elektrotankstelle installiert, 1500 Euro spendierte das Land. Was noch an Geld fehlte, kam unter anderem freiwillig von den vielen Menschen, die den kostenlosen kommunalen Fahrdienst nutzen, weil sie selbst nicht mobil sind. "Die Leute geben gern nach der Fahrt eine Spende, sagt VG-Bürgermeister Andreas Kruppert. "Wir haben da noch kein öffentliches Geld reingesteckt."
Die Bilanz der ersten drei Jahre: Immer mehr Bürger steigen ein. Von August bis Ende 2012 zählte man 55 Fahrten, 2013 bereits 147, mit 311 Passagieren und 12 000 gefahrenen Kilometern innerhalb der VG. 2014 ließen sich 400 Bürger bei 190 Touren mitnehmen, es waren ebenfalls rund 12 000 Kilometer insgesamt. Und für das laufende Jahr sei die Entwicklung ähnlich. Kruppert: "Die Nachfrage ist ungebrochen da."
Auch die Caritas Bitburg nimmt den Wagen in Anspruch: Für Fahrten mit den Mitgliedern ihrer Demenzgruppe. Einmal die Woche werden die Erkrankten zu einem Treffen in Arzfeld gebracht, Kosten für die Fahrten trägt die Caritas. Das alles heißt aber auch: Das Auto fährt am Maximum seiner Kapazitäten. Denn die Verbandsgemeinde mit ihren 43 Dörfern ist groß, die Strecken können richtig lang werden. "Wir brauchen halt eine größere Reichweite", sagt Kruppert - und etwas mehr Platz im Auto. Deshalb schaffe man nun einen größeren Wagen an, einen Ford Tourneo Custom mit neun statt der bisher fünf Sitze, einer Trittstufe zum erleichterten Einsteigen - und mit Dieselmotor. Das Thema E-Mobilität sei aber damit in der VG nicht erledigt, auch die Tankstelle soll bleiben. So zapft unter anderem auch die benachbarte Raiffeisenbank dort den Strom für eines ihrer Fahrzeuge.
Weil das neue Auto, das Anfang August seine erste Runde drehen soll, aber kein Elektroauto mehr ist, entfällt auch das Sponsoring des Energiekonzerns, der aber trotzdem auf dem Wagen werben wird - zusammen mit 17 weiteren Unternehmen aus der Umgebung. Außerdem wird der neue Bürgerbus im Leasing günstiger. Und ganz aktuell kam dann noch eine erfreuliche Nachricht aus Mainz: Denn Innenminister Roger Lewentz habe 8500 Euro Förderung bewilligt. Das Land stellt das Geld bereit für bestehende Bürgerbus-Angebote, bei denen der Service noch einmal verbessert wird. Und so sei auch nicht zu befürchten, dass mit dem neuen Wagen größere Kosten auf die VG zukämen, sagt der Bürgermeister.Meinung
Bürgerbus bleibt beispielhaft
Ja, es ist ein bisschen schade: Der Bürgerbus wird von August an nicht mehr abgasfrei und nahezu lautlos durch die Verbandsgemeinde düsen, sondern dieseln und rußen. Aber das ist einfach der Fluch des Erfolgs - mit einem Projekt, das direkt den Menschen in der Kommune nützt. Das kann man verkraften. Zumal ja in den meisten Fällen nicht nur ein Passagier im Auto sitzt, sondern eine Fahrgemeinschaft. Der Bürgerbus bleibt beispielhaft. f.linden@volksfreund.de