Türchen auf, Türchen wieder zu

Nicht so ganz friedlich geht ein gutes Geschäftsjahr beim Prüm Türenwerk zu Ende: Der neue Haustarif-Vertrag soll ausgehandelt werden. Die Geschäftsleitung wünscht sich längere Arbeitszeiten, die Mitarbeiter sind nicht einverstanden.

In einer „schwächelnden“ Branche den Standort sichern. Das will Detlev Schröder, einer der Geschäftsführer vom Weinsheimer Prüm-Türenwerk. Foto: TV/Archiv: Fritz-Peter Linden

Weinsheim. Türenbauer an der Streitschwelle: In den derzeit laufenden Gesprächen zum neuen Tarifvertrag sollen sich die 470 Beschäftigten vom Prüm Türenwerk auf einen weiteren Lohnverzicht einlassen. Die Mitarbeiter und die Vertreter der IG Metall sind entsprechend gestimmt.Kurzer Blick zurück: Im Juni 2005 hatten sich Chefetage und Arbeitnehmervertreter auf einen Haustarif-Vertrag geeinigt, der bis Jahresende 2007 gilt (der TV berichtete). Die Eckdaten: kürzere Arbeitszeiten, weniger Lohn, eine geringere Prämie. Jetzt stehen Neuverhandlungen an — und die Geschäftsführung wünscht sich eine Verlängerung der Wochen-Arbeitsstunden ohne Lohnausgleich."Da hat die überwiegende Mehrheit gesagt: Es gibt keinen Verzicht mehr", berichtet Stefan Sachs, Gewerkschaftssekretär der Trierer IG Metall. "Arbeitsrechtlich ist das nicht korrekt." Die zweite von den Geschäftsführern Detlev Schröder und Markus Reitz vorgeschlagene Variante schmeckt den Beschäftigten ebenfalls nicht. Sie lautet: Kürzung oder gar völlige Streichung der Fertigungsprämie (20 Prozent vom Grundlohn). Zwei Millionen Euro sollen investiert werden

Und das alles nach einem starken Geschäftsjahr. Stimmt, sagt Detlev Schröder. Aber in der weiter schwächelnden Branche wolle man Standort-Sicherung betreiben. Der Türenmarkt werde im kommenden Jahr erneut zurückgehen. "Da wird es nochmal richtig krachen."Um den Betrieb für die schwierigen Verhältnisse fit zu machen, "planen wir in den nächsten fünf Jahren umfangreiche Investitionen", sagt Schröder. Zwölf Millionen Euro wolle man dafür ausgeben. "Und zweitens haben wir im Branchenvergleich sehr hohe Personalkosten, damit sind wir nicht wettbewerbsfähig. Wir wollten den Leuten aber kein Geld wegnehmen, sondern dass sie etwas länger arbeiten." Nachdem die Tarifpartner dies jedoch abgelehnt hätten, sehe man sich nun gezwungen, die Prämie infrage zu stellen. Und diese Ankündigung drückt mächtig auf die Vorweihnachtsstimmung in Weins heim. Zwar sei man sich "nicht spinnefeind", sagt Stefan Sachs. "Aber es gibt eine ziemliche Wallung hier im Laden. Es geht einfach um die Arbeitsbedingungen der Kollegen."Nach der zwischenzeitlichen, von beiden Seiten eingestandenen "Verhärtung" in den Gesprächen keimt jedoch mittlerweile wieder zarte Hoffnung auf friedliche Verhandlungen: Im Januar wollen die Tarifparteien wieder am Tisch sitzen und reden. "Einen Konflikt wollen wir auch nicht", sagt Detlev Schröder. "Wir sind an dem Punkt, dass wir wieder ins Gespräch einsteigen wollen."