Türchen auf, Türchen zu

Die Personalsituation der Postbankfiliale in der Prümer Bahnhofstraße hat sich im Vergleich zum vorigen Jahr nicht gebessert: Immer wieder müssen die Mitarbeiter die Türen schließen, weil nicht genug Kollegen an Bord sind.

Prüm. So kann's nicht weitergehen: "Ich hab jetzt zwei Briefe geschrieben an die Post", sagt die Prümer Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy. Gleich zwei , an zwei Adressen - weil man auch in der Bürgermeisterei gar nicht so richtig weiß, wohin man sich wenden soll im Unternehmen, das ja mittlerweile der Deutschen Bank gehört. Die Bank wollte Post und Postbank noch im vergangenen Jahr loswerden (der TV berichtete), im Herbst hieß es dann allerdings, man denke über eine gemeinsame Holding nach, unter deren Dach alles "gebündelt" werden solle.Nun hat die Bank derzeit noch ein paar andere Sorgen, schließlich drohen Milliardenklagen aus den USA wegen angeblicher Kartell-Absprachen, zweifelhafter Hypothekengeschäfte und überhöhter EC-Kartengebühren.Sie warten auf Antwort

Seit etwa einer Woche jedenfalls warten Mathilde Weinandy und die Prümer Stadtratsfraktionen - unter anderem hatte auch Markus Fischbach von der SPD das Problem angesprochen - auf Antwort.Bereits im vergangenen Juli berichteten wir darüber, dass die Filiale in der Prümer Bahnhofstraße, die unter der Postbank firmiert, an manchen Tagen geschlossen bleiben muss. Der Grund: Zu wenige Mitarbeiter. Nimmt jemand Urlaub oder wird krank, besteht gleich ein Engpass.Das hat sich ganz offenbar ein halbes Jahr später noch nicht gebessert: "Immer öfter steht man bei der Postfiliale Prüm vor verschlossener Tür", sagt TV-Leser Jörg Engelhard aus Fleringen, der sich deshalb auch an die Prümer Redaktion wandte. Das wäre kurz vor Weihnachten fast zum Drama gerworden: Denn der 47-Jährige, der bei der Arla-Molkerei in Pronsfeld im Schichtdienst arbeitet, wartete auf ein Paket - mit einem Weihnachtsgeschenk für seine achtjährige Tochter. Am 23. Dezember aber stand er wieder vor verschlossener Tür - zum Glück sei die Dienststelle dann an Heiligabend wider Erwarten doch noch geöffnet gewesen: Bescherung gerettet, in letzter Sekunde. Die Nicht-Öffnungszeiten sind aber nicht das Einzige, worüber sich Engelhard und viele andere Kunden ärgern: "Sehr oft funktioniert auch der Geldautomat nicht, weil nicht aufgefüllt wurde", sagt er. Die Mitarbeiter - denen er keinen Vorwurf macht - behelfen sich mit Hinweiszetteln, die sie an die Eingangstür kleben: Dort stand vorletzte Woche, dass die Filiale am Mittwoch, Donnerstag und Freitag nachmittags geschlossen bleibe - und am Samstag gar nicht öffnete. Vorige Woche lief alles normal - weil Filialleiter Matthias Riemann wieder aus dem Urlaub zurück war. Wie es in dieser Woche wird, "ist noch unklar", sagt Riemann. "Wir planen im Moment von einem Tag auf den anderen." Alles in allem "ein Ding der Unmöglichkeit", sagt Jörg Engelhard. Zudem habe er "keine Lust, nach Schönecken, Bitburg oder Gerolstein zu fahren, nur um mein Geld abzuholen".Situation noch verschärft

Die Situation, sagt Matthias Riemann, sei noch schlechter als im vorigen Jahr - weil die Post unter anderem einen Arbeitsvertrag nicht verlängert habe, während die übrigen Kollegen nicht wissen, wie sie ihre Überstunden wegkriegen sollen: Bei Riemann waren es vergangenes Jahr 200 Stunden.Die Stadtbürgermeisterin jedenfalls hat in ihren beiden Briefen gegenüber der Post klargemacht, "dass wir das so nicht hinnehmen wollen. Und dass es hier in Prüm mit 6000 Einwohnern und einem Riesen-Einzugsgebiet wichtig ist, dass wir eine Dienststelle haben." Zumal die Filiale immer gut besucht sei: "Also wenn ich da hinkomme", sagt Mathilde Weinandy, "sind immer Schlangen da. Da ist immer Betrieb." Der TV fragte bei der Postbank in Bonn nach: Pressesprecherin Iris Laduch-Reichelt bestätigt, "dass die personelle Situation in unserer Filiale in Prüm aktuell angespannt ist". So habe es Anfang des Monats kurzfristige Personalausfälle gegeben. "In der Regel können solche Ausfälle durch Maßnahmen in der Personalplanung aufgefangen werden. So zum Beispiel durch ,Springer' oder durch den Einsatz von Kollegen aus anderen Filialen", sagt Iris Laduch-Reichelt. Leider aber "gelingt das nicht immer, daher kann es in Ausnahmenfällen auch zu einer zeitweisen Schließung der Filiale kommen." Das sei auch deshalb nötig, weil man aus Sicherheitsgründen "für Kunden und Mitarbeiter jederzeit das Vier-Augen-Prinzip gewährleisten" müsse - dass also immer mindestens zwei Personen im Dienst zu sein haben.Schließung nicht geplant

"Aus diesem Grund war es nötig, die Filiale in Prüm an einigen Tagen stundenweise zu schließen", sagt die Postbank-Sprecherin und ergänzt: "Wir bedauern die Einschränkungen für unsere Kunden, die damit verbunden sind." Mehr aber stecke nicht dahinter: "Ich kann Ihnen versichern, dass die zeitweiligen Schließungen nicht zur Normalität werden. Prüm war und ist ein wichtiger Standort für die Postbank. Es bestehen aus heutiger Sicht keine Absichten, die Filiale aufzugeben." Meinung

Man bleibt ein bisschen bangeEin wenig besorgt darf man schon sein: Das Prümer Personalproblem besteht ja nicht erst seit gestern - gebessert hat sich: nichts. Auch wenn es aus Bonn heißt, eine Schließung der Filiale sei nicht geplant - mit der Einschränkung: "aus heutiger Sicht". Wer weiß denn schon, was für Ideen zur "Konsolidierung" der Dachkonzern, die Deutsche Bank, noch so haben wird, wenn erst einmal die amerikanische Klagewelle über sie drübergeschwappt ist. Nicht alles war früher besser. Aber so manche staatliche Einrichtung war es eben doch. Vor der Privatisierung. Aus heutiger Sicht. f.linden@volksfreund.de