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TV-Buchtipp: SchmU - Scheinmedizinischer Unfug von Edzard Ernst

Literatur : Erst die Fakten, dann das Vergnügen

Eine Zuckerkugel hier, eine Fußreflexzonenmassage dort, und die Zähne werden neuerdings auch mal ganzheitlich behandelt. Der Gesundheitsmarkt bietet heute eine schier unerschöpfliche Auswahl an alternativen Methoden, die oftmals nicht mit Versprechungen geizen.

Doch was wirkt, und was wirkt definitiv nicht? Alles Glaubenssache? Nein, das kann es nicht sein, denn was wirkt, ist Medizin, und was nicht wirkt, ist eben keine – Raum für Alternativen gibt es nicht, denn Wirksamkeit kann mit wissenschaftlichen Techniken sehr genau untersucht werden. Die Ergebnisse allerdings gefallen nicht unbedingt jedem. Das zumindest ist die Erfahrung von Edzard Ernst, emeritierter Professor für Alternativmedizin der Universität Exeter.

Nach seiner Autobiografie „Nazis, Nadeln und Intrigen“ hat Ernst mit seinem neuen Buch „SchmU - Schein-medizinischer Unfug“ jetzt ein populärwissenschaftliches Kompendium über Forschungsmethoden, Sinn und Unsinn von Versuchsaufbauten und das Spannungsverhältnis zwischen Glauben und Wissen veröffentlicht.

Seine Kritiker behaupten seit Ernsts Antrittsvorlesung 1993 gern, dass er im Grunde nichts getan habe, als SchmU auseinderzunehmen, sie vergessen dabei aber, dass der Lehrstuhl einst bewusst mit ihm als Arzt und Alternativmediziner besetzt wurde, eben um wissenschaftlich fundiert die „Alternativen“ zu untersuchen. „Im Jahr 2008 veröffentlichte ich sogar ein Verzeichnis der SchmU-Methoden, die unseren Forschungsergebnissen nach auf verlässlicher Evidenz fußten“, schreibt Ernst.

Amüsant und lehrreich erklärt der Autor in „Schmu“, woran manche Studie kränkelt, warum Kausalität und Korrelation nicht zu verwechseln sind und wo die Forschung heute genau steht. Ein nüchterner und analytischer Blick auf einen Markt, der für Laien meist nur schwer greifbar ist.