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TV-Leser und ihre Erinnerungen an die kalte Jahreszeit: Früher war irgendwie mehr Winter – angeblich

TV-Leser und ihre Erinnerungen an die kalte Jahreszeit: Früher war irgendwie mehr Winter – angeblich

Schnee, Kälte und Eis: TV-Leser schildern ihre Erlebnisse und Erinnerungen und zeigen ihre schönsten Bilder.

Dass es keine richtigen Winter mehr gäbe, wäre auch früher schon Thema gewesen, schreibt uns Günter Müller aus Körperich. Willi Hermes wiederum erinnert sich an einen Winter, in dem er wegen der Schneemassen 14 Tage nicht zur Schule kam. Lesen Sie selbst:

Ich kann mich noch gut an den Winter 1954 in meinem Heimatdorf Berscheid in der Westeifel erinnern. Der hatte es wirklich in sich. Die meterhoch verschneiten und zugewehten Straßen mussten damals noch in Frondienst von den Dorfbewohnern Stück für Stück freigeschaufelt werden.

Jedes Haus hatte einen Mann dafür abzustellen. So machten sich die Männer von den Dörfern Berscheid und Koxhausen nach langem Schneetreiben an die Arbeit. Glücklich war man, wenn man sich auf der Hälfte des Weges dann mit den Schaufeln begegnete. Doch leider machte mächtiges Schneetreiben in der Nacht die ganze Arbeit wieder zunichte. Am Morgen war der Weg fast nicht zu erkennen.

Wir Kinder machten uns querfeldein auf dem Weg zur Schule in Koxhausen. Doch auch auf dem alten Messenweg war kein Durchkommen. Wir kehrten notgedrungen um. Die Eltern und sogar der Lehrer Pütz hatten Verständnis. Weil sich die Wetterverhältnisse nicht besserten, hatten wir 14 Tage schulfrei. Aber in Haus und Hof wartete damals auch auf uns Kinder überall Arbeit, etwa beim Dreschen des Getreides und beim Füttern der Kühe, Schweine, Pferde und Hühner. Zu allem Unglück starben in dieser Zeit in Berscheid unsere beiden Nachbarn. Auf den Straßen war kein Durchkommen, so dass die beiden Särge von der Schreinerei aus Neuerburg mit dem Pferdeschlitten geholt werden mussten. Weil auch das Postauto nicht durchkam, fuhr der Briefträger ihm mit Skiern entgegen.

Für die beiden Beerdigungen musste die Dorfstraße dennoch freigeschaufelt werden, so dass der Trauerzug vom Oberdorf zwischen meterhohen Schneewänden zur Kapelle und dem Friedhof kam. Als dann das Schneetreiben nachließ, spannte mein Vater die Pferde vor einen dicken Balken und zog damit eine Spur durch den tiefen Schnee, durch die wir dann in den nächsten Tagen zur Schule gehen konnten. Damit hatten diese Schneeferien für uns dann auch ein jähes Ende.
Willi Hermes, Berscheid

Früher war alles besser, die Winter waren strenger und schneereicher und die Sommer wärmer und trockener. Das lehrt uns die Erinnerung, die gerne, auf Grund unseres Langzeitgedächtnisses, an besonderen Ereignissen festhält. Da ich selbst schon auf über 70 Winter zurückblicke, kann ich feststellen, dass über das Phänomen, dass es keinen richtigen Winter mehr gäbe, schon immer diskutiert wurde.

Das Wetter kommt vom Atlantik

Ich kann mich auch noch erinnern, dass Rudi Carell den Gassenhauer hervorgebracht hat, wann wird es mal wieder richtig Sommer, ein Sommer, wie er früher einmal war. Schuld hatte seiner Ansicht nach die damals regierende SPD. Das könnten Sie jetzt auf den Winter ummünzen und würden damit dem Wahlkampf der CDU einen richtigen Schub verleihen. Aber Scherz beiseite.

Unser Wetter wird in der Regel vom Atlantik bestimmt. Dabei bleibt es meist feucht und kühl. Frost und Schnee kommen meist aus dem Nordwesten, wenn die Luft über dem Atlantik genug Feuchtigkeit aufgenommen hat und hier bei uns, zumindest in den tieferen Lagen, das kondensierte Nass als Regen und bei ausreichender Kälte als Schnee ablässt. Kommt die Luft aber aus dem Osten, so wird es in den Wintermonaten mit trockener Kontinentalluft meist sehr kalt. Wintereinbrüche haben wir in der Regel jedes Jahr.
Günter Müller, Körperich