TV-Serie zum Bedamarkt: Im Umfeld der Kuh hat sich einiges getan

TV-Serie zum Bedamarkt: Im Umfeld der Kuh hat sich einiges getan

Vom 20. bis 22. März ist in Bitburg wieder Beda-Markt. 1979 ist er zum ersten Mal veranstaltet worden. Und von Anfang an vertreten war dabei auch die landwirtschaftliche Ausstellung, die neben Automobil und Handwerk zu den tragenden Säulen der Veranstaltung gehört. Doch seit der Premiere hat sich gerade im Bereich der Landwirtschaft viel verändert, wie das Beispiel der Familie Theisen aus Wiersdorf zeigt.

Wiersdorf. Es sind nicht die Augen des Landwirts, mit denen das Euter erfasst wird, und es sind auch nicht seine Hände, die den Melkbecher an die Zitzen führen. Es ist ein Roboterarm, auf dem vier bewegliche Melkbecher sitzen. Während die Zitzen von einer Kamera und rotem Laserlicht erfasst werden, justiert der Roboterarm die Melkbecher. Stimmt die Position, wird angedockt, und schon fließt die Milch.

Vor knapp einem halben Jahr hat sich Landwirt Christian Theisen aus Wiersdorf diesen Melkroboter zugelegt. Die Anlage war nicht ganz billig. Doch jetzt, wo er sie hat, möchte er für "kein Geld der Welt" darauf verzichten.
Denn der Melkroboter gibt ihm und seiner Frau Christina Theisen spürbar mehr Lebensqualität. "Wir sind jetzt viel flexibler", sagt die Mutter von zwei kleinen Kindern.

Und sie könnten jetzt auch mal was mit den Kindern machen, ohne ständig auf die Uhr schauen zu müssen. Statt die Kühe morgens und abends zu festgelegten Zeiten in den Melkstand zu führen, entscheiden die Tiere jetzt selbst, wann sie gemolken werden. Drei bis vier Mal pro Tag sucht jede Kuh den Melkroboter auf. Allerdings nicht nur, um ihre Milch loszuwerden, sondern auch um zu fressen.

Denn während des Melkvorgangs bekommt die mit einem Chip ausgestattete Kuh ihren individuell zusammengestellten Bedarf an Kraftfutter. Und wenn die Kuh fertig ist, öffnet sich die Melkbox und das nächste Tier kann rein. Weniger Arbeit mit den Tieren habe er dadurch nicht, sagt der Landwirt. Denn der Roboter analysiert auch die Milch und kann so erkennen, ob beispielsweise eine Entzündung vorliegt.

Ist das der Fall, wird Theisen über sein Smartphone umgehend benachrichtigt. "Wir können so eine Erkältung feststellen, bevor sie überhaupt ausgebrochen ist und auf Sachen reagieren, die wir sonst vielleicht gar nicht bemerkt hätten", sagt er. Es kann also durchaus sein, dass ihn der Roboter mitten in der Nacht aus dem Bett schmeißt.

Doch auf der anderen Seite, sind Christian und Christina Theisen Dank des Roboters in der Lage, den Stall auch mal alleine zu managen. Als der Landwirt 1996 in den elterlichen Betrieb eingestiegen ist, standen die Kühe noch in einem Anbindestall mit 30 Plätzen. 2000 wurde dann ein großer Boxenlaufstall mit Melkstand gebaut. Er bietet Platz für 60 Tiere, ist aber um ein Vielfaches größer als der alte Stall.

Die Milchkühe haben dadurch mehr Platz, können sich frei bewegen und bringen auch deutlich mehr Leistung. 1996 habe die durchschnittliche Jahresleistung einer Kuh bei 6000 Litern gelegen, sagt der Landwirt. "Jetzt sind es 10 000 Liter."Milchleistung gestiegen


Dass die Milchleistung der Kühe in den vergangenen Jahren stark gestiegen ist, belegen auch die Zahlen des statistischen Landesamts. Sie zeigen zudem, wie sich die Landwirtschaft insgesamt verändert hat. Als 1979 in Bitburg der erste Beda-Markt veranstaltet wurde, gab es im Kreisgebiet noch 5778 landwirtschaftliche Betriebe. 2013 waren es nur noch 1501. Gleichzeitig aber hat sich die Größe der zu bewirtschaftenden Fläche extrem verändert. Gab es beispielsweise 1979 gerade mal fünf Betriebe mit mehr als 100 Hektar Fläche, so waren es im Eifelkreis gut drei Jahrzehnte später 215. Jedes vierte Rind in Rheinland-Pfalz steht in Ställen und auf Wiesen des Eifelkreises.

Und unter den aktuell rund 100 000 Rindern sind zirka 40 000 Milchkühe. 46 dieser Milchkühe sind im Stall der Familie Theisen untergebracht. Und auf dem Stall sind Fotovoltaik-Elemente, die dem bäuerlichen Betrieb eine weitere Einnahmequelle sichern. Denn Theisens gehören zu den 500 Betrieben im Eifelkreis, die ergänzend zur Landwirtschaft auch noch weitere wirtschaftliche Standbeine haben.

Dazu zählt der Verkauf des Solarstroms, aber auch die Vermietung der Ferienwohnungen auf dem Hof.
Um letzteres kümmern sich die Eltern von Christian Theisen, den landwirtschaftlichen Bereich regeln hingegen er und seine Frau. Und natürlich der Melkroboter.Extra

Landwirtschaftlich genutzte Fläche: Laut Statistischem Landesamt wurden im Eifelkreis 2013 rund 47 000 Hektar landwirtschaftliche Fläche von Vollerwerbslandwirten und weitere 13 500 Hektar von Nebenerwerbslandwirten bewirtschaftet. 64,5 Prozent dieser Fläche waren dabei gepachtet und damit rund 20 Prozent mehr als noch 1979. Während es damals in ganz Rheinland-Pfalz gerade mal 19 Bauernhöfe mit einer zu bewirtschaftenden Fläche von mehr als 200 Hektar gab, waren es 2013 bereits 400. Davon waren 23 im Eifelkreis. 192 weitere Betriebe des Kreises lagen zwischen 100 und 200 Hektar, 399 zwischen 50 und 100 Hektar, 362 zwischen 20 und 50 Hektar und 304 zwischen zehn und 20 Hektar. Die restlichen 221 Betriebe haben weniger als zehn Hektar bewirtschaftet. uhe