Üben für den Kreuzweg

Die Zuschauertribüne ist aufgebaut, die Lichtanlage installiert: Mehr und mehr verwandelt sich die Pfarrkirche St. Nikolaus zum Festspielort. Am 16. Februar starten die Passionsspiele in Wallersheim. Der TV hat vorab eine Probe besucht.

Wallersheim. "Was ist das für ein Lärm, ich sehe all das Volk. Hoher Rat, was ist euer Begehr?", fragt Pontius Pilatus (Markus Leuschen) die aufgebrachten Männer auf der Bühne. Auch bei der Probe in der Wallersheimer Pfarrkirche St. Nikolaus herrscht atemlose Stille. Dort werden vom 16. Februar bis 21. März zum fünften Mal die Passionsspiele aufgeführt. Konzentriert spielen die Laiendarsteller ihre Rollen. Die drei Regisseure, die mit den Script-Seiten verteilt im Kirchenschiff sitzen, haben wenig auszusetzen."Ans Kreuz mit ihm, ans Kreuz mit ihm"

"Ans Kreuz mit ihm, ans Kreuz mit ihm", skandieren die Männer und fuchteln wütend mit den Fäusten. Jesus sitzt derweil auf einem Steinblock. Seine Hände sind gefesselt, sein weißes Hemd hat Blutstropfen, die Dornenkrone sitzt auf seinem Haupt, der Blick ist auf den Boden gerichtet. Als Pilatus sein Todesurteil fällt, richtet sich der Licht-Spot auf Jesus, die Bühne versinkt im Dunklen, Musik aus der Johannes-Passion ertönt. Für die Licht- und Musikeffekte sorgt auf seinem "Hochsitz" Karl-Heinz Dringen. Der Techniker ist seit Beginn der Passionsspiele in Wallersheim dabei. Wer über eine hölzerne "Hühnerleiter" sein Reich in luftiger Höhe neben der Orgel erklimmt, hat nicht nur einen guten Blick auf die Bühne, sondern ist zugleich erstaunt über die technischen Raffinessen, die man dort vorfindet. Die Beleuchtungsanlage, die in der Kirche montiert ist, hat der gelernte Elektriker in mühevoller Handarbeit selbst hergestellt. Auch die übrige Technik ist schlau durchdacht. In den Umkleiden sind Lautsprecher montiert, um die Schauspieler auf ihre Einsätze aufmerksam zu machen Das älteste Gerät im technischen Adlerhorst ist eindeutig der Radiowecker, der noch an die guten 70er Jahre erinnert. Dringen wäre auch ein wunderbarer Souffleur, denn er kennt alle Texte auswendig. Schließlich muss er jede Szene ins rechte Licht setzen und genau auf die Sätze achten, um den Einsatz nicht zu verpassen. Apropos Einsatz: Der Wallersheimer ist nicht nur für den guten Ton auf der Bühne zuständig, sondern auch Chef der Feuerwehr. Und die darf möglichst bei den Aufführungen nicht gefordert sein, denn sonst heißt es plötzlich: Licht aus, Sirene an.Hans Fomin freut sich derweil über einen gut laufenden Vorverkauf. Für einige Vorstellungen sind die Plätze schon ausverkauft. Auswärts scheint das Interesse besonders groß zu sein. Gruppen aus Luxemburg, Düsseldorf, Köln bis Koblenz haben sich bereits angemeldet. Die Passionsspiele sind vom 16. Februar bis zum 21. März. Der Eintritt für Erwachsene kostet 15, für Kinder bis 15 Jahre 10 Euro. Karten gibt es im Internet unter www.passionsspiele-wallersheim.de oder per Telefon 06558/900861 (dienstags und freitags von 17 bis 19 Uhr, ansonsten Anrufbeantworter).