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Über 5000 Kriegstote mahnen

Über 5000 Kriegstote mahnen

Der November ist der Monat des Totengedenkens: Allerheiligen, Allerseelen, der Totensonntag und der Volkstrauertag. Seit 1952 hat der Staat dazu den zweiten Sonntag vor dem ersten Advent angeordnet.

Prüm/Rommersheim. Kann man die Trauer eines ganzen Volkes terminlich festlegen, und ist das Ritual des Volkstrauertags nicht jedes Jahr das gleiche, und wird es nicht immer langweiliger?
Vor dem "Kriegerdenkmal" mit der möglichen Inschrift "Den gefallenen Helden" die obligatorische Rede einer Amtsperson, umrahmt vom Gesangverein, Kranzniederlegung und dann das gänsehauterweckende Stück "Ich hatt einen Kameraden". Jedes Jahr werden die Besucher weniger. Kinder und Jugendliche sind sowieso kaum zu entdecken. Man schaut auf die Uhr. Vorüber. Gott sei Dank. Ruhe bis nächstes Jahr.
Nachvollziehbar schon, dass rund 70 Jahre nach dem letzten Krieg das Verständnis und die Gestaltung des Volkstrauertages immer schwieriger werden. Um wen oder was soll man noch trauern? Man erinnert sich ja kaum noch an die Toten von gestern, hat den konkreten Bezug, den auslösenden Grund für die Trauer verloren.
Und doch ist Totengedenken mehr als wichtig. Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnert, kann heute nicht bewusst ins Morgen hineinleben. Erinnerung muss wachgehalten werden, aber gleichzeitig auf die Zukunft gerichtet sein. In eine Zukunft, die schreit: "Solch ein völkermordendes Geschehen darf sich nie wieder ereignen! Wir lassen uns den Frieden und die Völkerverständigung nicht zerstören, auch nicht durch fundamentale Religionsirrungen oder durch politische Hetzparolen oder von Neonazis!"
Es geht dem Volkstrauertag nicht um das Erinnern an "den Krieg von gestern", sondern verstärkt wohl um pädagogische Ziele: Bewahrung des Friedens und Einsatz für Freiheit und Demokratie, und durch ein Stück Erinnerung - und wenn es auch nur am Volkstrauertag ist - weitere Schritte und Handreichungen beim Aufeinander-Zugehen auf andere Menschen, Religionen, Völker. Soldatenfriedhöfe sind heute Orte der Begegnung von Menschen, die einstens als Feinde bezeichnet wurden, und sollten Orte der Versöhnung und Freundschaft sein. Deshalb müssen sie als Stätten der Erinnerung und der Volkstrauertag als fester Termin erhalten bleiben, um gegen Unrecht und Vergessen zu wirken.
5000 Kriegsgräber


Allein im Altkreis Prüm ruhen weit über 5000 Menschen in Kriegsgräbern, viel zu viele, und dennoch nur ein Bruchteil der geschätzten 60 Millionen Opfer des letzten Krieges: Auw (123); Birresborn (28); Bleialf (241); Dahnen (62); Daleiden (3028); Eschfeld (98); Gondelsheim (426); Hersdorf (14); Mürlenbach (33); Neuheilenbach (1); Niederlauch (1); Ormont (386); Plütscheid (1); Prüm (31); Rommersheim (83); Stadtkyll (398); Steffeln (18); Waxweiler (87).