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Über den zweiten Bildungsweg in den ersten Stock

Stadtwerke : Über den zweiten Bildungsweg in den ersten Stock

Seit Anfang Januar ist Bernd Goeblet neuer Leiter der Stadtwerke Bitburg. Der 49-jährige Ingenieur arbeitet schon seit 1996 bei den Stadtwerken.

Auf dem Aktenschrank in seinem Büro stehen ein paar Modelle von Klassikern. Und zu Hause in seiner Werkstatt ein Original. Ein Land Rover der Serie 3, Baujahr 1982. „Das letzte Modell vor dem Defender“, erklärt Bernd Goeblet. „Bei dem liegt der Kühlergrill noch etwas zurückversetzt.“ Der 49-Jährige ist dabei, den alten Geländewagen zu restaurieren, hat ihn dafür komplett zerlegt. Es sei doch mehr Arbeit als gedacht, räumt er grinsend ein. Doch als gelernter Kfz-Mechaniker bekomme er das schon hin. „Bei dem ein oder anderen Teil muss ich ein wenig überlegen, wo es genau hingehört“, sagt Goeblet. Glücklicherweise jedoch habe er beim Zerlegen des Fahrzeugs alles fotografiert. Und das erleichtere ihm das Zusammenbauen.

Wie hilfreich es ist, alles genauestens zu dokumentieren, weiß Goe­blet nicht zuletzt durch seine Arbeit. Der Familienvater aus Ehlenz ist seit 1. Januar Leiter der Stadtwerke Bitburg. „Es war der klassische zweite Bildungsweg“, sagt Goeblet. Nach seiner Kfz-Mechaniker-Lehre und dem anschließenden Grundwehrdienst studierte er Energie- und Umwelttechnik. Es folgten weitere Berufserfahrungen in der freien Wirtschaft, bevor der Ingenieur 1996 schließlich zu den Stadtwerken Bitburg wechselte. Dort wurde in den vergangenen Jahren unter anderem das gesamte städtische Wasser- und Abwassernetz digital dokumentiert. „Wir wissen somit ganz genau, wo alle Leitungen liegen“, erklärt Goe­blet und verweist auf den hohen Standard der Werke, sowohl was die Anlagen, Maschinen und Kommunikationstechnik als auch die Betriebssicherheit betreffe.

Als Energie- und Umweltingenieur hat Goeblet auch den Ausbau der regenerativen Energien im Bereich der Werke betreut. Seit 2010 betreibt der städtische Eigenbetrieb mehrere Fotovoltaik-Anlagen und zudem ein Blockheizkraftwerk, das mit Klärgas aus der Kläranlage Bitburg-Ost betrieben wird. „Wir können damit 80 Prozent des Energiebedarfs der Kläranlage in Eigenleistung decken“, sagt Goeblet.

2003 sind die Stadtwerke in die ehemalige Villa Limbourg in der Denkmalstraße gezogen. Ein denkmalgeschützter Altbau mit hohen Räumen und großen Fenstern. Wenn Goeblet aus seinem Fenster schaut, reicht die Sicht bei gutem Wetter bis zur Airbase Spangdahlem. Sein Büro liegt auf der Ostseite des Gebäudes, im ersten Stock. Von den Büros der Westseite blickt man auf die Innenstadt. Und dort vor allem auf das marode Parkhaus Am Annenhof, das genau wie das Parkhaus in der Neuerburger Straße und die Tiefgarage am ZOB zu den Verkehrsbetrieben der Stadtwerke gehört. „Es ist nicht unbedingt ein Blickfang“, meint Goeblet. „Aber die Kollegen haben immerhin Glück, dass ihnen im Sommer die Kastanien die Sicht ein wenig versperren.“ Er hofft, dass die städtischen Gremien in naher Zukunft eine Entscheidung zur weiteren Vorgehensweise beim Parkhaus Am Annenhof treffen. „Bis dahin können wir auch weiter nichts anderes machen, als das Nötigste zu reparieren“, sagt er.

Ein weiteres Projekt, mit dem sich die Stadtwerke in naher Zukunft befassen werden, ist das riesige Housing-Areal. „Das wird für uns mit Sicherheit die größte Herausforderung der nächsten Jahre“, ist der Leiter des 25-köpfigen Teams überzeugt. „Wir sind in die Planung mit eingebunden“, so Goeblet, „aber darüber entscheiden, was mit dem Gelände passieren soll, muss auch hier wieder die Politik.“

Hätte die Stadt bei der Housing den Zuschlag zur Austragung der Landesgartenschau 2022 erhalten, so müssten jetzt alle draufhalten, um rechtzeitig fertig zu werden – auch die Stadtwerke. „Das wäre natürlich stramm gewesen“, sagt der Leiter. „Aber machbar“, fügt er hinzu. „Und vor allem hätten wir dann auch ein klares Ziel gehabt.“

Dass Goeblet seit Jahresbeginn neuer Chef der Werke ist, hängt damit zusammen, dass sein Vorgänger und langjähriger Kollege Rolf Heckemanns vor vier Monaten unerwartet gestorben ist (der TV berichtete). „Das hat bei uns eine große Lücke hinterlassen“, so Goeblet. Und das sowohl menschlich als auch fachlich. Sich in alles hineinzuarbeiten, habe einiges an Zeit beansprucht, sagt der neue Leiter. „Es war anfangs etwas holprig. Aber ich denke, jetzt läuft es.“