Über Nacht zum schwarzen Mann

Eine Reise nach Kreta, ein schlechtes Vorbild und eine Flasche Rotwein waren es, die Kurt Thomas über Nacht zum schwarzen Mann machten. Das war vor rund zwei Jahren. Seitdem folgt der 53-Jährige auf dem Schneifel-Höhenweg seiner Passion und führt Besuchergruppen durch den modrig duftenden Fichtenwald.

Prüm. Kurt Thomas mimt den schwarzen Mann am Schwarzen Mann, verkörpert im Gewand des Holzköhlers seine Heimat, vermittelt Besuchergruppen seine Liebe zur Schneifel. "Ich bin von hier. In den Führungen steckt einfach viel Herzblut drin", sagt der Rother.

Heute wartet eine gemischte Gruppe auf dem Parkplatz auf die Führung der etwas anderen Art: deutsche und niederländische Urlauber aus Bleialf mit Kindern sowie eine Gruppe aus einem Bonner Kinderheim. Kurt Thomas rückt noch die letzten Accessoires seines Kostüms zurecht. Aus dem Kofferraum holt er ein Axt-Imitat und einen wuchtigen, verwachsenen Ast. Sie komplettieren das Outfit, bestehend aus braunem Obergewand, Filzhut, verfilzter Perücke und langem grauen Bart. "Das habe ich auch noch ganz in Schwarz, aber wenn kleine Kinder dabei sind, nehme ich das braune, damit sie sich nicht erschrecken", erklärt der schwarze Mann, warum er heute braun ist. Dann schultert er seinen mit Holz beladenen Rucksack, an dem seitlich eine rostig-rote Laterne erwartungsvoll baumelt, und begrüßt die Gruppe.

"Schätzt mal, wie alt ich bin", fordert er die Kinder auf. "43?", raten die. "Nein, 206 Jahre bin ich am ersten Juni geworden", beginnt Thomas. So lange trägt der höchste Berg der Schneifel schon den Namen "Schwarzer Mann". Kurz darauf geht es los, quer durch Fauna und Flora, durch die Geschichte der Region, ihre Sagen und Brauchtümer. Es nieselt, aber das stört niemanden.

Kurt Thomas steht in ständiger Interaktion mit der Gruppe, nie belehrend, immer mit einer lustigen Anekdote garniert. "Was ist das für ein Baum? Was? Eine Tanne? Also, wenn Sie den als Weihnachtsbaum nehmen würden, hätten Sie ein Problem - auch in Holland", meint er mit einem Augenzwinkern zu der noch rätselnden Ria Wanders aus Arnheim. Bei Tannen zeigen die Zapfen nach oben, bei Fichten nach unten, lernt die Gruppe. Höhepunkt des Programms - im wahrsten Sinne des Wortes - ist der Besuch der hölzernen Sagenfigur am Stein, der auf 697,3 Metern den höchsten Punkt der Schneifel markiert. Durch das Aufstellen der Skulptur im vergangenen Jahr wurde die 700er-Marke geknackt.

Prüfung zum Gästeführer absolviert

 Wissen über die Region, über Flora und Fauna vermittelt Kurt Thomas. Foto: Manfred Hilgers
Wissen über die Region, über Flora und Fauna vermittelt Kurt Thomas. Foto: Manfred Hilgers



Die Grundlagen für die Führungen hat Kurt Thomas in einem Lehrgang zum zertifizierten Gästeführer erhalten. Den Anstoß erhielt der Schneifler, der ursprünglich Lehrer werden wollte, aber keine Anstellung bekam und seitdem als Marketingfachmann arbeitet, während einer Busreise nach Kreta. "Die Reiseleitung war grottenschlecht", erinnert er sich. Das habe ihn so geärgert, dass er sich einen Reiseführer besorgte und über Nacht seine erste Führung vorbereitete. Die Reisegruppe war begeistert und ermutigte ihn, daraus mehr zu machen.

"Schon bei der Prüfung zum Gästeführer habe ich mich als schwarzer Mann verkleidet", sagt Thomas. Auf diese Idee sei er gekommen, weil er schon als Kind enttäuscht gewesen sei, als es hieß "Den schwarzen Mann, den gibt's eigentlich gar nicht". Bis heute ist unklar, woher die Bezeichnung stammt: Von Holzköhlern oder Bergarbeitern der Region oder von Türmen, die unter Napoleon errichtet wurden und deren Silhouetten einem Mann ähnelten.

Jedenfalls hat Kurt Thomas mit seinem Kostüm als guter Waldgeist ins Schwarze getroffen. Dass er den Beruf des Lehrers nie ausüben konnte, bedauert er nicht. "Ich bin ja Lehrer, nur auf andere Art und Weise", sagt er. EXTRA Die Führungen: Kurt Thomas hat sich mit Kollegen, die auch die Gästeführer-Prüfung abgelegt haben, zu den Gästeführern Eifel zusammengeschlossen. Sie bieten unterschiedliche Führungen. So kann die Region auch mit der Nebelfrau, mit Abt Ägil oder Schmuggler Jacques kennengelernt werden. Zwischen eineinhalb und dreieinhalb Stunden dauern die Touren, buchbar auch in Englisch, Niederländisch oder Französisch. Traditionelle Führungen wie Fahrten zu den Maaren gibt es ebenfalls. Kosten: zwischen drei und 25 Euro. Der schwarze Mann beispielsweise kostet Erwachsene fünf Euro, Kinder ab 6 Jahre 2,50 Euro, bis 6 Jahre kostenlos. (mll) Infos unter www.gaeste fuehrer-eifel.de