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Über Straßen und unter Schienen

Über Straßen und unter Schienen

BITBURG/ERDORF. Kapazitätsengpässe bei der Güterverkehrstochter der Bahn sind Grund für den LKW-Transport von Schotter in die Eifel, der an der Bahnstrecke Trier-Köln als Unterlage für neue Beton-Schwellen eingebaut wird.

Nicht nur die Wege des Herrn sind manchmal auf den ersten Blick unergründlich. Auch das Transportunternehmen Bahn hält für den Laien die ein oder andere Überraschung parat. Für anstehende Bauarbeiten zwischen Ehrang und Kordel hat das Unternehmen über Tage hinweg insgesamt 4000 Tonnen Schotter nach Erdorf karren lassen - mit LKW. Warum die Bahn, nach eigener Auffassung die Alternative zur Straße, das Massengut Schotter aus der Pfalz via Lastwagen hat transportieren lassen, begründet Bahnsprecher Hartmut Lange. Normalerweise übernehme die Bahntochter Railion den Transport. Doch die habe Kapazitätsprobleme.160 Sattelzüge statt 140 Waggons

Aufgrund der Fußball-Weltmeisterschaft gab es ein sieben Wochen langes Bauverbot im Streckennetz der Bahn. Schließlich wollte wohl kein Bahn-Chef riskieren, dass die brasilianische Fußballmannschaft auf ihren Wegen durch Deutschland bei irgendeinem vergammelten Land-Haltepunkt in einen abgenudelten ehemaligen Stadtbus einsteigen muss. Schienenersatzverkehr nennt sich so etwas und ist ein ins Portugiesische wohl nicht übersetzbares Wort. Notwendige Arbeiten für dieses Jahr müssen aufgrund des WM-Stopps also in 45 Wochen erledigt werden. Das bedeutet zu viele Baustellen zur gleichen Zeit. Das wiederum habe dazu geführt, dass für den Schotter-Transport nach Erdorf keine Transportkapazitäten vorhanden gewesen seien, sagt Pressesprecher Hartmut Lange. Und so fuhren über Tage hinweg LKW von morgens bis abends vor allem aus dem Steinbruch Rammelsbach bei Kusel zu der mehr als 100 Kilometer entfernten Abladestelle in der Eifel. Aufgrund der großen Menge wurde zudem noch Schotter von einem weiter entfernten Steinbruch herangekarrt. Bei der üblichen leichten Überladung wären bei jeder Sattelzug-Fuhre aus der Pfalz 25 Tonnen transportiert worden. Macht insgesamt rund 160 Touren hin und zurück, unter anderem über die viel befahrene B 51 und quer durch die Stadt Bitburg. Ein Transport des größten Teils der Steine über die Schiene wäre angesichts einer neuen Füllanlage in Rammelsbach übrigens kein größeres Problem gewesen. 130 bis 140 Bahn-Waggons hätten für den Transport ausgereicht, sagt Bahnsprecher Lange. Sieben Züge mit jeweils rund 20 Waggons hätte das für die Bahn bedeutet. Auf Waggons wird der Schotter, der zwischen dem 5. und dem 14. August auf einer fünf Kilometer langen Strecke zwischen Ehrang und Kordel eingebaut wird, dann doch noch verladen. Nämlich dann, wenn es zur Baustelle geht. Auch die ebenfalls in Erdorf gelagerten Betonschwellen werden auf Waggons verladen. Die neuen Schwellen ersetzen die bisherigen hölzernen Halterungen für die Schienen. Für die Zeit der Bauarbeiten auf der Eifelstrecke im August kündigte Bahnsprecher Lange an, dass ein Schienenersatzverkehr eingerichtet wird. Mit welchen Fahrzeugen der vorgenommen wird, sagte der Bahnsprecher nicht. Sicher ist jedoch, dass keine Fußball-Nationalmannschaft auf der Strecke zwischen Ehrang und Kordel unterwegs sein wird.