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Überalterte Regimes und soziale Ungerechtigkeit

Überalterte Regimes und soziale Ungerechtigkeit

Einen Überblick über die Situation hat der Fernostexperte Michael Lüders in Prüm gegeben. 120 Zuhörer haben sich beim Geschichtsverein Prümer Land über die Situation der arabischen Länder im Zusammenhang mit der arabischen Revolution informiert.

Prüm. "Der Pfropfen ist von der Flasche." So beschreibt Michael Lüders die revolutionäre Situation in arabischen Ländern von Tunesien bis Bahrein. Auf Einladung des Geschichtsvereins Prümer Land gab der Nahost-Experte und Publizist aus Berlin einen Überblick über diese Region, die gesellschaftlich, politisch und religiös von tiefen Gräben durchzogen ist.
"Die Revolutionäre, die ursprünglich angetreten waren, um das Land aus der Kolonialherrschaft zu befreien, waren nicht gewillt, die Macht abzugeben oder zu teilen." Das ist seiner Meinung nach die Ursache für die jetzige Revolution 50 Jahre später. Die überalterten Regimes blockieren aus seiner Sicht die gesellschaftliche Entwicklung. Dazu komme eine ausgeprägte soziale Ungleichheit.
Während drei Prozent der Superreichen im Umfeld des Regimes das Land ausbeuteten, "ist die bürgerliche Mittelschicht ständig in der arabischen Welt vom sozialen Abstieg bedroht", obwohl sie nur weitere 30 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht. Der Rest seien Arme.
Da die islamistischen Vereinigungen die einzigen gewesen seien, die die Fürsorgefunktion übernommen hätten, die der Staat nicht hätte bieten können, würden sie Wählerstimmen bekommen. So passiere es, dass zunächst gar nichts passiere. Mit etwas Geduld hingegen könnten die neuen Regierungen Arbeitsplätze und Wohlstand schaffen. Andernfalls stünde die nächste Revolution bevor. stbr