Überraschung: Der Norden ist Billen-Land

Überraschung: Der Norden ist Billen-Land

Wahltabellen zu studieren macht Spaß, denn sie sorgen immer wieder für Überraschungen. So auch nach dieser Landtagswahl: Der Norden des Eifelkreises hat Michael Billen viel lieber als gedacht. Die Kyllburger geben Monika Fink den Vorzug. Und das kleine Usch ist eine Linken-Hochburg.

Bitburg/Prüm. Es war nichts als ein Irrglaube, mit dem lange Zahlenreihen nun aufräumen: Anders als von vielen angenommen, hatte Michael Billen (CDU) keine Probleme, im Norden des Eifelkreises Wähler zu finden. In den Verbandsgemeinden (VG) Prüm und Arzfeld haben mehr als 34 Prozent der Wähler Billen ihre Stimme gegeben. Mehr gab es für ihn nur in seiner Heimat-VG Irrel (35,8 Prozent).

Ein Grund dafür könnte sein, dass der Norden - auch das zeigen die Zahlen - schwärzer ist als der Süden: Dort ist die CDU der 40-Prozent-Marke nahe. Monika Fink (SPD) konnte Billen nur in der VG Kyllburg schlagen, obwohl sie in der VG Speicher ihr bestes Ergebnis erzielte (33,6 Prozent).

In etwa gleich schlecht sah es für beide in Bitburg aus. Denn hier waren Grüne und Freie, deren Direktkandidaten aus Bitburg stammen, besonders stark. FDP und die Linke haben in keiner Verbandsgemeinde die Fünf-Prozent-Hürde bei den Zweitstimmen knacken können, auch wenn ihre Direktkandidaten zum Teil besser abschnitten. Hier die Analyse der einzelnen VG-Ergebnisse:

Verbandsgemeinde Prüm



Spätestens seitdem sich Michael Billen in einer Kampfabstimmung um die CDU-Direktkandidatur im Eifelkreis gegen die Prümer Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy durchgesetzt hatte, galt als ausgemacht, dass es Billen im Nordkreis wohl schwer haben dürfte. Doch das Ergebnis in der VG Prüm spricht eine andere Sprache. In den meisten Ortsgemeinden bekommt Billen mehr Stimmen als seine SPD-Herausfordererin Monika Fink. In Prüm jedoch liegt sie bei den Erststimmen knapp vor Billen (33,7 zu 31,2 Prozent). Erstaunlich: Bei den Zweitstimmen liegt die CDU klar mit 39,5 zu 29,1 Prozent vorn. Auf VG-Ebene verzeichnen vor allem die Grünen starke Zugewinne. Ihr Stimmenanteil wächst von 2,8 auf 12,6 Prozent. ch

Verbandsgemeinde Arzfeld



In der Ortsgemeinde Arzfeld spiegelt sich das Ergebnis der gesamten VG wider. Aber auch dort gibt es viele, die zwar ihr zweites Kreuz bei der CDU machen (42,8 Prozent), ihre Erststimme aber nicht beim CDU-Kandidaten Billen machen (39,5). Die Kleinen werden die Größten sein: Dieser Satz gilt mit Blick auf die Landtagswahl vor allem für die Gemeinde Herzfeld: Die Freien Wähler und die FDP kommen dort zusammen auf mehr als 50 Prozent der Stimmen. Der freie Kandidat Rudi Rinnen erreicht dort sein bestes Ergebnis in der gesamten VG Arzfeld mit 38,1 Prozent, für die Freien votierten 31,8 Prozent. Auch der FDP-Kandidat Günter Eichertz kommt in Herzfeld gut an und auf 23,8 Prozent der Stimmen. Reiff ist der Ort mit der höchsten Wahlbeteiligung: 94,7 Prozent der Bürger dort gingen an die Urne. Anders ausgedrückt: Nur zwei der insgesamt 38 Wähler nutzen ihr Wahlrecht nicht. 2006 hatte die Wahlbeteiligung dort noch bei 100 Prozent gelegen. ch

Verbandsgemeinde Bitburg-Land



Um Haaresbreite hat Michael Billen in der Verbandsgemeinde Bitburg-Land das Duell um das Direktmandat gewonnen. Mit 32,6 Prozent der Erststimmen lag er nur knapp vor Monika Fink (31,8). Auf Platz drei liegt Rudolf Rinnen mit stolzen 14,2 Prozent für die Freien Wähler, vor Grünen-Kandidat Wolfgang Fandel (13,7). Chancenlos waren auch im Bitburger Land FDP-Mann Günther Eichertz (4,5 Prozent) und der Linke Wolfgang Ferner (3,3). Während Billen vor allem in Hisel (69,2), Enzen (61,1) und Birtlingen (52,2) abräumte, lag Fink in Idesheim (53), Oberweiler (50) und Idenheim und Hüttingen an der Kyll (49 und 49,3 Prozent) deutlich vorne.

Während Fink und Rinnen im Bitburger Land mehr Erststimmen auf sich vereinen konnte als ihre Partei Zweitstimmen (28,8 Prozent für die SPD; 13,6 für die FWG), lief es für Billen genau andersherum: Die CDU schnitt mit 34,3 Prozent besser ab als der Kandidat aus Kaschenbach. scho

Stadt Bitburg



Bemerkenswert am Wahlergebnis in Bitburg ist das gute Ergebnis der Freien Wähler, das mit 17,5 Prozent deutlich über dem Landesschnitt von 2,3 Prozent liegt. Das darf Direktkandidat Rudolf Rinnen als Erfolg in seiner Heimatstadt verbuchen, in der ihm 19 Prozent der Bitburger ihr Vertrauen schenkten. Damit liegt er in Bitburg vor Grünen-Kandidat Wolfgang Fandel (15,9) und Wolfgang Ferner von den Linken (3,6) auf Platz drei hinter Michael Billen (29,2) und Monika Fink (27,6). Billen hat in Bitburg im Vergleich zur Landtagswahl 2006 zehn Prozentpunkte eingebüßt. Erheblicher waren die Verluste für Fink, die mit 14,4 Prozentpunkten richtig Federn lassen musste. Grüne (15,4 Prozent der Zweitstimmen) und Freie haben vor allem auf Kosten der SPD zugelegt, die in Bitburg von 47 Prozent in 2006 auf 27 Prozent eingebrochen ist. Dahingegen sind die Verluste der CDU von 34,1 auf 31,6 Prozent relativ milde. scho

Verbandsgemeinde Neuerburg



Keppeshausen war bislang absolute Billen-Hochburg. Bei der Landtagswahl 2006 kamen die Christdemokraten dort sowohl bei den Erststimmen als auch bei den Zweitstimmen auf 100 Prozent. Vorbei die totalitären Gewichtsverhältnisse. Monika Fink hat dort die schwarze Bastion brechen können und 28,6 Prozent der Erststimmen bekommen. Und nicht nur das: Die Grünen kamen in Keppeshausen von null auf 28,6 Prozent der Zweitstimmen.

Das beste Ergebnis erzielte Monika Fink in Herbstmühle (50) und Waldhof-Falkenstein (47,8). In Ammeldingen an der Our setzte allerdings nicht ein einziger Wähler sein Kreuz bei der SPD-Kandidatin. Die meisten Stimmen sicherte sich Günter Eichertz in seinem Heimatort Uppershausen (29,8). Ansonsten liegen die Verluste der Liberalen im Landestrend.

Über kräftige Zugewinne freuen sich die Grünen nicht nur in Keppeshausen; auch in Muxerath (19,2) und Obergeckler (17,2) kamen sie aus dem Nichts. Die meisten Zweitstimmen sammelte die Öko-Partei daneben in Heilbach (26,8) und Waldhof-Falkenstein (26,1). In Hütten (35,7) holte Wolfgang Fandel die meisten seiner Erststimmen. Rudolf Rinnen von den Freien Wählern erzielte ein beachtliches Ergebnis und bekam in Roth an der Our (22,7) und in Herbstmühle (21,4) die meisten Stimmen. Insgesamt votierten knapp zwölf Prozent für den FWG-Mann. Wolfgang Ferner (Die Linke) kann sich über Unterstützung aus Scheitenkorb freuen: Dort bekam er 14,3 Prozent der Stimmen. Höchste Wahlbeteiligung: Im 30-Seelen-Ort Burg gingen alle Wahlberechtigten zur Urne. zad

Verbandsgemeinde Irrel





Angesichts der Stimmenzuwächse sind die Freien Wähler und die Grünen die Gewinner in der VG Irrel. Mit 11,3 Prozent der Zweitstimmen hat die FWG einen enormen Satz gemacht - 0,8 waren es 2006. Insgesamt gaben 11,2 Prozent der Wähler Rudolf Rinnen ihre Erststimme. Der FWG-Mann holte sein bestes Ergebnis in Prümzurlay (21,5), wo CDU-Mann Billen sein schlechtestes Ergebnis (25,2) hinnehmen muss. Grünen-Kandidat Fandel darf sich nicht nur über das Ergebnis seiner Partei freuen - 13,1 Prozent der Erststimmen. Fandel selbst erhielt 14,3 Prozent der Erststimmen bei seiner ersten Wahl als Direktkandidat für den Landtag.

Die Linke wäre mit dem Ergebnis aus Wallendorf (6,9) in den Landtag eingezogen. Die meisten Stimmen sicherte sich Wolfgang Ferner in Minden (5,1). Unschlagbarer Heimvorteil von Michael Billen in Kaschenbach: 85,7 Prozent der Erststimmen sammelte er in seinem Heimatort. Allerdings gaben nur 38,2 Prozent der Kaschenbacher der CDU ihre Zweitstimme. 2006 waren das noch stattliche 84,6 Prozent. Dort fuhr die FDP mit großem Abstand ihr bestes Ergebnis ein - 35,3 Prozent der Zweitstimmen. SPD-Konkurrentin Fink bekam nur 2,9 Prozent in der Billen-Bastion. SPD-Hochburg ist und bleibt Ferschweiler, trotz deutlicher Verluste. Monika Fink holte dort 38,3 Prozent der Erststimmen und die SPD mit 41,5 Prozent das beste Ergebnis bei den Zweitstimmen. Zufall? Die größte Beteiligung an der Wahl gab es mit 85 Prozent im Billen-Land Kaschenbach. zad

Verbandsgemeinde Speicher



Die VG Speicher ist eine kleine CDU-Bastion im Südkreis: 37,3 Prozent der Wähler haben der Partei dort ihre Stimme gegeben. Besonders viele Stimmen bekam Direktkandidat Michael Billen aus Spangdahlem (48,4) und Beilingen (43,9), das fast zur Hälfte CDU gewählt hat. Besonders wenig Stimmen für die CDU (9,4 Prozent) gab es aus Philippsheim, das traditionell SPD wählt. Allerdings hat Monika Fink (46,9 Prozent) dort im Vergleich zu 2006 mehr als 20 Prozentpunkte verloren. Ein Teil davon dürfte an die Grünen gegangen sein, die in Philippsheim so viele Zweitstimmen bekommen haben wie sonst nirgends in der VG (26,6 Prozent). Ein anderer Teil an Rudolf Rinnen, der dort mit mehr als 20 Prozent sein bestes Ergebnis in der VG einfuhr - knapp gefolgt von Beilingen.

Überdurchschnittlich viele Stimmen für die SPD kamen auch aus Orenhofen und Auw an der Kyll, das mit rund 75 Prozent die höchste Wahlbeteiligung hatte. Die Ergebnisse aus dem größten VG-Ort Speicher ähneln denen des Gesamtkreises. Auffällig nur: FDP und die Linke haben dort etwas besser abgeschnitten, die Freien etwas schlechter. kah

Verbandsgemeinde Kyllburg



Hätte sich das Rennen ums Direktmandat in der VG Kyllburg entschieden, dann würde Michael Billen nicht in den Landtag einziehen. Denn mit 32,8 Prozent der Stimmen hat Monika Fink die Nase knapp vorn. Besonders stark zu ihr hielten Balesfeld und Malberg (je 40,5 Prozent). Die meisten Zweitstimmen gab's für die SPD in Etteldorf (47,6 Prozent). Und das, obwohl im Ort überdurchschnittlich viele Billen-Wähler leben (42,9 Prozent).

Kleine CDU-Hochburgen sind Orsfeld, Zendscheid, Steinborn und Kyllburgweiler. Ihr schlechtestes Ergebnis holte die CDU in Usch, das völlig aus der Rolle fällt: Ginge es nach den Uschern, dann hätte Wolfgang Ferner (Die Linke) das Direktmandat gewonnen (27 Prozent).

Die meisten Zweitstimmen bekamen die Grünen (27 Prozent). Für die FDP, die in Gransdorf ihre Hochburg hat (10,3 Prozent), hingegen sieht es in Usch düster aus: Niemand wollte sie wählen. Die Freien können sich über gute Ergebnisse aus Orsfeld (27 Prozent) und Oberkail freuen (22,4). kah

EXTRA VERBANDSGEMEINDE OBERE KYLL

Die Liberalen haben in keiner VG des Eifelkreises die Fünf-Prozent-Hürde bei den Zweitstimmen knacken können. TV-Foto: Dagmar Schommer.



In der VG Obere Kyll darf sich Astrid Schmitt (SPD) über den einzigen Erststimmen-Sieg im Vulkaneifelkreis gegen Herbert Schneiders (CDU) freuen, auch wenn es knapp war: Mit 34,9 Prozent hatte sie die Nase vorn (Schneiders: 34,5), wobei sie ihr bestes Ergebnis in Jünkerath erzielte (43,6). Bei den Zweitstimmen sah es allerdings anders aus: Da lagen die Christdemokraten mit 38,6 Prozent deutlich vor der SPD (32,2). Die Grünen holten 11,8 Prozent, die Freien Wähler 7,2 Prozent, die FDP endete bei 4,4 Prozent. Kerschenbach bleibt SPD-Hochburg (43,6 Prozent), in Ormont wählt man christdemokratisch: 56,9 Prozent. In Feusdorf hätte es die Linke ins Parlament geschafft (5,7 Prozent), in Reuth holte die FDP überraschende 9,6 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 62 Prozent: Von den 6722 wahlberechtigten Bürgern gaben 4170 ihre Stimme ab. fpl