Überraschung in Prüm: Johannes Reuschen wird neuer Stadtbürgermeister

Kommunalwahl : Das neue Gesicht der Stadt Prüm

Überraschend klar gewinnt Johannes Reuschen die Bürgermeister-Wahl gegen Mathilde Weinandy.

Gegen 19.50 Uhr im kleinen Konferenzraum der Verbandsgemeinde (VG) Prüm, direkt neben dem Büro von VG-Chef Aloysius Söhngen (CDU): Die Stadtbürgermeisterwahl ist entschieden. Und zwar nicht unbedingt so, wie man es hier erwartet hätte: Denn Johannes Reuschen (er trat als freier Kandidat an) hat sich dann doch deutlich gegen Amtsinhaberin Mathilde Weinandy (CDU) durchgesetzt. Mit 56.9 Prozent der Wählerstimmen gegen 43, 1 Prozent für Mathilde Weinandy. Und zeigt sich in einer ersten Reaktion „überglücklich – ich freu mich einfach. Das ist eine tolle Teamleistung.“

In den vergangenen Tagen und Wochen hatten sich die Zeichen dafür gemehrt, dass es spannend werden würde – und keineswegs ein leichtes Rennen für die Amtsinhaberin, die seit dem Jahr 2004 bereits drei Mal von den Prümern in den Posten gewählt worden war.

Neuer Bürgermeister für Prüm. Foto: TV

Das klingt nach großer Zufriedenheit. Ob aber die Errungenschaften aus diesen 15 Jahren ihr helfen würden, in eine vierte Amtszeit zu gehen – es blieb zunächst offen. Zumal sich die Fraktion um den jungen Herausforderer Johannes Reuschen im Wahlkampf sehr engagiert gab. Was dann die Amtsinhaberin und ihre Unterstützer zuletzt dazu zwang, sich auch im Internet deutlicher zu zeigen, so wie die anderen bereits seit Wochen.

Reuschen trat als freier Kandidat an, um seine Chancen zu erhöhen, ist jedoch Vorsitzender der Prümer Bürgerbewegung im Stadtrat und Listenführer der FWG bei der Wahl zum Verbandsgemeinderat.

Als gegen 18.22 Uhr der erste Wahlbezirk – der Stadtteil Weinsfeld – ausgezählt ist, zeigt sich bereits: Das wird auf keinen Fall eine lockere Nummer für Mathilde Weinandy. Sie liegt zwar vorn, aber mit 82 zu 80 Stimmen. Knapp. Und die größeren Stimmbezirke kommen erst noch.

Und schon beim zweiten, ausgerechnet Mathilde Weinandys Heimbasis im Stadtteil Dausfeld, zieht Reuschen vorbei. EIne Führung, die er bis zur Auszählung im siebten und letzten Stimmbezirk nicht mehr abgegen wird. Um 19.50 Uhr steht fest, was sich schon vorher abgezeichnet hat: Johannes Reuschen wird der neue Stadtbürgermeister von Prüm. Mit klarem Ergebnis. Kommentar von VG-Chef Aloysius Söhngen: „Nachzählen müssen wir nicht.“

Als erste der Kontrahenten in der VG-Verwaltung: Mathilde Weinandy. Die 68-Jährige tritt mit einem tapferen Lächeln auf. Und sieht die Dinge realistisch: „In 15 Jahren hat man viel gemacht, aber auch nicht unbedingt jedem seinen Wunsch erfüllt. Da wird dann die Luft auch immer dünner.“ Und sie fügt hinzu: Sie habe doch das Gefühl, dass sie in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten fleißig gewesen sei. „Aber in Deutschland wird man nicht unbedingt immer für Fleiß honoriert.“ Und ab wann wird sie mit dem Ergebnis klarkommen? „Ab jetzt.“

Johannes Reuschen lässt da noch ein bisschen auf sich warten. Aber am Telefon zeigt er sich bereits hocherfreut. Das sei aber nur für den Moment: „Ich spüre auch schon: Ab jetzt ist kein Wahlkampf mehr. Jetzt muss umgesetzt werden.“ Etwa die von ihm gewünschte „Prüm-App“. Aber das werde er mit dem Rat zusammen machen. „Ich bin der Moderator, ich bringe die Ideen rein.“

Gegen 20.15 Uhr ist auch er im Konferenzraum eingetroffen, mit Lebensgefährtin Katarina Kops. Erste Gratulantin: Mathilde Weinandy. Reuschen weist unterdessen die Einschätzung zurück, dass seine Wahlkämpfer mehr Wirbel gemacht hätten als die Gegenseite: „Ich fand den Wahlkampf extrem pari.“ Allerdings habe er „hervorragende Leute“ gehabt. „Aber die anderen haben den Wahlkampf genauso fair geführt.“ Jetzt sei er gespannt auf das Ergebnis der Wahl zum Stadtrat. Klar, dass sein Sieg wohl auch den beiden Listen der Prümer Bürgerbewegegung und der FWG helfen sollte. „Aber es wird keinen Erdrutsch geben.“

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