Überraschung zum Jahresende: Clemens Ruhl verlässt die evangelische Kirchengemeinde Prüm

Glaube : Der Abteistadt gehen die Geistlichen aus - Clemens Ruhl verlässt die evangelische Gemeinde

Das war’s für ihn: Nach nur acht Jahren hört Clemens Ruhl als Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Prüm auf. Aus, mehr oder weniger, freien Stücken.

Den Prümern gehen die Pfarrer aus. Nach Christian Müller 2015 bei den Katholiken – und nach damals nur drei Jahren – wird auch Clemens Ruhl, seit 2012 Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde, aus dem Dienst ausscheiden.

Er tut das auf eigenen Wunsch, zum 1. Februar und „aus persönlichen Gründen“. Nähreres will er zunächst kaum sagen, während einige Stadtspatzen von den Dächern pfeifen, dass es mit dem Presbyterium, dem Leitungsgremium der bundesweit flächengrößten protestantischen Pfarrei, nicht immer Einigkeit gegeben haben soll. Ruhl sagt lediglich, dass mit den sieben Mitgliedern (die Neuwahl des Gremiums ist im März) „die großen Linien immer mit breiter Einigkeit“ bestimmt worden seien.

Vielleicht waren es ja die kleinen Linien – auch die können ja problematisch werden. Etwas mehr erfährt man in einer Mitteilung, die Ruhl kurz darauf rausschickt: „Das Schiff, das sich Gemeinde nennt, muss gut gesteuert werden über das Meer. Wenn es über den richtigen Kurs verschiedene Meinungen gibt, dann wird es schwierig für das Schiff. Nun verlässt der Kapitän das Schiff und macht einem neuen Kapitän Platz.“ Man ahnt: Da hat es wohl irgendwo gehakt.

Er wolle jedenfalls für seine Zukunft die Weichen neu stellen. Fest stehe, dass er auf absehbare Zeit „nicht mehr Pfarrer einer Gemeinde“ sein werde. Dennoch werde er bei Kollegen oder in anderen Pfarreien aushelfen, sofern nötig.

Ein vollkommener Abschied aus der Eifel ist ohnehin nicht geplant: Die drei Kinder gehen noch in Pürm zur Schule, Ruhls Frau Sonja Mitze steht ebenfalls im Dienst der Kirche. Zurzeit einer halben Pfarrstelle in Gerolstein, die übrige Zeit hilft auch sie als „Springerin“ in anderen Gemeinden aus – und wird auch in Prüm während der Vakanzzeit Gottesdienste halten. Aber die Familie wird aus dem Pfarrhaus in der Hillstraße ausziehen. Derzeit suche man nach einem Haus, sagt Clemens Ruhl. Er lacht: „Wer eins zur Verfügung hat– bitte melden.“

Ruhl ist 51 Jahre alt, im Februar 2012 trat er in Prüm an – da war der frühere katholische Pfarrer Robert Lürtzener gerade in den Ruhestand eingetreten. Vorigen Mittwoch hat Ruhl seinen Kollegen, der in der Woche davor überraschend gestorben war (der TV berichtete), mit beerdigt, als einer der beteiligten Geistlichen.

In Essen ist er geboren, aus Düsseldorf kam er damals in die Eifel. „Es war ein ganz anderes Arbeiten“ als in der Großstadt, sagt Clemens Ruhl. Und keineswegs schlechter: „Viele nette Menschen, gute Begegnungen, es hat mir eigentlich immer Freude gemacht.“

Und das gerade auch jenseits der konfessionellen Grenzen: Für Ruhl war es gerade mit den Katholiken „ein befruchtendes Miteinander. Das war eine wunderbare Erfahrung“, sagt er. „Ich hatte immer das Gefühl, auf Augenhöhe zu sein.“ Und immer habe man ihm widergespiegelt: „Schön, dass ihr da seid.“

Und deshalb blicke er dankbar zurück „auf eine gute ökumenische Zusammenarbeit mit den katholischen Pfarreien des Dekanats“ und darauf, dass er „für Behörden, Einrichtungen, Schulen immer ein wichtiger Gesprächspartner war“. In der Gemeinde lagen ihm nicht zuletzt die Jugendarbeit, die Arbeit mit iranischen Flüchtlingen, die Kirchenmusik am Herzen (das zeigte sich auch bei seinem Einsatz für die Orgel-Restauration in der Pfarrkirche).

Noch ein Steckenpferd des scheidenden Pfarrers: das Schachspiel. Mal sehen, welchen Zug er als nächstes macht.