Übungs-Granaten in der Deponie Rittersdorf: Entsorger der Sprengsätze wird nur schwer zu finden sein

Kostenpflichtiger Inhalt: Deponie Rittersdorf : Übungs-Granaten im Müll: Entsorger der Sprengsätze wird nur schwer zu finden sein

Zwei Übungs-Handgranaten der französischen Armee wurden auf der Rittersdorfer Deponie gefunden. Doch wie kamen die Sprengsätze in den Container? Dies zu ermitteln, stellt die Polizei vor Herausforderungen.

Der Fund von Granaten gehört für Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes zum Tagesgeschäft. Allein im Jahr 2018 wurden in Rheinland-Pfalz rund 35 Tonnen Munition und Munitionsteile entdeckt, geborgen und entsorgt – darunter 44 Handgranaten. Dass solche Sprengkörper aber in einem Müllcontainer auftauchen, sei schon bemerkenswert, sagt Fachmann Marco Ofenstein. Genau das ist vergangenes Wochenende in Rittersdorf passiert.

Am Freitagmorgen haben Mitarbeiter des Zweckverbandes Abfallwirtschaft in der Region Trier (A.R.T.) zwei Handgranaten im Sperrmüll entdeckt (der TV berichtete). Offenbar hatte sie  jemand dort entsorgt. Und so einen Einsatz von Polizei, Feuerwehr und Kampfmittelräumdienst auf der Deponie am Bildchen ausgelöst.

Wirklich gefährlich war die Aktion für die Fachleute wohl nicht. Denn es handelte sich, wie Ofenstein vom Kampfmittelräumdienst erklärt, um Übungsgranaten für die Ausbildung von Soldaten. Diese könnten zwar in die Luft fliegen. Die Detonationskraft der Gebinde sei aber wesentlich geringer als bei scharfen Handgranaten. „Wenn Sie so eine in der Hand behalten, während sie explodiert, ist das natürlich nicht günstig für die Hand.“ Tödliche Verletzungen seien durch Übungsgranaten aber nicht zu erwarten.

Gegen Mittag wurden die Wurfgeschosse bereits abtransportiert, das Verwertungszentrum wieder geöffnet. Doch der Fall beschäftigt die Behörden weiterhin, wie der Bitburger Polizeichef Christian Hamm sagt: Derzeit liefen Ermittlungen, um den Schuldigen zu finden. Einfach gestalten die sich aber nicht gerade.

Laut A.R.T. habe niemand gesehen, wie jemand die Sprengsätze in den Container geworfen habe. Erst beim Räumen des Behälters seien die Granaten aufgefallen.

Kurz: Es könnte jeder gewesen sein, der in letzter Zeit etwas in Rittersdorf entsorgt hat. Keine überschaubare Personengruppe: Im Schnitt, sagt A.R.T.-Sprecherin Kirsten Kielholtz, nutzen rund Hundert Menschen am Tag das Angebot in Rittersdorf. Einen Namen oder eine Adresse müssen sie bei der Anmeldung aber nicht hinterlassen.

Was die Tätersuche etwas eingrenzen könnte: Die Übungsgranaten stammen wohl aus Beständen der französischen Armee, wie Experte Ofenstein bereits am Wochenende nach flüchtigem Blick sagen konnte. Waffen der Bundeswehr oder des US-Militärs kämen nicht infrage.

Französische Truppen waren bis in die 1980er-Jahre unter anderem in Bitburg und Wittlich stationiert.  Die Grenze zum französischsprachigen Raum liegt überdies nicht weit entfernt. Möglich also, dass die Granaten von einem ehemaligen Soldaten oder einem Angehörigen stammen, der sie selbst behalten, verkauft oder zufällig auf dem Dachboden oder im Keller gefunden hat.

Klar ist auch: Die Granaten sind nicht neueren Datums, sondern wohl schon Jahrzehnte alt. Der Verdacht liegt also nahe, dass sie irgendwann aus Armeebeständen entwendet wurden. „In Privathaushalten haben die nichts verloren“, sagt Hamm. Sie dürften dort auch gar nicht gelagert werden. Möglich also, dass dem Schuldigen, so er denn ermittelt wird, auch Verfahren wegen Diebstahls oder Unterschlagung bevorstehen.

Nur wird der nicht leicht zu finden sein. Die Seriennummer der Granaten, sagt Ofenstein, gebe kaum Hinweise auf die Identität des Täters: „Daraus lassen sich höchstens Hersteller und Baujahr ableiten. Aber nicht, wo und von wem die Sprengkörper verwendet wurden.“

Derzeit sind die Granaten in einem Lager des Kampfmittelräumdienstes gesichert. Dort bleiben sie solange bis die Untersuchungen zu dem Fall abgeschlossen sind. Danach gehen die Sprengsätze laut Ofenstein in den Ofen einer Fachfirma und die Blechumantelungen als Altmetall auf den Schrottplatz. Und reihen sich dann in die Statistik der entsorgten Kampfmittel für 2019 ein.

Auch wenn der Granatenfund im Rittersdorfer Entsorgungszentrum bemerkenswert war, erlebt Ofenstein einen solchen Fall nicht zum ersten Mal: „Das kommt schon mal vor, dass Sprengkörper bei Entsorgungsbetrieben entdeckt werden.“ Die Regel sei das aber nicht: Mal gebe es fünf solcher Funde im Jahr, mal gar keinen.