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Umlage für Jünkerather steigt nicht - Stetig schrumpft der Schuldenberg

Prüm. Weil die Fusion mit Prüm weiter hakt, musste die Verbandsgemeinde Obere Kyll Neueinstellungen vornehmen. Dennoch arbeitet Jünkerath weiter am Abbau der Verbindlichkeiten. Die Umlage wird nicht erhöht. Frank Auffenberg

Das Papier ist 189 Seiten stark, liest sich so zäh wie ein Telefonbuch und sollte doch jeden Bürger interessieren: Die Verbandsgemeinde (VG) Obere Kyll hat vor der Debatte im Rat erstmals den Entwurf ihrer Haushaltsplanungen der Öffentlichkeit zur Einsicht vorgelegt. Gemeldet habe sich daraufhin allerdings niemand, sagt VG-Kämmerer Richard Bell.

"Seit dem 27. Januar lag der Entwurf für eine stärkere Einwohnerbeteiligung im Rathaus aus. In NRW ist das seit Jahren üblich, dort spricht niemand mehr darüber, für uns war das aber durchaus etwas Neues", sagt Bell, bevor er dem VG-Rat den Entwurf des Doppelhaushalts für die Jahre 2017 und 2018 erläutert (siehe Extra). Vielleicht liegt es an den durchaus positiven Zahlen, dass es keine Anmerkungen zur Haushaltsplanung und -satzung aus der Bürgerschaft gab. "Die richtige Richtung haben wir bereits vor Jahren eingeschlagen, die Zahlen zeigen jetzt, dass wir weiter auf diesem Weg bleiben sollten."

Zunächst dürfen die 14 Ortsgemeinden aufatmen: Ihre Umlage, der Betrag, den sie im Jahr an die VG abführen müssen, bleibt bei 47,25 Prozent ihrer Einnahmen stehen. Erstmals konnte die Umlage 2016 um einen Punkt auf diesen Wert gesenkt werden. "Sie bleibt stabil, wohl auch, weil die Prognosen für die kommenden Steuereinnahmen so gut sind", sagt Bell.

Eine weitere gute Nachricht: Die VG kann im angestrebten Finanzhaushalt - also dem Bereich der doppelten Buchführung, der tatsächliche Eingänge und Ausgänge auf den VG-Konten gegenüberstellt - voraussichtlich weiter ihre Verbindlichkeiten abbauen: Von 14 848 193 Euro (2016) auf 14 469 787 Euro (2018). "Im Finanzhaushalt werden wir durch die Tilgungen einen ausgeglichenen Haushalt allerdings in beiden Jahren nicht erreichen, weil wir durch den Kommunalen Entschuldungsfonds zu hohen Abtragungen verpflichtet sind", sagt Bell. In den Ergebnishaushalten, also den Berechnungen, die am ehesten den Gewinn- und Verlustprognosen eines Unternehmens entsprechen, blicke man aber auf Jahresüberschüsse: 128 856 Euro (2017) und 283 492 Euro (2018).

Höchster Posten bei den Ausgaben sind übrigens weiter die Personalkosten. "Weil die Kommunalreform noch auf sich warten lässt, mussten wir entgegen der Planungen einen neuen Fachbereichsleiter einstellen, durch die Insolvenz des Verkehrsvereins im Tourismusbereich waren weitere Einstellungen nötig", sagt Bell. Zweiter größter Block in den Ausgaben seinen die fest geplanten Investitionen in die Grundschulen und Turnhallen. 2017 werden in Lissendorf und Stadtkyll zusammen 893 430 Euro investiert (Eigenanteil der VG: 185 580 Euro), 2018 soll die Jünkerather Turnhalle für 1 249 130 Euro saniert werden (Eigenanteil: 253 490 Euro).

Die Ratssitzung leitete wegen Krankheit der VG-Bürgermeisterin, Diane Schmitz, die erste Beigeordnete Melitta Gray. Eine Debatte blieb allerdings aus. Der Entwurf wurde kommentarlos einstimmig angenommen.ZWEI JAHRE WERDEN ZUSAMMEN GEPLANT

Extra

Die VG Obere-Kyll stellte erstmals für die Jahre 2013 und 2014 einen Doppelhaushalt auf. Anstatt jeweils nur ein Haushaltsjahr zu betrachten, werden jeweils 24 Monate zusammen geplant - allerdings müssen auch im Doppelhaushalt beide einbezogenen Jahre einzeln betrachtet werden.