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Und alle hoffen auf noch mehr Regen

Und alle hoffen auf noch mehr Regen

Schlechte Preise für Schlachtvieh, der Milchpreis im Sinkflug, Krisen auf den internationalen Märkten - und nun auch noch ein trockener Sommer, der den Landwirten nicht nur die Ernte, sondern vielerorts auch die Stimmung ruiniert. Der TV hat sich in der Region umgehört.

Wittlich/Bitburg/Daun. "Wenn jetzt kein Wasser kommt, dann kackt alles ab." Michael Horper, der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Bitburg-Prüm und gleichzeitig der Präsident des Gesamtverbandes Rheinland-Nassau, bringt es auf den Punkt. "Die ersten Monate waren zu kalt, dann kam die große Hitze; die Niederschläge sind sehr unterschiedlich gefallen."

An schwachen Standorten hätten die Bauern 30 bis 40 Prozent weniger Winterweizen eingefahren als sonst. Die Rapsernte sei durchschnittlich gewesen. Lediglich bei der Wintergerste sei das Ergebnis gut. Die Grünlandernte bezeichnet Horper als katastrophal.
"Der erste Schnitt war schon nicht toll. Und danach kam nichts mehr." Das bestätigt auch Marco Weber vom Kreisbauernverband Daun. "Das ist ein großes Problem für die Milchviehbetriebe, die zum Teil jetzt schon ihre Ernte verfüttern."
Wenn die Vorräte aufgebraucht sind, müssen die Bauern Futter zukaufen. "Die Preise steigen jetzt schon", sagt Weber. "Ein Rundballen Silage kostet bereits mehr als 30 Euro, ein Rundballen Heu schon über 40 Euro - normal sind 25 Euro." Einige Betriebe werden das nicht überleben. Nach TV-Informationen haben bereits die ersten Bauern in der Eifel aufgegeben.

Horper setzt nun alle Hoffnung auf den Mais. Das Grundfutter der Viehbetriebe besteht zur Hälfte aus Mais; Betreiber von Biogasanlagen sind ebenfalls von einer guten Maisernte abhängig. Und der braucht jetzt Regen. "Ich gucke keine Wetterprognosen mehr", sagt Horpers Kollege Manfred Zelder vom Kreisbauernverband Bernkastel-Wittlich. "Das ist deprimierend." Er erwartet beim Mais eine Erntequote von nur 50 Prozent durchschnittlicher Jahre. "Auf sandigen Böden steht der Mais nur 1,5 Meter. Sonst hat er drei Meter." Zelder bestätigt auch für sein Gebiet die unterschiedlichen Ernteergebnisse. "Gute Böden konnten von unten Wasser nachführen und haben gute Ergebnisse erzielt."
Die Tabakbauern im 100 Hektar großen Anbaugebiet bei Wittlich können in diesem Jahr hingegen zufrieden sein. "Als der Tabak im Mai angepflanzt wurde, war der Boden feucht und die Pflanzen sind gut angegangen. Die heißen Temperaturen sind für Tabak ideal", beschreibt Zelder die Lage.

Die hohen Temperaturen lassen auch die Moselwinzer positiv auf die kommende Ernte schauen. "Wir nehmen gerne noch etwas Regen", sagt Zelders Stellvertreter Jörg Trossen. "Die Trockenheit hat schon ihre Spuren hinterlassen. Da die Beeren kleiner sind, wird die Ernte nicht ganz so groß ausfallen. Aber die Weinberge sind gesund. Wir haben keinen Schädlings- und Schimmelbefall an den Reben." Über die Qualität der 2015er Jahrgangs lässt sich zu diesem Zeitpunkt noch keine Prognose stellen.
Trossen geht aber davon aus, dass die Weinlese in diesem Jahr früh beginnen wird, für die Herstellung von Federweißem vermutlich schon Ende August.Extra

In den Landkreisen Bernkastel-Wittlich, Bitburg-Prüm und Daun gibt es knapp 3900 landwirtschaftliche Betriebe (Quelle: Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Eifel, basierend auf Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014). Die 1678 Betriebe im Kreis Bernkastel-Wittlich bewirtschaften zu etwa gleichen Teilen gut 30 000 Hektar Acker- und Grünland; dazu kommen gut 3300 Hektar Rebfläche. Hauptsächlich werden Futterpflanzen angebaut (knapp 4800 Hektar), gefolgt von Weizen (2731 Hektar) und Silomais (2566 Hektar). Die Bauern im Eifelkreis bewirtschaften gut 41 000 Hektar Grünland und gut 36 000 Hektar Ackerland. Darauf bauen sie vor allem Futterpflanzen an (14 666 Hektar), Silomais (9494 Hektar) und Weizen (6397 Hektar). Mehr als zwei Drittel der landwirtschaftlichen Fläche im Vulkaneifelkreis wird als Grünland genutzt (22 107 Hektar), nur 9313 Hektar für den Ackerbau. Auch hier steht der Futterpflanzenanbau auf 2741 Hektar an erster Stelle, die neu gezüchtete Weizen-Roggen-Kreuzung Triticale kommt bereits auf einen Anteil von 1780 Hektar, gefolgt von Silomais (1414 Hektar). In allen drei Kreisen stehen darüber hinaus in geringeren Mengen auch Gerste, Roggen, Hafer und Raps auf den Feldern. Bauernpräsident Michael Horper glaubt, dass der "Maisanbau seinen Höhepunkt überschritten hat". Die Bauern achteten wieder verstärkt auf wechselnde Fruchtfolgen, sagt er. wiw