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Und auf einmal gibt's BIT mitten in der Wüste: Armin E. Möller hat ein Eifeler Nummernschild in Amerika entdeckt

Und auf einmal gibt's BIT mitten in der Wüste: Armin E. Möller hat ein Eifeler Nummernschild in Amerika entdeckt

An der berühmten Route 66 liegt der kleine Ort Seligman. Ein Ort, an dem ein Kölner Journalist auf ein kleines Stück Bitburg stieß. Mitten in der Wüste gab es auf einmal Bit - nein, nicht das Bier. Wäre auch schön gewesen. Es geht um ein Nummernschild.

Manchmal trifft man genau dort auf Bitburg, wo man es am wenigsten erwartet. Etwa in Seligman, einem 450-Seelen-Dorf mitten im Nirgendwo der Halbwüste von Arizona. Früher war das einmal ein höchst florierender Ort.

Alle, die Amerika vom Osten in den Westen durchqueren wollten, kamen über die Route 66. Und die führte als Hauptstraße einmal längs durch das kleine Seligman.

Die "66" war die 3944 Kilometer lange Fernstraße von Chicago nach Los Angeles. Weil es im Hochplateau von Arizona weit und breit keine anderen Dörfer gab, lebte Seligman sehr gut von den Durchreisenden. Dann aber wurde die Autobahn "Interstate 40" fertig - und alles fuhr eineinhalb Kilometer südlich an Seligman vorbei.

Das vorher prosperierende Seligman drohte zu einer Geisterstadt zu werden. Dagegen stemmte sich der örtliche Friseur Angelo Degadillo. Auch bei ihm blieben die Kunden aus. Er erfand mit Gleichgesinnten aus Dörfern entlang der alten Ost-West-Verbindung das Projekt der "historischen Route 66". Die alte Straße wurde mit weltweit bekannten Oldtimer-Ralleys wiederbelebt.

Mehr als 800 Teilnehmer mit den schönsten Autos von vor-vorgestern touren seither Jahr für Jahr über die 66. Ergebnis: "Wir waren plötzlich wieder auf der Landkarte."Schilder statt Familienfotos


Einer der Oldtimer-Fahrer revanchierte sich für die gute Aufnahme in Seligman, indem er seine alten Autoschilder an die Wand von Angelos Frisierstube nagelte. Die Idee setzte sich durch. So viele ‚Numberplates‘ wurden nun geschickt, dass längst auch an die Wände in der Rezeption von der benachbarten Reinhards "Canyon Lodge" Kennzeichen angenagelt werden und dass Lilo von "Westside Lilo's Café" am Ortsausgang - dort, wo die 66 wieder durch offenes Land führt - Familienfotos abhängen muss, damit Platz für Autoschilder geschaffen werden kann.

Mit die Ersten, die ihre Autoschilder beim inzwischen 88 Jahre alten Angelo abgaben, waren Motorradbegeisterte aus Bitburg und Umgebung. "Numberplate" BIT-PH 9 ist nicht zu übersehen, man stößt darauf, kaum hat man den Salon-Souvenir-Shop betreten. Warum der Friseur überhaupt ganze Ketten von Schildern von der Ladendecke herabhängen lässt, muss nicht erklärt werden: Entlang der Wände seines Friseur-Souvenir-und-Kramshops sind schon alle Wände mit Autoschildern aus aller Welt dicht an dicht bepflastert. Und mittendrin: BIT - PH 9.Extra

Foto: (e_bit )

Armin E. Möller (geboren 1943 in St. Pölten, Österreich) ist ein deutscher Hörfunkjournalist und Sachbuchautor. Nach Schulbesuch und Studium in Mannheim absolvierte er eine Ausbildung bei der Badischen Zeitung, seit Ende der 1960er Jahre war er als Redakteur in der Abteilung Wirtschaft des WDR-Hörfunks in Köln Spezialist für Verbrauchersendungen und Features. Er ist viel in der Welt unterwegs. Bei einer Reportage für "Clever Reisen!" stieß er "in einem ziemlich einsamen Nest" in Arizona auf Bitburg. Er dachte, "dass es ein unerwarteter Stoff für die Leser ist" und schickte den Text an den TV. red