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„Und dann das noch obendrauf“

Auf ein Wort : „Und dann das noch obendrauf“

Im Zeichen der Kuh: Gerd Grebener (Foto: Dagmar Dettmer) liebt Rinder, Landwirtschaft und die Jagd. Der Geschäftsführer der Rinder-Union West in Fließem und Kreisjagdmeister im TV-Gespräch.

Was bewegt die Landwirtschaft?

Grebener: Ach, so vieles. Was wir in Fließem direkt merken ist, dass die Blauzungenkrankheit die Rinderhalter in eine sehr bescheidene Situation drängt. Nach dem trockenen Sommer gibt es ohnehin wenig Futter, so dass zugekauft werden muss und jetzt kommt das halt noch obendrauf. Diesen Virus hatten wir seit 2012 sehr gut im Griff. Aber jetzt hat er sich über Frankreich und Belgien wieder ausgebreitet. Inzwischen zählen ganz Rheinland-Pfalz und auch ein Teil Nordrhein-Westfalens zum Sperrgebiet. Auch in der Eifel sind Betriebe betroffen.

Die Krankheit ist für den Menschen ungefährlich. Wieso bereitet sie den Landwirten dennoch solche Sorgen?

Grebener: Die Tiere dürfen nicht vermarktet werden. Exporte ins Ausland sind verboten. Das führt zu Umsatzeinbußen. Wir hatten deshalb bei unserer jüngsten Auktion in Fließem statt 130 Rindern nur etwa die Hälfte. Jetzt müssen alle Tiere geimpft werden. Aber es ist kaum Impfstoff zu bekommen.

Was bedeutet das für die Tierschau zum Beda-Markt?

Grebener: Das ist im Moment noch nicht genau abzuschätzen. Falls unsere Tier-Auktion dieses Mal kleiner ausfallen sollte, werden wir alternativ Programm machen. Die landwirtschaftliche Fachausstellung mit Molkereien, Futtermittelherstellern, Stallbauern und vielen anderen findet auf jeden Fall statt. Wäre trotzdem schade, wenn uns die Blauzungenkrankheit eine große Auktion vermasselt.

Das ist nicht die einzige Seuche, die die Landwirte sorgt.

Grebener: Die Angst, dass sich die Afrikanische Schweinepest ausbreitet und auf die Hausschweine übergreift. In Belgien wurden infizierte Tiere auch außerhalb des Sperrgebiets gefunden. Die haben das nicht im Griff. Die Franzosen bauen jetzt einen Zaun.

Hilft ein Zaun?

Grebener: Jein. Auf eine Art, schon. Es ist aber ein riesiger Apparat an Aufwand und Kosten nötig. Der Mensch ist und bleibt das größte Risiko. Ein weggeworfenes Wurstbrot – und das war’s. In der Jagdsaison 2018 haben wir im Eifelkreis 2650 Wildschweine geschossen. Auch das hilft, ASP einzudämmen. Die Tiere sterben. Da kann man dann im Wald die Kadaver suchen gehen. Das Schlimme: Alle mit ASP infizierten Hausschweine müssen gekeult werden. Obwohl der Erreger für Menschen unbedenklich ist. Das kann Betriebe ruinieren.

Woher rührt Ihre Leidenschaft für Landwirtschaft?

Grebener: Das ist eine Berufung. Alle Landwirte lieben ihren Beruf. Das ist eben nicht nur irgendein Job. Ich mag Landwirte, denn das sind selbstständige, freie Menschen, Unternehmer.

Die machen das, was sie machen, mit Herzblut. Und zu sehen, wenn die Saat aufgeht und mit Tieren zu arbeiten, das sind Glücksmomente.