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Und sie interessieren sich doch!

Und sie interessieren sich doch!

Allen Gerüchten zum Trotz: Junge Leute interessieren sich für Politik. Zum vierten Mal haben Nachwuchswähler in Prüm im Rahmen der Aktion "Jugend trifft Rat" mit Politikern über die Dinge diskutiert, die sie wirklich bewegen.

Prüm. Kommunalpolitik ist dröge, Jugendliche sind politikverdrossen - zwei Vorurteile, die nicht aus der Welt zu bekommen sind. Dabei würde ein Besuch bei "Jugend trifft Rat", einer Initiative der Verbandsgemeinde (VG) Prüm, leicht vom Gegenteil überzeugen. Schon zum vierten Mal gehen junge Eifeler im Konvikt mit Vertretern aus Politik und VG-Verwaltung auf Tuchfühlung, um über die Dinge zu sprechen, die sie bewegen - die Themen durften die Teilnehmer nämlich im Vorfeld selbst bestimmen.
Als Eisbrecher greift Bernd Rehm, Leiter des Rauschgiftkommissariats in Wittlich, in einem einleitenden Vortrag noch in der Kapelle ein Thema auf, das die Region immer dringlicher beschäftigt: sogenannte Legal Highs, scheinbar unbedenkliche Kräutermischungen, die es aber in sich haben (siehe Extra).
"Zusammenbrüche sind keine Seltenheit, auch Todesfälle haben wir zu beklagen. Es klingt harmlos, ist es aber nicht", sagt Rehm. Die Substanzen seien in ihrer Wirkung unberechenbar und von legal könne auch nicht immer die Rede sein. "Sie werden in Kellern zusammengemischt. Man weiß nie, was drin ist", sagt er.
Rechts Politik, links Jugendliche


Noch sitzen Jung und Alt brav voneinander getrennt und lauschen dem Vortrag: rechts die Politik, links die Jugendlichen. Das wird sich aber bald ändern. In der einstigen Aula des Hauses stehen bereits fünf Tische parat. Kaum ist der Drogenfachmann fertig, geht es dort in die Diskussionsrunden: je Tisch ein Thema, jedes Thema 20 Minuten. Und die Bandbreite ist groß. Der Bundestagsabgeordnete Patrick Schnieder spricht sich über Politikverdrossenheit aus, Landtagsmitglied Nico Steinbach berichtet auf Nachfrage der jungen Gäste von seinem politischen Alltag. "Dienstag bis Donnerstag bin ich meist in Mainz, dann geht es wieder heim, um mich um meine Arbeit im Kreis zu kümmern", sagt er. Ein Raum weiter wiederum berichtet Hanni Thomas von der Initiative "Ich bin dabei" über seine Arbeit mit jungen Flüchtlingen.
Und die Abteistadt? Auch die findet sich in den Tischgesprächen wieder. Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy wird mit Nachdruck von Schülern des Regino-Gymnasiums darauf hingewiesen, dass der neue Busbahnhof am Gerberweg zwar schön sei, die Verkehrssituation aber in Sachen Sicherheit sehr zu verbessern sei. "Danke für den Hinweis, das müssen wir tatsächlich korrigieren", sagt Mathilde Weinandy. Ob die jungen Leute nicht selbst mal Interesse an Ratsarbeit hätten, möchte sie im Gegenzug wissen. Haben sie - allein es gibt ein großes Problem. "So was ist einfach neben Schule mit dem Abitur im Blick kaum zeitlich drin", sagt der Schüler Jonathan Esch.Extra

Unter dem Namen "Legal Highs" - frei übersetzt "Legaler Rausch" - werden Drogen in Form von Kräutern, Pulvern, Tropfen oder Pillen verkauft. Sie enthalten natürliche oder künstliche Rauschmittel, die auf den Verpackungen nicht ausgewiesen werden - die Mittel werden dann unter anderem als Badezusatz oder Lufterfrischer deklariert. Der Konsum ist gefährlich, sind die Wirkungsweisen doch unberechenbar. Ein sehr perfider Trick der Hersteller: Sie versetzen die Mischungen mit synthetisch hergestellten Cannabinoiden. Diese künstlich hergestellten Substanzen ähneln chemisch Tetrahydrocannabinol (THC), dem Wirkstoff in Cannabis, durch kleinste molekulare Veränderungen umgehen die Hersteller das Verbot übers Betäubungsmittelgesetz. Bis die "neuen" Substanzen analysiert und schließlich verboten sind, werden sie weiter verkauft, ab einem Verbot tauchen gleich neue Varianten auf. aff