Landwirtschaft: „Unser Betrieb steht auf der Kippe“

Landwirtschaft : „Unser Betrieb steht auf der Kippe“

Nach den schweren Unwettern der vergangenen Wochen kämpft der Biobauernhof Simon in Ordorf ums Überleben.

Den Biobauernhof der Familie Simon in Dudeldorf-Ordorf hat das Unwetter hart getroffen. Nun kämpft die Familie um ihre Existenz. Gründe dafür sieht das Ehepaar auch in der konventionellen Landwirtschaft.

 Die Situation auf dem Hof der Familie Simon ist dramatisch: Die braune Flut ist durch alle Gebäude hindurch geflossen und hat in den Erdgeschossen alles zerstört. Im Wohnhaus ist das vor wenigen Monaten frisch renovierte Erdgeschoss nahezu unbewohnbar, in den Stallungen wurden Futtervorräte und Maschinen zerstört. „Gott sei Dank hatten wir keine Kühe mehr hier. Die hätten keine Überlebenschance gehabt“, sagt Biobauer Manfred Simon. Seine im Aufbau befindliche Ziegenherde konnte sich in einen Freilaufbereich hinter dem Stall retten.

 „Uns Biobauern werden so viele Steine in den Weg gelegt, dass wir schon ohne Unwetterschäden ums Überleben kämpfen müssen“, klagt Barbara Simon. Die Mutter von vier Kindern geht einer Vollzeitbeschäftigung nach, damit der Hof überhaupt überleben kann. „Wir sind derzeit eher Selbstversorger. Es rechnet sich nicht wirklich für uns, Bioprodukte zu verkaufen“, sagen die beiden unisono. „Immer wieder Auflagen und ein Hin und Her bei Anträgen und Genehmigungen bei den Behörden sind zermürbend. Wir haben das Gefühl, dass wir als kleiner Biobetrieb nicht gewünscht sind“, sagt Manfred Simon. Als einen der Hauptgründe für die hohen Schäden durch das Unwetter sieht er - im Gegensatz zu weiten Teilen des Bauern- und Winzerverbands - generell die konventionelle Landwirtschaft. „Der Boden soll Regenwasser aufnehmen. Wenn tonnenschwere Maschinen den Boden befahren und bearbeiten, dann wird der so verdichtet, dass Wasser nicht mehr versickern kann. Zu beobachten ist das besonders bei den schweren Geräteparks im Maisanbau“, sagt Simon. Das sei, neben dem Anbau von diesen Monokulturen, einer der Gründe, warum sich soviel Oberflächenwasser sammele und dann als Sturzbach in die Orte laufe.

Zumindest beim Thema Maisanbau scheint ein Umdenken beim Bauern- und Winzerverband eingesetzt zu haben. So sieht man große Mais-Monokulturen auch dort für bedenklich (der TV berichtete). Mehr Winterbegrünung, neue und bodenschonende Anbauverfahren und Grünlandstreifen zwischen den Feldern werden derzeit überdacht.  Was aber für Biobauer Simon nicht reicht. Sein  Biobetrieb bewirtschaftet rund 20 Hektar. „Für diese Fläche Erde bin ich verantwortlich. Und das nehme ich ernst“, so Simon. Jetzt, nach dem Unwetterschaden, stehe der Betrieb auf der Kippe. Aufgeben wollen er und seine Frau aber nicht. „Wir kämpfen weiter für eine funktionierende Biolandwirtschaft.“