Unser Dorf ist schön genug
Mit den Frauen ist das so eine Sache: Also meine Walburga findet sich trotz all ihrer Lieblichkeit nie schön genug. "Ich bin wohl ein bisschen zu gut durch den Winter gekommen", meinte sie letztens, als sie sich vorm Spiegel drehte und wendete.
Sonst findet sie sich auch schon mal zu alt, zu verfaltet, die Haare zu fusselig oder zu strähnig, jedenfalls nie richtig genug. Gäbe es einen Wettbewerb "Meine Frau will immer schöner werden und hat Zukunft" - Walburga würde sich wohl jedes Jahr verzweifelt anmelden und auf eine Rundum-Erneuerung hoffen. Nur zur Kappensitzung am Wochenende, da ziert sie sich, wie die Eifel-Dörfer beim Dorf-Wettbewerb. "Nur was für die jungen Leute" und das berühmt-berüchtigte "Ich hab auch eh nix Richtiges anzuziehen" sind ihre Ausreden. Dabei sind doch Dörfer wie Frauen schon an sich was Schönes. Und, damit die Kirchen in den Dörfern und die Frauen auf den Kappensitzungen bleiben: Wahre Schönheit kommt sowieso von innen - und muss nicht erst von einer ganzen Kommission applaudierender Gecken bestätigt werden. Denn unsere Dörfer sind wie unsere Frauen: schlicht schön genug. Wetten, dass zumindest Walburga jetzt am Wochenende mitkommt?!