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Unser Dorf soll Zukunft haben

Unser Dorf soll Zukunft haben

Weniger Kinder, mehr Alte, was tun? Schönecken, so will es Ortsbürgermeister Matthias Antony, soll sich dem demografischen Wandel stellen. Zusammen mit dem Gemeinderat will er Ideen suchen, wie man den Flecken auch in Zukunft als attraktiven Wohnort für alle Generationen erhalten kann.

Schönecken. "Mit welcher Strategie wollen wir gegen den demografischen Wandel angehen? Haben wir überhaupt schon eine?" Mit diesen Worten stimmt Schöneckens Ortsbürgermeister Matthias Antony seinen Gemeinderat auf die anstehende Aufgabe ein.
Nämlich sich Gedanken zu machen, wie man in der Gemeinde auf den umfassenden Wandel in der Gesellschaft reagieren und die Folgen abmildern kann. Dazu nur ein paar Zahlen: Laut aktueller Volkszählung hatte Schönecken 2011 genau 1475 Einwohner - 26 weniger als bisher gedacht. Vor 20 Jahren waren es noch fast 200 Bürger mehr.
"Es ist natürlich klar, dass jetzt keine endgültigen Lösungen finden werden", sagt Antony. Vielmehr gehe es ihm darum, einen Impuls zu geben, damit man sich in der Gemeinde mit dem Thema auseinandersetze.
Antonys Impuls war der Vortrag von Winfried Köster beim Prümer Neujahrsgespräch, der eindrucksvoll die Herausforderungen für die Gesellschaft durch die immer älter werdende Bevölkerung geschildert hat (der TV berichtete). Diesen Wandel zu gestalten, sei eine zentrale Aufgabe der Politik in den kommenden Jahrzehnten.
Dieser Aufgabe will sich Antony nun stellen: Was könne man in Schönecken machen, um auch in Zukunft eine lebendiges und lebenswertes Dorf zu bleiben? Zunächst einmal muss er für Verständnis sorgen: Natürlich könne man in Schönecken nicht den demografischen Wandel als solches aufhalten oder gar umkehren - das dürfe aber nicht dazu führen, dass man einfach nichts mache. Worum es im Kern geht, bringt Ratsmitglied Ralph Schmidt auf den Punkt: "Es gibt eine immer größere Konkurrenz unter den Dörfern um die Einwohner."
Wie ist es um die Kinder- und Familienfreundlichkeit im Ort bestellt? Welche Infrastruktur ist vorhanden? Wie funktioniert das Zusammenleben der Generationen? Das sind nur einige Bereiche, die für Antony untersucht werden könnten, um die Gemeinde auch in Zukunft für Neubürger attraktiv zu erhalten. "Es gibt da viele Mosaiksteine, die sich zusammenfügen", sagt Antony. Oder - wie es Anja Görres-Biewald ausdrückt: "Es sind viele alltägliche Kleinigkeiten, die man versuchen muss zu erhalten."
Erdal Dogan regt an, nach dem Beispiel der Gemeinde Arzfeld einen Seniorenbeirat ins Leben zu rufen - oder bei einer Informationsveranstaltung mit dem gesamten Ort darüber zu reden, was man sich für die Zukunft vorstellen könne. "Über diese Dinge müssen wir reden und uns Gedanken machen." chMeinung

Den Wandel gestalten
Nein, den demografischen Wandel in Deutschland wird kein Gemeinderat mehr aufhalten. Den Zeitpunkt, dem entgegenzusteuern, haben Politik und Gesellschaft vor 40 Jahren verpasst. Doch nun gilt es, sich mit den Folgen auseinanderzusetzen und den Umbau zu gestalten. Denn es ist klar: Wenn immer weniger Menschen in der Eifel leben, wird es Verlierer geben. Dörfer, in denen kein Vereinsleben mehr stattfindet, weil sie keinen Nachwuchs haben. Dörfer, in denen auch der letzte Laden zugemacht hat und auch kein Bus mehr hält, weil zu wenige einsteigen. Auf der anderen Seite werden die Orte stehen, die sich schon frühzeitig darum bemüht haben, auch weiterhin ein attraktiver Wohnort zu bleiben, die im Kleinen Lösungen für die Herausforderungen des Wandels gefunden haben. Von daher ist es gut, dass man sich in Schönecken hierzu Gedanken machen will. Das ist noch kein erster Schritt, aber immerhin die Erkenntnis, dass man sich bewegen muss. Und damit ist man schon viel weiter als viele andere. c.brunker@volksfreund.de