Unser Freund, der Baum

MEERFELD/PRÜM/BLEIALF. "Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum..." – wer kennt nicht das berühmte deutsche Volkslied? Neben der lieblichen Linde steht auch die knorrige Eiche oder die leuchtende Kastanie im Mittelpunkt vieler Lieder und Gedichte.

Eifelweit sind Baumsolitäre oder Baumgruppen orts- und landschaftsprägend. So denkt man an herrliche Kastanienalleen an ehemaligen Dorfstraßen, Lindenbäume an Markt- und Brunnenplätzen oder an mächtige "Pappelstraßen" entlang fließender Gewässer. Mancherorts markieren auch bestimmte Solitäre mit ihrem unverwechselbaren Erscheinungsbild bestimmte Standorte, anderenorts gruppieren sich halbhohe Ulmen oder Eschen an Wegekreuzen, Flurkapellen oder Ruhebänken. Bäume haben einen hohen symbolischen Wert, sie galten einst als heilig. Götter und Nymphen wohnten in ihren Kronen. Bäume pflanzte der Hausherr zur Hochzeit oder zur Geburt eines Kindes, bestimmte Baumtypen betonten in der Nähe eines Friedhofs, einer Kirche oder einer Richtstätte die besondere Bedeutung dieser Kultstätte.Pappeln, Kastanien Eichen und Weiden

Eine über 350-jährige Eiche ist bezeichnend für den kleinen Weiler Merlscheid in der Verbandsgemeinde Arzfeld. Nicht nur die mächtige Krone ist charakteristisch, sondern auch der völlig ausgehöhlte Stamm, dessen urige Rinde dennoch für ein gesundes Wachstum sorgt. Die Eiche lebt - auch weil eine großzügige Sanierung vor 30 Jahren für neue Stabilität sorgte. Eine Augenweide sind in Prüm und in Bleialf die Kastanien im Dorf- und Stadtbild. Im Sommer spenden die mächtigen und komplexen Lebewesen Schatten und wohltuende Frische. Im Wechsel der Jahreszeiten begegnen unsere Sinne dem Spiel der Farben im jeweiligen Licht. Auch wenn die Pappeln und Weiden gemeinhin als "unwertes" Holz gelten, säumen ihre "Straßen" doch viele Eifelbäche. Ob im Nims-, Prüm-, Sauer-, Kyll- oder Ourtal - beide Baumgruppen bestimmen weithin das Landschaftsbild und sind wichtige Refugien für selten gewordene Insekten. Bäume sind eigenständige Lebewesen mit besonderen Eigenschaften. Baumarten wie Eschen, Buchen oder Fichten spielen primär eine praktische Rolle, etwa im "Ökosystem Wald" oder im Hinblick auf die Nutzung in der Landwirtschaft oder im Handwerk. Andere Arten werden auf Grund ihrer ästhetischen Reize (Ahorn) geschätzt, wieder anderen werden spirituelle Attribute (Eiche) oder magische Wirkungen (Zeder) zugesprochen. Im Mittelpunkt vieler Volkslieder steht die Linde. Insgesamt 44 Linden zieren die Bahnhofsstraße in Pronsfeld. In Scharfbillig fällt eine Pappelallee ins Auge, an der Sauer dominieren die Kastanien. Einen schönen Baumbewuchs findet man am Ufer des Meerfelder Maares und des Liesertales. Vielerlei Obstbäume wie Apfel, Zwetschgen oder Birnen machen die Wiesen "bunter" und bieten den Bienen ausreichend Nahrung. Im Altkreis Bitburg gehören Streuobstwiesen zum Landschaftsbild und sind für das gesamte Ökosystem von großer Bedeutung. Vielerlei Nutzen hat auch der Mensch als Genießer der Früchte, Beeren oder Blüten. Bäume bieten dem Menschen Ästhetik, Geborgenheit und ein Stück Lebensqualität. Viele Bäume fielen in der Vergangenheit Erneuerungsprogrammen und einer "Saubermann-Mentalität" zum Opfer. Doch diese Denkweise hat sich innerhalb der vergangenen Jahrzehnten geändert. Nicht nur wegen des Erscheinungsbildes, auch wegen des Nutzwertes sind Bäume lebensnotwendig: als Blitzableiter, Sauerstofflieferant, Schutzwall, Nistplatz, Spender von Holz, Tee oder Früchten, Laub und Kompost.

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