Unterm Sonnenschirm geht's weiter: Prümer Hahnplatz-Gastronomen setzen Außenterrasse mitten in Baustelle

Unterm Sonnenschirm geht's weiter: Prümer Hahnplatz-Gastronomen setzen Außenterrasse mitten in Baustelle

Auf dem oberen Hahnplatz wird seit gestern der Boden für den Umbau aufgerissen. Die Gastronomen nehmen es sportlich - und setzen mitten in die Baustelle eine temporäre Terrasse, damit jeder sieht, dass sie noch da sind.

Prüm. Eine gemeinsame Terrasse der Gastronomen, mitten in der Baustelle am oberen Hahnplatz: Das ist kein Witz, sondern seit gestern Wirklichkeit in Prüm - und eine Idee von Daniele Haas, Chefin des Hotels Zum Goldenen Stern und des Cafés Opulenzia. "Wir haben gedacht: Die fangen direkt vor unserer Haustür an zu baggern - da wollten wir einfach zeigen, dass wir alle weiter geöffnet haben", sagt die Mutter von Jan Gillengerten, der da, wo jetzt gebuddelt wird, das Café "Setz dich" betreibt. Direkt nebenan: der Schnellimbiss Mäc Hämpi - und auch da rupft seit gestern die Firma Schnorpfeil alles weg, was alt ist.Zeigen, dass was los ist


Vor den beiden Häusern, in Höhe des Zebrastreifens, stehen ebenfalls seit gestern Morgen Stühle, Tische und Sonnenschirme, mitten im Gewühl: "Zwei für Mäc Hämpi, zwei für uns", sagt Jan Gillengerten.
Für die Gastwirte ist es vor allem ein symbolisches Ding: "Natürlich glauben wir nicht, dass sich Gäste mit Kaffee, Cola oder einem Burger da hinsetzen", sagt Daniele Haas. "Aber sie sollen sehen: Wir sind da - und vielleicht ein bisschen schmunzeln, wenn sie die Sonnenschirme im Dreck stehen sehen."

"Ob das letztendlich was bringt - keine Ahnung", sagt Klaus Tuchtenhagen, der mit seiner Familie den Imbiss betreibt. "Es geht darum, einen optischen Punkt zu setzen, dass hier trotz Baustelle was los ist."
Die Gastronomen wendeten sich dafür an Schnorpfeil-Polier Rainer Schönecker aus Winringen, der die Arbeiten am Hahnpatz leitet. "Wir wollen ja auch ein bisschen mit den Leuten zusammenarbeiten", sagt er und ging deswegen auch auf den Vorschlag mit der Terrasse ein.

Dafür erhält er viel Lob von den Unternehmern: "Was möglich ist, macht er möglich", sagt Tuchtenhagen. "Der hat sich echt für uns eingesetzt", bestätigt Daniele Haas, "das ist einfach toll." Überhaupt gehe es gut voran auf der Baustelle - "wenn die einmal irgendwo dran sind, dann geht's auch weiter", sagt Tuchtenhagen.
Für die Imbiss-Betreiber bedeuten die Arbeiten unterdessen einen schmerzhaften Einschnitt, zumal in wenigen Tagen auch die Parkplätze vor der Tür verschwinden werden: "Zwei Drittel unseres Umsatzes machen wir mit dem Außer-Haus-Verkauf", sagt Klaus Tuchtenhagen. "Das ist schon schwierig, wenn die Leute nicht so mal eben vorfahren und sich was mitnehmen können. Ein blaues Auge gibt es für uns auf jeden Fall - ob hell- oder dunkelblau, da hab ich noch keine Ahnung." Aber Jammern nütze nun einmal nichts: "Es ist, wie es ist. Und mit Herrn Schönecker kann man wirklich auch reden."

Klingt doch alles ziemlich gut - und das nach dem verhagelten Start, als es wegen der Unklarheiten über das zu verlegende Pflaster nicht voran gehen wollte auf dem Hahnplatz (der TV berichtete). Das aber, sagt Rainer Schönecker, habe nichts mit den Leuten zu tun gehabt, die auf der Prümer Großbaustelle eingesetzt sind. Und überhaupt: "Was vorher war, war vorher. Wir machen jetzt unsere Arbeit."

Und die wolle man so gut und schnell wie möglich erledigen. Erst einmal heißt das: Ausbaggern, Kanal sanieren, Hausanschlüsse, alle Versorgungsleitungen in die Erde. "Die Arbeiten vor der Tür sollen sechs bis acht Wochen dauern", sagt Klaus Tuchtenhagen. "Danach wird dann alles provisorisch wieder zugemacht, damit wir wieder ein paar Tische vor die Tür stellen können."
"Und wenn die da fertig sind", sagt Daniele Haas, "fangen sie beim Opulenzia an abzureißen." Dann will sie auch einen Sonnenschirm für die Baustellenterrasse ordern: "Den stell ich dann noch dazu."Meinung

Die richtige Einstellung
Prima, wie die Gastronomen am oberen Hahnplatz mit der Baustelle umgehen - und mit den Kalamitäten, die sie nun einmal bringt. Und klasse, dass sie bei der Baufirma einen Ansprechpartner haben, der für sie tut, was er kann. Alle werden noch viel Geduld mit dem Umbau aufbringen müssen. Aber mit dieser Einstellung macht man es sich deutlich leichter. f.linden@volksfreund.de

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