Unterwegs in den Tiefen des Kanals

Mit kleinen Roboter-Kameras überprüfen die Verbandsgemeinde-Werke Bitburg-Land ihre teils mehr als 50 Jahre alten Abwasser-Kanäle. Dorf für Dorf fahren sie so im Auftrag des Werkausschusses ab. Der benötigt diese Informationen bis 2009, um sich einen Überblick über das Ausmaß des Handlungs-Bedarfs und die voraussichtlichen Kosten zu verschaffen.

Der Leiter der Verbandsgemeindewerke Bitburg-Land, Fritz Brüders (links), erklärt, was die Werksmitarbeiter bei einer Kamerafahrt durch den Kanal so alles sehen. TV-Foto: Dagmar Schommer

Bitburg. (scho) 250 Kilometer umfasst das Kanalnetz fürs Abwasser im Bitburger Land, 300 Kilometer das fürs Frischwasser. 150 Regenüberlauf-Becken und -Mulden zählen die VG-Werke, plus 53 Pumpwerke und 14 Kläranlagen. Allein dieses Jahr investiert die VG knapp sieben Millionen Euro ins Abwasser-System, damit, wie von der EU gewünscht, alle Haushalte an mechanisch-biologische Kläranlagen angeschlossen werden (der TV berichtete). "Und kaum, dass wir damit bis 2012 fertig sind, fangen wir auch wieder von vorne an", sagt VG-Chef Jürgen Backes. Ein Drittel der Abwasser-Kanäle in der 52 Dörfer umfassenden Verbandsgemeinde sind älter als 40 Jahre. Der Zeitplan des Werkausschusses sieht vor, dass bis nächstes, spätestens übernächstes Jahr der Handlungs-Bedarf ermittelt ist und eine Kosten-Kalkulation aufgestellt werden kann. Dann geht es nach der bis dahin vollzogenen Erstausstattung eben wieder von vorne los - aus der Tiefe des Kanals.

Mehrere Wochen werden pro Dorf benötigt



Etliche Dörfer wie Meckel, Idesheim, Trimport, Dudeldorf, Gondorf, Bickendorf und Bettingen wurden inzwischen schon überprüft. Die übrigen Folgen Schritt für Schritt. Da die Kanäle einen Durchmesser von rund 20 Zentimetern haben, bedienen sich die Werksmitarbeiter kleiner, ferngesteuerter Roboter-Kameras, die sie in die Kanäle entlassen und nach Belieben drehen und schwenken können. "Manchmal haben wir auch eine weglaufende Ratte auf dem Bild. Aber die haben mehr Angst vor unserer Kamera als umgekehrt", sagt Werkleiter Fritz Brüders, der das Prozedere erklärt: Die Bilder der Kamera sieht er sich auf dem Computer an. "Dabei können wir schon Brüche oder Verdrückungen erkennen", sagt er. Auf Basis der Daten der Roboter-Kamera, die auch zurückgelegte Wegstrecken misst, können die Daten eingemessen werden. So wissen die Fachleute später genau, an welcher Stelle ein Bruch zu verbuchen ist und können bei Bedarf gezielt den Bereich der Straße aufgraben, um den Schaden zu sanieren. Die Schäden werden in verschiedene Klassen eingeteilt, und ein Ingenieurbüro erarbeitet auf dieser Basis ein Sanierungskonzept.

Ein paar Wochen dauert es, bis die Kanäle eines einzigen Dorfs auf diese Weise abgefahren sind. Größter denkbarer Schaden wäre, wenn ein Kanal einzubrechen droht und der Abfluss des Schmutzwassers unterbrochen ist. "Dann besteht sofort Handlungsbedarf, obgleich wir das Schmutzwasser zur Not abpumpen können", sagt Brüders. Solch gravierende Schäden hat es bei den bislang geprüften Dörfern noch nicht gegeben. Brüders: "Aber teils ist die Lage schon so, dass wir handeln müssen - allerdings nicht von heute auf morgen." Das erste Sanierungskonzept soll für die Gemeinde Sülm erstellt werden, deren Kanäle teils schon seit 1958 liegen und wo es zuletzt Hochwasser-Probleme gab (der TV berichtete). Brüders: "Eventuell können wir das noch für nächstes Jahr in den Haushalt aufnehmen."