Unwetter fegt über die Südeifel

Unwetter fegt über die Südeifel

Der Hagel liegt fast einen halben Meter hoch auf der Straße, Bäume stürzen auf Straßen, fast ein Dutzend Orte sind ohne Strom, ein Zeltlager mit 130 Kindern und 40 Betreuern muss in Ernzen geräumt werden – Dauereinsatz für die Feuerwehren.

Buchen brechen wie Streichhölzer, stürzen auf Straßen und in Prümzurlay auch auf eine Stromleitung. Es hagelt fingerdicke Körner. Binnen von 20 Minuten steht der Hagel 40 bis 50 Zentimeter in Kaschenbach und Niederweis auf der Straße. Mitten im Sommer. "So was habe ich noch nicht erlebt", sagt Richard Wirtz, Wehrleiter in Irrel. Die Ortsdurchfahrt in Niederweis ist blockiert. Wehrleute schaufeln das Eis von der Straße. Ähnlich sieht es im Nachbarort Kaschenbach aus. "Ich kann mich erinnern, dass wir so einen Hagelsturm mal vor 30 Jahren hatten", sagt Michael Billen. Auch den Hof des Landtagsabgeordneten hat es getroffen: "Ich war noch im Stall, wir haben einen Mähdrescher repariert, da ging es los." Montagabend, gegen 22.30 Uhr: Es stürmt, donnert, blitzt, hagelt und regnet wie aus Eimern. "Bei einem unserer Maisfelder steht jetzt keine Pflanze mehr", sagt Billen. Auch zwei Getreidefelder sind hinüber. "Gegen solche Schäden sind die Landwirte versichert", sagt Bauernpräsident Michael Horper. Während es rund um Bitburg, dem Speicherer Raum und im Altkreis Prüm einfach nur aus allen Poren schüttet, wütet im Irreler Raum ein richtig heftiger Sturm. Von einem Reitstall bei Alsdorf fegt das Unwetter die Dachziegel runter. Auch eine Scheune in Prümzurlay wird abgedeckt. Die B?257 muss zwischen Irrel und Niederweis kurzfristig gesperrt werden. Bäume liegen quer auf der Bundesstraße. "Da sind sechs bis acht Wehrleute schon eine gute halbe Stunde beschäftigt, um die zu zersägen und aufzuladen", sagt Joachim Hönel, Pressesprecher der Feuerwehren in der Verbandsgemeinde Südeifel. Ganz ohne seien solche Einsätze nicht: "Die Gefahr ist, dass Wehrleute in einem Sturmgebiet bei Räumarbeiten selbst von umstürzenden Bäumen getroffen werden. Hier steht ja nicht nur einer." Insgesamt, sagt Hönel, sind knapp 70 Rettungskräfte bis in den frühen Morgen gegen 3 Uhr im Einsatz. Zwischen Ferschweiler und Prümzurlay liegen so viele Bäume auf der K?21, dass die Straße noch am Tag darauf gesperrt ist. Die Räumarbeiten dauern. Auch auf der Straße zwischen Meckel und Esslingen gibt es nach Auskunft von Willi Schlöder, Sturmbruch. In Dudeldorf und Ferschweiler werden Keller ausgepumpt. Die Feuerwehr schätzt, dass knapp ein Dutzend Orte zeitweise kein Strom hat - darunter Irrel, Menningen, Minden, Ernzen, Echternacherbrück, Prümzurlay, Holsthum und Ferschweiler. Ferschweiler ist nach Auskunft von Ortsbürgermeister Rudolf Schmitt erst morgens um 6 Uhr wieder am Netz. Das macht auch Feuerwehr und Rotem Kreuz zu schaffen, die ein Zeltlager in Ernzen räumen müssen. Eine Gruppe von 170 Jugendlichen und ihren Betreuern von einer katholischen Jugendgruppe aus Ötigheim bei Raststatt haben in dem Eifelort ihre Zelte aufgeschlagen. "Da läuft das Wasser einfach so durch, die können da erst mal nicht bleiben", sagt Wehrmann Hönel. Die Gruppe findet in der Turnhalle in Ferschweiler Unterschlupf. Weil es keinen Strom gibt, muss die Feuerwehr alles ausleuchten. Die Sondereinsatzgruppe des Roten Kreuzes Bitburg rückt an, baut Feldbetten auf und legt Decken bereit. "Wie schnell und unkompliziert das ging, dafür kann man den Rettungskräften nur danken", sagt Ferschweilers Orts-Chef Schmitt. Die Jugendlichen nehmen es mit Humor. "Sehr erprobte junge Leute, top organisiert", lobt Wehrmann Wirtz die Truppe. Die kann nun den Rest ihres Zeltlagers hoffentlich genießen. UNWETTER 2016 Im Juni 2016 kam es nach Starkregen an etlichen Orten entlang der Nims - von Schönecken über Lasel, Bickendorf und Rittersdorf bis nach Alsdorf und Niederweis zu Hochwasser. Es wurden Sandsäcke verteilt, Menschen mussten durch kniehohes Wasser ihre Häuser verlassen. Straßen, Häuser, Höfe, Ställe und Weiden waren geflutet. Mehr als 2000 Rettungskräfte waren im Eifelkreis damals im Einsatz. Das Besondere: Das Hochwasser kam plötzlich und unerwartet.
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