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Unwetter in der Eifel: Die Verbandsgemeinde Arzfeld und die Schäden in der Kommune.

Kommunalpolitik : Erste Zahlen zu Unwetter in der VG Arzfeld – und die erste Anzeige zum Tod von Kragenbär Mike

Bestandsaufnahme: Der Rat der Verbandsgemeinde Arzfeld hat sich am Montag mit den Folgen der Unwetter und des Hochwassers befasst. Dazu gehört auch eine Anzeige – wegen des Tods von Kragenbär Mike im Eifel-Zoo.

Montags nie: Der Rat der Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld hat seine Sitzungen meist an Donnerstagen. Aber Unwetter fragen nicht nach Gewohnheiten – sie kommen, wann sie kommen. Und ihre Folgen können verheerend sein – weshalb dann auch die Fraktionen schon einmal zum Wochenbeginn zusammengerufen werden müssen.

Denn es gilt zu handeln nach den Schäden, die das Eifel-Hochwasser Anfang Juni verursacht hat. In der VG, ihren Dörfern und der kommunalen Infrastruktur sind sie immens: Bürgermeister Andreas Kruppert (CDU) beziffert sie vorerst auf 1,1 Millionen Euro. Man brauche aber „kein Hellseher zu sein, um zu sagen, dass diese Zahlen nicht das abbilden, was am Ende dabei rumkommt“, sagt Kruppert.

 Schwer getroffen vom Unwetter: der Eifel-Zoo in Lünebach ist derzeit geschlossen.
Schwer getroffen vom Unwetter: der Eifel-Zoo in Lünebach ist derzeit geschlossen. Foto: Fritz-Peter Linden

Zerstört oder stark beschädigt sind unter anderem Wirtschaftswege, Wanderbrücken, der Prümtalradweg, Abwasseranlagen, Pumpwerke, es sind, alles in allem, „riesige Schäden, die wir hier zu beklagen haben“. Hinzu komme die Erosion, auch infolge landwirtschaftlicher Nutzung: Da seien stellenweise, sagt Kruppert, „ganze Hänge runtergekommen“.

 Kragenbär Mike im Eifel-Zoo war am Hochwassertag erschossen worden.
Kragenbär Mike im Eifel-Zoo war am Hochwassertag erschossen worden. Foto: Fritz-Peter Linden

Für die VG heißt das unter anderem: Der Nachtragshaushalt muss um einige Posten erweitert werden – und wird von allen Fraktionen einstimmig beschlossen. So kostet alleine schon die Entsorgung des Materials, das in den 50 VG-weit aufgestellten Containern gesammelt wurde, rund 100 000 Euro. Ebenfalls beschlossen: Der Kauf von Schmutzwasserpumpen für die Feuerwehren – denn das nächste Hochwasser wird eines Tages kommen. Was Friedhelm Hermes von der Liste Köppen zu einem Vorschlag veranlasst: „Könnte man nicht die Maisbauern mal fragen, ob sie das sponsern?“ Eine Idee, auf die sich aber Michael Horper, CDU-Fraktionär und Landes-Bauernpräsident, gar nicht erst einlassen will: „Es geht nicht, dass wir das so diskutieren.“ Horper kündigt aber an, dass es in Kürze Gespräche mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion gebe – um zu erörtern, wie man Schäden in Folge der extensiven Bepflanzung minimieren könne.

Rainer Hoffmann, SPD-Fraktionschef und Kreisgeschäftsführer des Roten Kreuzes, verweist auf das Spendenkonto, das man beim DRK eingerichtet hat: Dort seien bereits 160 000 Euro eingegangen. Von dem Geld können Bürger, denen das Wasser in die Häuser geschossen ist, unter anderem eine Soforthilfe in Höhe von 1500 Euro erhalten, für nötige Erstausstatungen. „Das geht unkompliziert und ohne Riesen-Papieraufwand“, verspricht Hoffmann. Man sei aber darauf angewiesen, dass die Leute ihre Schäden auch bei den Ortsbürgermeistern melden. Dazu sind die Bürger ausdrücklich aufgerufen – „keine falsche Scham“, ermutigt sie der VG-Chef.

Jenseits der kommunalen Anlagen geht der Bürgermeister auch auf die touristischen Einrichtungen ein. Besonders schwer habe das Hochwasser die Campingplätze heimgesucht (TV von voriger Woche): Allein an der Heilhauser Mühle rechne man mit Kosten in Höhe von einer Million Euro, in Waxweiler mit rund 400 000, in Preischeid mit 300 000. Kruppert zur Lage auf den Campingplätzen: „Da weiß im Moment noch niemand, wie es weitergeht.“

Das gilt auch für den Eifel-Zoo in Lünebach. Zukunft? Ungewiss. „Ein großes Problem“, sagt Kruppert. „Und wenn ich von einem Problem spreche, dann spreche ich nicht nur von einem Bären.“ Wie bereits berichtet, drohte Kragenbär Mike, der wohl beliebteste aller Zoobewohner, mit den Fluten aus seinem zerstörten Gehege und der Anlage zu geraten. Ein Jäger hatte den Bären dann erschossen, bevor er noch weiter nach draußen gelangen konnte.

Was inzwischen auch juristische Folgen hat: Ein Tierschützer aus Neuss hat den Eifelkreis bei der Staatsanwaltschaft Trier angezeigt. Und er behält sich vor, die Anzeige zu erweitern, auf VG und Ortsgemeinde Lünebach.

Kruppert weist jeglichen Vorwurf angesichts der Tötung zurück: „Derjenige, der so eine Entscheidung trifft, der trifft sie nicht gerade mal so aus dem Bauch heraus.“ Zumal das Wasser im Zoo so schnell hochgeschossen sei, dass dort niemand mehr etwas groß habe kontrollieren können. Landrat Joachim Streit, auf die Anzeige angesprochen, verweist darauf, dass der Kreis gar nicht involviert gewesen sei: „Es ist schade, dass der Bär tot ist. Aber wir haben das weder in Auftrag gegeben, noch kennen wir den Schützen oder die genauen Umstände.“ Nur der Kläger, sagt Streit, „der glaubt das halt nicht“.

Annemie Wallpott, Eigentümerin des Zoos, weiß nicht, was noch zu retten ist. Die Schäden? „Das geht ins Uferlose. Es ist eine Katastrophe.“ Allein die Herrichtung der Wege soll 140 000 Euro kosten. „Wo soll ich die herholen?“, fragt sie. Vorerst plant sie nun, mit Hilfe ihrer Familie zumindest den besser erhaltenen Teil der Anlage wieder so herzurichten, dass er in den Sommerferien geöffnet werden kann. Ob das aber rechtzeitig zu schaffen ist – sie kann auch das nicht sagen.

In Zoogründer Hans Wallpotts Heimatstadt Köln setzt sich derweil die Bürgervereinigung Ehrenfeld für die Rettung der Anlage ein. Der voriges Jahr gestorbene Wallpott war dort lange Zeit stellvertretender Vorsitzender. Die Bürgervereinigung hat zu Spenden aufgerufen (mehr unter http://bv-koeln-ehrenfeld.de).

Weiterer schmerzhafter Punkt am Montag: Die Ärztegenossenschaft Medicus eG und deren vieldiskutierte Nicht-Genehmigung durch den Zulassungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung. Der Rat soll die bereits in anderen Kommunen und dem Kreis verabschiedete Resolution dagegen beschließen. Markus Kremer von der SPD-Fraktion, Medicus-Mitglied und Hausarzt in Waxweiler, unterstreicht die Dringlichkeit: Denn selbst, wenn das Vorhaben genehmigt werde, könne es noch lange dauern, bis das geplante Versorgungszentrum aufgebaut sei: Dann gelte es nämlich, die dort anzustellenden Mediziner überhaupt aufzutreiben. Aber: „Wir haben keine 20 Ärzte in der Warteschlange“, sagt Kremer. Die Resolution wird einstimmig beschlossen.