(Update) Air Base will Umweltschäden beheben

(Update) Air Base will Umweltschäden beheben

Inzwischen weiß man, von welchen Stellen auf dem Stützpunkt Spangdahlem krebserregende Schadstoffe in die Umwelt gelangen. Ein Info-Abend in Speicher zeigt, was die Behörden planen, um das Problem zu beheben.

Wie ein riesiger Flugzeugträger liegt die Air Base Spangdahlem auf der ebenen Eifelhochfläche. Westlich geht's bergab Richtung Kylltal. Östlich hingegen haben sich Kailbach und Salm tief in die Landschaft eingeschnitten. Und das macht die Sache so kompliziert: Mitten durch Eifel-Amerika verläuft eine Wasserscheide. Von den Regentropfen, die auf den Luftwaffenstützpunkt fallen, wird ein Teil sich Richtung Kyll aufmachen und ein anderer Teil Richtung Salm.

Das Problem daran sind die krebserregenden Schadstoffe, die mit dem Wasser in ganz unterschiedliche Richtungen fließen. Sämtliche Bäche, Flüsse und Teiche im Umkreis der Air Base sind stark mit perfluorierten Tensiden (PFT) belastet. Auch im Grundwasser finden sich viel zu hohe PFT-Konzentrationen. Zudem strömen leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe (kurz LHKW) durch den Untergrund. Auf der einen Seite Richtung Beilingen und Philippsheim, auf der anderen Seite Richtung Niederkail. Und so sorgen sich Deutsche wie Amerikaner, dass all diese gesundheitsgefährdenden Stoffe eines Tages in ihren Trinkwasserbrunnen landen könnten. Bisher sind die Substanzen dort nur in unbedenklichen Konzentrationen nachzuweisen. Dennoch nimmt man das Problem ernst.

Dies zeigte am Mittwoch auch ein hochkarätig besetzter Informationsabend im Speicherer Rathaus: Vertreter der zuständigen Wasserbehörde, der Airbase, Geologen und weitere Fachleute sowie die Bürgermeister der Verbandsgemeinden Speicher und Wittlich-Land nahmen sich drei Stunden Zeit, um besorgte Bürger zu informieren. "Es ist einiges in Fahrt gekommen", sagt Marianne Rummel vom Umweltverband BUND, der das Thema kritisch begleitet. Was unternommen wird: Mit großem Interesse verfolgten die etwa 30 Zuhörer den Vortrag von Franz-Josef Steffes, dem Umweltschutzingenieur der Air Base Spangdahlem. Er kündigte an, dass die Air Force ab 2017 nur noch komplett PFT-freie Löschschäume verwenden wird. 2010 wurden die alten Schäume, die hohe PFT-Konzentrationen enthielten, ausgetauscht gegen Löschmittel, die zwar der EU-Norm entsprechen - aber immer noch geringe Mengen der gefährlichen Substanzen enthalten. Damit soll 2017 Schluss sein.

Rund zehn Millionen Dollar hat die Air Base seit 1997 für Umweltuntersuchungen ausgegeben. Unter anderem wurden damit 80 Grundwassermessstellen angelegt. Inzwischen weiß man laut Steffes recht genau, von welchen "Hotspots" die Verunreinigungen ausgehen. Hohe LHKW-Konzentrationen finden sich am ehemaligen Munitionslager sowie dort, wo einst eine Tankstelle und eine chemische Reinigung standen. Die höchsten PFT-Konzentrationen werden dort gemessen, wo Löschschäume zum Einsatz kamen: an den alten Feuerlöschübungsplätzen, an Sprinkleranlagen und dort, wo Brände gelöscht werden mussten. "Wir wissen, wo die Hotspots sind, aber wir wissen noch nicht, wie die Schadstoffe sich im Untergrund ausbreiten", sagt Ulrich Kleemann, Präsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord. Dies müsse man herausfinden, ehe man ein Sanierungskonzept erstellen kann. Erschwert wird dies dadurch, dass die geologischen Verhältnisse unter der Air Base höchst kompliziert sind. Daher hat die Air Base Untersuchungen in Auftrag gegeben, die noch bis Ende kommenden Jahres laufen. Allerdings kündigt Steffes jetzt schon an, dass die Air Force belastete Areale sanieren wird - wenn dies denn technisch machbar ist und wenn eine Gefahr für Mensch oder Umwelt besteht.

Das bedeutet: belastete Böden abbaggern. Auch eine Reinigung des stark verschmutzten Grundwassers hält Steffes für möglich. Dieses müsste heraufgepumpt und mit Aktivkohle gefiltert werden. Eine höchst aufwendige und teure Prozedur. Das Abwassernetz der Air Base wird derzeit untersucht, um herauszufinden, wo und wie PFT-haltiges Wasser in die Kanalisation eindringt. Von einer anschließenden Sanierung der Kanäle und Regenwasserrückhaltebecken verspricht sich Joachim Gerke von der SGD Nord viel. Denn über diese gelangen große Mengen Schadstoffe in die Bäche. Auf halber Strecke zwischen der Air Base und dem Beilinger Brunnen richten die Amerikaner demnächst Grundwassermessstellen ein, um vor nahenden Schadstoffen warnen zu können. Zudem soll der Märchenweiher saniert werden. All dies könnte Millionen kosten. Für das Areal der Air Base gilt laut SGD, dass der Verursacher zahlt - also die Air Force. Für Schäden außerhalb des Zauns wird wohl auch deutsches Steuergeld fließen.

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