Ur-Matzener gegen Neu-Matzenerin

Bei der Wahl am 1. September können die Bürger entscheiden : Ur-Matzener gegen Neu-Matzenerin

Nach der Wahlschlappe für Stefan Weimann, haben sich zwei neue Bewerber für das Amt des Ortsvorstehers in Matzen gefunden: Andrea Milbach und Paul Sonnen.

Eine verlorene Wahl ist eine Niederlage. Eine verlorene Wahl als einziger Kandidat ist ein Desaster. Für Stefan Weimann war der 26. Mai daher kein Grund zum Feiern. Der Bewerber der Liste Streit trat als Ortsvorsteher im Bitburger Stadtteil Matzen an und wurde von den Bürgern übel abgestraft. 64,1 Prozent der Einwohner machten ihr Kreuzchen bei „Nein“.

Wer sich im Dorf nach den Gründen für die Wahlschlappe umhört, dem dringen allerlei Gerüchte zu Ohren. Weimann habe sich in Matzen kaum blicken lassen, heißt es. Er habe den früheren, sehr beliebten Ortsvorsteher Hermann Josef Fuchs öffentlich kritisiert, aber versucht, die Lorbeeren für dessen Arbeit zu ernten.

Seit der Kommunalwahl führt Fuchs nun weiter die Geschäfte, obwohl er eigentlich früher aufhören wollte. Doch eine Ablöse ist in Sicht. Inzwischen sind beim Wahlleiter der Stadt Bitburg zwei neue Vorschläge für den Posten des Dorfchefs eingegangen. Zur Wahl am 1. September stellen sich die 48-jährige Andrea Milbach und der 60-jährige Paul Sonnen. Und damit zwei Kandidaten, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Zuerst zu den Gemeinsamkeiten: Beide sind Mitglieder der Freien Bürgerliste, kurz FBL. Sie gehören also derselben politischen Gruppierung an wie ihr Vorgänger, auf den die zwei große Stücke halten. „Herr Fuchs hat seine Aufgabe hervorragend gemacht“, sagt Paul Sonnen: „Es wird schwierig in diese Fußstapfen zu treten.“ Auch Milbach sagt: „Ich will auf Fuchs’ Arbeit aufbauen.“

Ortsvorsteherin will die Mutter werden, „damit Matzen auch für meine Kinder irgendwann Heimat werden kann.“ Ihr 60-jähriger Konkurrent tritt an, sagt er, „weil ich fürs Dorf was tun will, so gut ich es kann.“

Was ihm helfen könnte: Im Dorf ist Sonnen ein bekannter Mann. Er ist Tambourmajor des Spielmannszugs, seit Jahrzehnten Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und trägt das Goldene Ehrenzeichen. Der Qualitätsprüfer im Ruhestand bezeichnet sich selbst als „Ur-Matzener Gestein“. Milbach hingegen ist erst vergangenes Jahr in den Bitburger Stadtteil gezogen. Geboren und aufgewachsen ist sie im Bergischen Land (NRW). Zuletzt lebte sie in der Nordeifel, bis es sie „der Liebe wegen“ nach Matzen verschlug.  

Als wichtigstes Thema in den nächsten Jahren sehen beide Kandidaten die Erschließung des Neubaugebietes „Dorfwiese“ an.  „Über viele Jahre mussten wir Enttäuschungen erleben. Jetzt ist das Neubaugebiet endlich in greifbarer Nähe“, sagt Sonnen: Und damit, so Sonnen, auch der Zuzug junger Familien. Milbach sagt: „Das wird im nächsten Jahr die größte Herausforderung.“

Sonnen hat außerdem den Hochwasserschutz auf der Agenda. Beim Starkregen im vergangenen Sommer seien in Matzen einige Keller überflutet worden. Der 60-Jährige will daher ein Konzept auf den Weg bringen, um die Folgen solcher Extremwetterlagen künftig abzumildern.

Milbach will das Zusammenleben im Dorf verbessern. Der Abstand zwischen Alt und Jung werde immer größer, sagt die Neu-Matzenerin: „Beim Karneval ist das sehr gut zu beobachten. Wenn Büttenreden gehalten werden, hören die Jungen nicht zu. Wenn dann später die Musik gespielt wird, gehen die Alten raus.“ Sie will die Generationen daher wieder an einen Tisch bringen. Eine Idee: Ein regelmäßiger Gemeindetreff, bei dem Senioren und Jugendliche zusammenkommen.

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